Grundrauschen

Eigentlich immer sind wir davon umgeben, denkt er, diesem Grundrauschen, das uns auch ein Stück einlullt. Dass er sich über dieses Rauschen Gedanken macht, immer wieder, ist uns Lesern natürlich klar. In dieser Nacht jedoch war es besonders vorhanden. Spät nach Hause gekommen, war er quasi schlafend ins Bett gefallen. Diesen Zustand des schnell Abtauchens in Morphois Arme liebt er, nicht quälend lang hin und her wälzen, von sorgenschweren Gedanken geplagt oder nie erfüllbaren Sehnsüchten, die er sich normalerweise niemals selber zugestehen würde, nur in diesen schwachen Momenten. Dann steht er oft auf, trinkt sich noch ein Glas eisgekühlten Wassers oder liest in einem langweiligen Buch, das eben auch irgendwann endlich mal zu Ende gelesen werden muss. Irgendwann freut er sich dann, dass er das Wissen daraus nutzen kann. Vor allem sieht er aber den direkten Nutzen, müde zu werden. Ärgerlich ist es aber, wenn er aus einem traumvollen Schlaf durch das Ansteigen des Grundrauschenspegels geweckt wird. So heute Nacht. Gegen drei Uhr ging es los, der Wind frischte auf, schlug die noch immer lachsrosafarbenen Blüten der Strauchrose, die sicherlich auch einen bedeutenden Namen hat, welcher in Rosenzüchterkreisen ein Raunen hervorruft, gegen die Fensterscheiben des Schlafzimmers. Das Licht der Straßenlaternen malte verwegene Schatten. Stete Bewegung. Sobald der Wind abflaute, schlief Herr Nipp wieder ein. Wohlig sich unter die Decke kauernd. Als gegen fünf dann allerdings der Regen einsetzte, der lange erwartete Regen, hielt ihn nichts mehr im Bett, er stürzte nur mit einer knappen Hose bekleidet heraus auf die Terrasse, schloss das Wasserfass an die Dachrinne an und war zufrieden und nass. Ein neues Grundrauschen erklang, leicht plätschernd immer, aber sehr sehr schön. Er blieb wach dieses Mal, las kein langweiliges Buch, duschte schnell, zog sich an und lauschte dann in eine braune Decke mit Ärmeln gehüllt dem Regen, in Gedanken bei all jenen, die den Regen so herbeigesehnt hatten.

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Wechselgeld

Immer noch zahlt er am liebsten mit Bargeld, auch wenn die Banken und andere „Player“ ihm ständig einzureden versuchen, es sei doch viel besser, wenn bargeldlos bezahlt würde. Außerdem ist ja nicht zu vergessen, dass in Coronazeiten auf dem Geld Viren kleben könnten. Ja, denkt Herr Nipp, das macht auch stutzig. Die Frage ist, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit Geld anzustecken. Es gibt für ihn zwei Gründe, mit Bargelb zu bezahlen. Erstens möchte er nicht zum gläsernen Konsumenten werden und zweitens hat er einen besseren Überblick über das Haben auf dem Konto. Das aber scheint genau das Ziel zu sein, das Eine möchten die Player und das Zweite geht zu Lasten des Konsums. Das einzige Problem, welches sich manchmal stellt, ist die Frage nach dem Wohin mit dem Wechselgeld. So hat er in jeder Tasche einige Münzen klimpern und immer, wenn er eine Hose auszieht, rollen sie durch das Schlafzimmer.

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Unlogisch oder?

Unsere Gesellschaft ist auf dem besten Weg zu zerfallen. Dabei ist Bildung nachweislich das wichtigste Instrument gegen eine mögliche Verarmung. Für Autos bekommt jeder einen zinsfreien Kredit, aber Studienkredite kosten Geld. Die Studierenden oder deren Eltern müssen das Studium selbst finanzieren. Erst wenn gar nichts mehr geht, ein Studiumsabbruch der einzige Weg, dann bekommen die gleichen Menschen plötzlich eine monatliche Förderung, aber nicht mehr,wenn sie selbst initiativ werden und wieder ein Studium beginnen.

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Unlogisch oder?

Alles in den heutigen Schulen läuft letztlich darauf hinaus, die Formen von Zusammenarbeit zu trainieren, weil dies im Berufsleben so wichtig ist. Demokratische Mechanismen sollen ausprobiert Und vertieft werden. Kooperatives Arbeiten steht im Vordergrund. Nur dann, wenn es wirklich darauf ankommt, ist gerade dies verboten, in Klausuren und Prüfungen.

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Tomaten

Er hat es wieder getan und dieses Mal war es wirklich ungeplant. Eine MitbewohnerIn hatte im frühen Sommer eine kleine Tomatenpflanze mitgebracht. Die Eltern hätten die Samen selber aussortiert aus den eigenen Paradeisern. Angeblich sollte es eine kleine eirige Form sein. Sie wuchs, weil Herr Nipp jeden Tag den unglaublichen Wasserbedarf stillte, prächtig. Blühte, setzte Früchte an. Nicht niedlich klein und in Eiform, sondern wuchernd mit Wülsten und Schrunden, täglich größer. Klassische Fleischtomaten also. Na gut, auch nicht schlecht. Regelmäßige Düngung mit Kompost ist nicht zweckfrei. Herrlich anzusehende Früchte. Er hatte sich vor einigen Jahren geschworen, keine Tomaten mehr anzubauen. Damals als die ganze Ernte verfaulte. Jetzt aber versteht er das gar nicht mehr. Wenn es nicht regnet den gesamten Sommer, ist es ziemlich einfach. Früchte, die nicht verkümmern und nach mehr schmecken. Heute Morgen hat er die letzte Tomate verzehrt, in dicken Scheiben auf einem Brötchen, gesalzen und mit frischem Basilikum garniert, etwas Olivenöl darüber. Ein Genuss.

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