Kräuter

Da abends geplant war, noch einen Schluck oder auch zwei guten Weins zu trinken, dabei Baguette zu essen und nicht wie sonst freitags Bier und Fritten, es ist ja schließlich Fry-day, musste er noch kurz in den Garten, denn dazu sollte es schon eine ordentliche Kräuterbutter geben, die aus frischen Kräutern, wie Schnittlauch, Majoran, Gundermann, Marienröschen, Löwenzahn, Bärlauch, Thymian, Apfelminze, Liebstöckel und so weiter, gemacht sein sollte, die dort an verschiedenen Stellen zwischen Gräsern und anderen Pflanzen zu finden sind, weil er nicht nur ein Kräuterbeet hat, sondern sein Garten eher wild vor sich hin wuchert; er ist immer der Meinung, das passt besser zu ihm als ein aufgeräumtes Feld aus Planquadraten. Herr Nipp fand an verschiedenen Stellen das gewünschte, hatte in der linken das Messer, das er sich irgendwann einmal selbst geschnmiedet hatte, die rechte Hand war gefüllt mit allerlei, da musste natürlich auch noch das berühmte Zaungespräch mit dem Nachbarn her, wie üblich über Corona und die Welt und die allgemeine Unzufriedenheit der Menschheit und natürlich darüber, dass immer wieder vergessen wird, wie schön es sein könnte, wenn alle ein wenig Freude an dem hätten, was sie selbst schon haben, als auf das zu schielen, was andere haben und neidisch zu sein. Und dann meinte der Nachbar beiläufig, Herr Nipp habe es ja immer noch besser als alle anderen, da brauche er ja auch nicht neidisch werden. Stimmt, ich habe jetzt alle Kräuter für die Butter, dachte der wiederum.

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Fensterbänke

Er hatte sie leergeräumt, all die vorgezogenen Pflanzen in den Garten gebracht, jetzt stehen die Fenster leer und Herr Nipp ist sich noch nicht so ganz sicher, ob er das vielleicht sogar mal eine Zeit schön findet.

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Wind geht

Er dachte, der Wind ginge, es war aber Sturm, der an allem riss, an den Blättern und Blüten der Apfelbäume und einiges zum Umkippen brachte. So saß Herr Nipp auch den letzten Tag seiner Corontäne fest im Haus und wagte sich lediglich manchmal nach draußen, vielleicht ein Stück Holz zu holen oder in irgendeiner Sturmpause all den Metallschrott aus dem Keller zu schleppen, in die Einfahrt zu legen und darauf hoffend, dass vielleicht ein Schrotti kommen möge, wenn denn nicht der Wind alle Dinge mit sich genommen habe.

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Feuer

Und wenn morgens, wenn draußen die Pflanzen mit einem weißlichen Raureifschleier überzogen sind, im Ofen die Holzstücke von Flammen umspielt werden, und er dabei zusieht und hört, dass der morgendliche Kaffee seltsam wohlig blubbernd von der Hitze nach oben in die Kanne gepresst wird, dann, denkt Herr Nipp, kann man sich wirklich darauf freuen, später seiner Arbeit nachgehen zu dürfen.

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Sonntagsruhe

Seine Nacht zum Sonntag endet wie üblich gegen sieben Uhr, vielleicht auch einige Minuten früher, er schaut ja nicht auf den nicht vorhandenen Zeitanzeiger. Das war kürzlich einer Freundin aufgefallen, dass die einzige Uhr, die bei ihm steht, eine alte Standuhr aus der Gründerzeit, nicht läuft. Stimmt, hatte er gesagt, es ist schon seltsam, dass eine Uhr die völlig unsichtbare Zeit im Raum zu visualisieren versuche, zwar hingen Raum und Zeit irgendwie zusammen, aber sie seien doch wohl nicht übersetzbar. Natürlich war dies lediglich eine Ausrede dafür gewesen, dass es ihm bisher noch nicht aufgefallen war, dass er sich bisher keine Uhr gekauft hatte. Er musste sich aber auch eingestehen, sechziger-Jahre-Uhren ticken einfach lauter. Und so sitzt er zeitlos hinter der Scheibe seines Esszimmers, hört leise eine Serenade von Mozart und genießt seinen heißen Kaffee. Dabei schaut er den Vögeln im Garten zu, fast idyllisch, wüsste er nicht, dass es dort draußen um Leben und Tod geht, immer. Um die Begrenzung der zur Verfügung stehenden Zeit

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