Kramen I

Beim Kramen in Schubladen kann man so einiges wiederfinden. Meist sind es lang vermisste oder gerade eben nicht vermisste Gegenstände, die dann plötzlich auftauchen und Gedanken einimpfen, die ebenso vergessen schienen und unversehens virulent werden. Vielleicht dieser unglaublich peinliche Liebesbrief, den nun wirklich niemand sehen sollte, der aber so wundervoll geschrieben ist, dass man ihn nicht missen möchte, also wird er wieder einmal in dieser Schublade mit dem Namen „Wenn nicht da, wo sonst?“ (bei anderen Leuten heißt sie vielleicht auch die Kramlade oder wie auch immer, aber ein Haushalt ohne eine solche Schublade ist ein wirklich armer Haushalt, der ist unpersönlich und das sagt sehr viel über die Bewohner eines Hauses. Seien wir mal ganz ehrlich, es ist wirklich schön, irgendwann die eigenen Geheimnisse, die man vor sich selbst versteckt hat, wieder zu entdecken.) unter irgendeiner Schachtel verschwinden. Was hatte er damals Herzklopfen verursacht, wieviele Schlaflose Nächte und die Frage, wie sollte man dem Partner sagen, dass da etwas ist, für dass man selber gar nichts dafür kann. Aber so etwas hat Herr Nipp natürlich niemals bekommen, wäre ja auch noch schöner, wenn sich jemals irgendwer in ihn verliebt hätte. Was er gefunden hat aber, will er sammeln und sortieren.

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Bäume und Büsche

Was denkbar wäre: Baumhasel, Bergahorn, Brombeere (über dreißig Arten), Eberesche, Eibe, Elsbeere, Esche, Esskastanie, Faulbaum, Feldahorn, Felsenbirne, Fichte, Flatterulme, Gemeiner Schneeball, Gemeine Kiefer, Goldregen, Grauerle, Grauweide, Grünerle, Hasel, Himbeere, Holzapfel, Holzbirne, Holunder, Hundsrose, Ilex, Kastanie, Korbweide, Lärche, Liguster, Mehlbeere, Moorbirke, Pfaffenhütchen, Pyramidenpappel, Robinie, Rotbuche, Roteiche, Salweide, Schlehe, Schwarzdorn, Schwarzerle, Schwarzkiefer, Schwarznuss, Schwarzpappel, Silberpappel, Silberweide, Sommerlinde, Speierling, Spitzahorn, Stileiche, Traubeneiche, Traubenkirsche, Ulme, Vogelkirsche, Wacholder, Walnuss, Weißbirke, Weißbuche, Weißdorn, Weißtanne, Winterlinde, wolliger Schneeball, Zitterpappel, und wahrscheinlich viele andere, denkt Herr Nipp.

Was ist: Fichte, Buche, Eiche, und sehr wenige andere.

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Alles Mögliche

Er könnte jetzt auch über jenen Freund schreiben, der sich zu wenig gewertschätzt fühlt, was er aber gar nicht ist, denkt Herr Nipp. Jener Freund, der ihm immer wieder hilft, sich selbst die Augen für die Dinge, die ihn umgeben, zu öffnen, aber das will er jetzt nicht. Wahrscheinlich könnte er an die tausend Seiten zu diesem Thema verfassen und hätte doch nicht genug gesagt. Und seien wir einmal ehrlich, einen tausendseitigen Essay über nur einen Menschen würde dann auch wahrscheinlich kaum noch jemand lesen. Er könnte auch über einen bestimmten Geburtstag einer bestimmten Person schreiben, aber er weiß, dass er dann…nein, besser nicht. So viele Seiten würden die Kapazitäten des Rechners sprengen. Terrabites. Anbei: Herzlichen Glückwunsch. Vielleicht sollte er über jenen Läufer schreiben, der ihnen im Wald begegnet ist und der ganz lakonisch gefordert hatte, dass es doch bitte regnen solle. Ja, es gibt Menschen, denen es lieber ist, dass es regnet, weil es gut für den Wald ist, als sich in der Sonne, die doch mal wieder die Wolken verdränght hat, zu aalen. Das wäre sicherlich möglich, zumal dieser Mensch auch noch sehr spannend ist und sich Herr Nipp früher einmal sehr eng verbunden gefühlt hatte. Immer noch ist unser Held des Alltags fasziniert davon, dass es möglich ist, so viel Gedichte auswendig zu lernen. Man merkt, es ist wirklich lange her und die alten Geschichten muss man nicht immer und um jeden Preis wieder auffrischen. – Naja, vielleicht später einmal, wer weiß. – Er könnte vielleicht mal über die neue Schallplatte von Nick Cave schreiben, die völlig überraschend digitzal erschienen ist, aber da er von Musik wirklich keine Ahnung hat, lässt er es lieber und wird sie sich am 28. Mai lieber in der Vinylvariante kaufen. Ja, denkt er, sicherlich könnte er jetzt über alles Mögliche schreiben, die Gedanken fluten lassen. Und doch, er lässt es lieber bleiben, wahrscheinlich auch, weil oben gerade mal wieder die Bohrmaschine zu hören ist. Weil die Sonne scheint. Weil er ein unglaubliches Dröhnen im Kopf hat. Weil er noch nicht weiß, was er zu Mittag essen soll. Herr Nipp wird letztlich gar nichts in die Tatsatur hämmern. Gerade weil alles möglich ist, findet er es unmöglich zu schreiben.

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Krank sein

„Was war los mit dir? Warst du krank?“ „Nein, wieso?“ „Ich habe mir schon Sorgen gemacht.“ „Aha?“ „Es gab seit Tagen nichts mehr von dir, keine Nachricht, kein Anruf, rein gar nichts.“ „Stimmt.“ „Was ist denn? Bist du verstimmt oder brütest du eine Depression aus?“ „Nein.“ „Aber dass du dich so gar nicht meldest…“ „Ja.“ „Habe ich irgendwas falsch gemacht oder bist du irgendwie sauer auf mich?“ „Nein.“ „Du bist ja seltsam drauf. Du müsstest doch wissen, dass ich darauf warte.“ „Ich hatte keine Lust, mich zu melden. So einfach ist das.“ „Aber das geht doch nicht. Ich habe mir unendliche Sorgen gemacht.“ „Erstens könntest auch du dich ja mal melden, wenn es dir wirklich so wichtig ist. Zweitens gab es einfach nichts zu erzählen. Drittens hatte ich genug zu tun und viertens wusste ich ja, dass wir uns heute treffen. Nein, ich bin nicht krank, ich glaube vielmehr, dass es beizeiten einfach gut tut, vom Anderen mal ein paar Tage lang nichts zu hören, damit man sich darauf freuen kann, ihn oder sie wiederzusehen.“ Herr Nipp schenkt sich eine Tasse Kaffee ein und dem Gegenüber auch. Der sitzt da, die Arme verschränkt, und schmollt. Wie ein kleiner Junge, dem im Sandkasten das Schüppchen geklaut worden ist.

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nochmal Wald

Und eines ist klar, keine der hier nicht aufgeführten Arten soll ausgeschlossen bleiben.Die Fichten sind tot, und wenn nicht, dann zumindest bald. Herr Nipp hat diese Nadelbäume niemals sehr gemocht. Jaja, Brotbaum der Waldbauern. Er war immer schon der Meinung, dass Mischwälder eigentlich viel schöner wären. Aber es mag auch sein, dass ihm dies sein Vater schon in Kindertagen eingeredet hat. Und oft, wenn er seine Runden dreht – durch die einstigen Wälder oder besser Fichtenplantagen – hat er so seine Visionen. Er würde gerne einige Hektar Wald kaufen und neu bepflanzen. Er hätte gerne das Geld und den Mut Neues zu wagen. Wie wäre es, wenn man Mischwälder anlegen würde, in denen die Bäume nicht in Reihen wie Soldaten stehen würde, sondern mal in Gruppen, mal mit größeren Abständen. Pflanzungen, die nicht durchforstet würden, sondern in denen sich die Bäume durchsetzten, die diesen Standort wirklich verkraften? Er glaubt, es wäre doch spannend zu sehen, wenn zwanzig oder dreißig verschiedene Arten zusammen kämen, die sich vielleicht vertragen, vielleicht aber auch nicht. Dort wo es feucht ist, würde er Erlen und Weiden setzen, an anderen Stellen einige Buchen, möglichst etwas von den anderen Bäumen entfernt, zwischen denen einige Hainbuchen und Ilexe stehen, die den Schatten vertragen können. Wie schön aber muss ein Wald sein, in dem es Kirschen und Traubenkirschen, Eschen und Ebereschen, Lärchen und Kiefern, Berg- Spitz- und Feldahorn, Trauben- Stiel und Roteichen, Kastanien und Esskastanien, Elsbeeren und Birken, vielleicht auch einige Robinien, Wildäpfel und Felsenbirnen gibt. In dem man Sträucher findet neben hohen Stämmen. Am Rand stünden Haselnüsse, Schwarzdorn und Holunder, Kreuzdorn, Pfaffenhütchen und Hartriegel, Heckenkirschen und auf einer freien Fläche würde eine Linde würdevoll ihre Äste zu einem umgedrehten Herz ausbreiten. Ein Sauerdorn würde im Herbst seine vitaminreichen Früchte tragen. Und eines ist klar, keine der hier nicht aufgeführten Arten soll ausgeschlossen bleiben.Heerscharen an Tieren könnten dort leben. Auch weil diese Form des Waldes nicht in erster Linie darauf getrimmt wäre, wirtschaftlich im althergebrachten Sinn zu sein. Aber solche spinnerten Ideen sind natürlich völlig abwegig, das weiß Herr Nipp selbst. Denn mal ehrlich, wer brauchte schon Lebensräume für eine Vielzahl, von Pflanzen, Pilzen und Tieren?

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