Regale

Es ist ihm schon seit geraumer Zeit bewusst, dass er einfach zu viele Sachen hat. Bücher vor allem. An die dreitausend davon stapeln sich auf den Regalen in seinen Räumen und nun hat er das Projekt ins Auge gefasst, einen guten Teil, vorgesehen ist ein Drittel, zu reduzieren. Wenn es gut liefe, hätte dies zur Folge, dass zumindest die Regale aus dem Schlafzimmer verschwinden würden. Da stehen immerhin rund 400 Bücher. Einen kleinen Teil hat er bereits verschenkt, immerhin gibt es ja Menschen, die freiwillig lesen. Gerade für Belletristik finden sich Abnehmer. Je leichter die Muse, um so besser. Aber solche Bücher hat er nicht viele und die sind alle schon vergriffen. Und die echten Klassiker möchte er einfach nicht abgeben. Auch seine Söhne hat er inzwischen mit ausreichend Material für die studierten Fächer versorgt. Einer hat sogar für einen Kommilitonen die achtzehnbändige Propyläen Kunstgeschichte aus den sechziger Jahren mitgenommen. Jetzt stehen in der Diele noch einige Stapel, die er unbedingt auch noch los werden möchte. Eine Freundin hat ihm den Tipp gegeben, er könne ja vielleicht einige davon im öffentlichen Bücherregal in der Stadt unterbringen. Tatsächlich ist so kurz nach Weihnachten ein ganzes Fach frei. Wieder einige Zentimeter mehr Platz. Inzwischen hat er zumindest die gute Gewissheit, dass es im Schlafzimmer freier wird. Er möchte sich dort nämlich gerne ein schönes Bild hinhängen, welches er kürzlich bei einer Ausstellung erworben hatte.

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Traum

„Vorvorgestern hatte ich einen ganz verrückten Traum. Ich war auf der Vernissage einer Gruppenausstellung und habe zur Eröffnung auf der Posaune improviert und du hast dazu gesungen. Dabei kann ich doch gar nicht spielen, aber es war richtig gut. Das kann ich dir sagen. Da waren ziemlich viele Schickimickileute und eine von den Frauen dachte wohl ich sei die Kellnerin und hat mich nach etwas zu trinken gefragt und ich habe sehr laut gesagt: „Aber meine Dame, in Köln bestellt man doch kein Veltins!“ dabei hatte sie etwas ganz anderes bestellt und habe einfach weiter gespielt. Was bildet sich die dumme Tante eigentlich ein. Ich bin ja vieles, aber wenn ich Posaune spiele, dann bin ich Posaunistin.“ Die Freundin schaut ihn ganz empört an und dann müssen beide ganz unvermittelt lachen. Weder kann er singen, noch sie posaunieren. Aber gerade ist ja das Schöne an Träumen, sie lassen, wenn es gut läuft, alle Träume wahr werden.

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Dunkelheit

Der Mensch, denkt Herr Nipp wieder einmal, hat eine ganz ursprüngliche Angst vor allem Unbekannten. Also muss er eigentlich auch solche vor der Dunkelheit haben. Er kann nicht wissen, welche Gefahr hinter der nächsten Ecke lauert. Was könnte den Vorbeigehenden aus dem Busch anspringen oder vielleicht tut sich dort oder dahinten auch ein Loch auf, in welches man stürzen könnte und sich sämtliche Knochen bricht. Nein, natürlich nicht alle, aber es würde ja schon ein Kreuzbandriss reichen, um weitgehend fluchtunfähig zu werden. Von den üblen Schmerzen gar nicht zu reden. Die Gefahren sind übermächtig und schießen ihm gleichzeitig wie Hochgeschwindigkeitsgeschosse von einer Hirnzelle zur nächsten, Synapsengrenzen oder gar Verzögerungen dort gibt es nicht. Und genau in dem Moment, als er sich das Schlimmste von allem ausmalt, geschieht es auch. Er hat die Tretmine übersehen und ist direkt in den dicken Hundehaufen gelatscht. Scheiße. Auf dem Rückweg wird er in jeder Pfütze, die ihm in die Quere kommt, versuchen, seinen Schuh zu säubern, nur um zu Hause zu erkennen, dass alles fruchtlos war und er lässt den Schuh vor der Haustür stehen in der Dunkelheit.

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Lob

Manchmal ist ein kleines Lob wertiger
dieses Wissen der Anerkennung
ein tiefer Blick
wortlos

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Was wir haben

„Was wir haben, können wir verlieren. Dieser Gedanke ist alt. Wenn wir es so halten, dass das, was wir haben, immerhin jetzt unser ist, so ist es erträglicher,“ hört Herr Nipp einen Bekannten sagen. Er fragt nicht nach, weiß er doch um die barocken Leitworte. Er ist der Meinung, dass der Besitz eben kein Eigentum ist, sondern weitergegeben werden muss. Das scheinbare Eigentum ist so gesehen eine Leihgabe. Und dann sagt er doch etwas: „Wenn das einfach genutzt wird, ist es allen von Nutzen.“

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