Es gibt kein „morgen“

Der Hedonist lebt heute und ohne Rücksicht auf ein Morgen. Erst wenn es zu spät ist, erkennt er eventuell den Fehler in seinem System.

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Diese Sonntage

Sein großer Tag, so wird es zumindest immer wieder genannt, ist vorbei, er hat den Geburtstag gebührend gefeiert und wahrscheinlich das eine oder andere Glas zuviel getrunken. Er hat sich vor allem über die Freunde und die Familie gefreut, die kamen, ganz wider die Voraussage, er werde dereinst sehr einsam sterben. Seien wir ehrlich, solche Aussagen sollten einerseits wirklich ernst genommen werden, da jeder einsam stirbt, denn das geht immer nur alleine. Andererseits gibt es ein Leben vor dem Tod und das sollte wirklich nicht einsam sein. Die Menschen um ihn herum zumindest geben ihm meist das Gefühl, dass sie ihn mögen und dafür ist er dankbar. Was gibt es besseres als Familie und Freunde? An einem solchen Nachfeiertagssonntag allerdings ganz allein auf dem Sofa zu sitzen, während wahrscheinlich die halbe Welt noch schläft und den Dauerregen verpasst, der draußen die Wiese zu einem unbetretbaren Sumpfgebiet verwandelt, das kann er nicht verhindern, denn erstens ist er ein Frühaufsteher und zweitens liebt er durchaus die Ruhe, bevor ein weiterer Freund zum sonntäglichen Frühstück kommt. Und auch dieses wird er genießen, denn wer hat schon einen Freund, der jeden Sonntag mit dir ein Frühstücksritual zelebriert?

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tote Stadt

Dabei ist es noch gar nicht so spät. Es wird gerade mal acht, als er durch die Stadt läuft, die Schaufenster noch hell erleuchtet. Natürlich. Egal ob Energiekrise oder nicht, egal ob Erderwärmung, egal ob was auch immer. Die Reklame muss da sein, ob nun jemand durch die Stadt läuft oder nicht. In diesem Fall ist es eben Herr Nipp, der an den Schaufenstern vorbei eilt. Er hat an keinem der ausgestellten Produkte irgendein Interesse. Er war kurz bei seiner Bank, einer Sparkasse, um genau zu sein, und hat seine Schulden bezahlt. Finanzamt, Autoschrauber und der Schwarzgolddealer. Egal wieviel Geld er hat, eine Schallplatte sollte immer drin sein. Fehlkäufe inklusive. Ansonsten aber geht da niemand herum, es ist kalt und die Menschen sind wohl froh, dass sie drinnen hocken. Vor dem Fernseher oder Computer. Und er ist froh, dass ihm niemand über den Weg läuft. Dass da niemand ist, der mit ihm reden will, ihn anspricht, was sonst so oft passiert. Das Konto im Minus, da braucht er frische Luft in der Lunge und um den Kopf, da braucht er keine Gespräche, außerdem hatte er heute eine heftige Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten, das reicht. Manchmal ist Herr Nipp einfach sehr dankbar, dass er in einer toten Stadt wohnt. Wo es keine Kneipen mehr gibt, da gibt es nachts auch keine Menschen.

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Gedichte

Er will nicht , kann nicht und wird nicht
kann die Sprache nicht bändigen
die Wörter nicht fassen
er liest sie nicht
liebt sie nicht

und doch

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Gedankenschuss

Kurz bevor er ins Bett will, der ganze Tag war mit Arbeit geprägt, ermüdender Arbeit, die er nicht so gerne macht, die aber gemacht werden muss, schießt ihm ein Gedanke ein, wahrscheinlich ähnlich der Milch bei einer jungen Mutter, die das Schreien des gerade geborenen Säuglings wahrnimmt. Er kann sich ebenso nicht dagegen wehren, es passiert und dann steht da dieser Satz, den er nicht versteht, der aber irgendwie wirkt wie eine Wahrheit, die aus der Zeit gefallen ist. Er hat ihn aufgeschrieben und jatzt kann er nicht mehr schlafen, denn darüber nachzudenken scheint sich zu lohnen: „Wenn nichts mehr da ist für etwas, ist gerade alles da für vieles oder alles.“

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