Literatur als Spiel

Sie komme mit ihrem Roman einfach nicht weiter, sagt sie. Alles habe und zeige so viele Probleme und irgendwie habe sie den Eindruck oder besser das Gefühl, es doch besser, dieses Projekt zu beenden. Herr Nipp hört ihr zu, das kann er, das kann er geradezu fast professionell. Natürlich sei alles für ihn sicher etwas komisch, sagt sie, dass nach so langer Zeit immer noch nichts Greifbares entstanden sei, aber das gehöre doch vielleicht ein wenig zur Selbstfindung als Autorin, dass man sich in Gedankenwelten herumtreibe und sich dabei von Zeit zu Zeit verliere oder auf Nebenbahnen gerate und irgendwann sei es ihr eben so ergangen, dass das derzeitige Projekt vielleicht doch mehr so wichtig sei. Herr Nipp stutzt zunächst und beginnt irgendwann zu lächeln, dann lauthals zu lachen. Das hat er erwartet, das Gegenüber hat die Literatur letztlich nur als oberflächliches Spiel gesehen und ihn als geduldigen Zuhörer genutzt.

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Musik zur Arbeit

Er weiß, dass seit geraumer Zeit diese unangenehme Arbeit wie der berühmte Elefant im Raum steht. Er weiß auch, dass er sich endlich daran begeben muss, damit sie termingerecht beendet werden kann. Natürlich hat er die letzten Wochen immer wieder Ausflüchte gefunden und sei es nur der obligatorische Jahresendhausputz oder das nicht weiter hinauszuschiebende Ausräumen überzähliger Bücher. Heute aber endlich hat er sich ein Herz gefasst. Es ist schließlich bereits Montag und in spätestens einer Woche muss alles fertig sein. Aus der Schallplattensammlung hat er sich ein Stück Schwarzgold ausgesucht, das er mit absoluter Sicherheit noch niemals gehört hat, schon allein, weil ihn die Namen abgeschreckt haben. Er schmeißt den Plattenteller an, der Verstärker ist bereits warmgelaufen. Und dann passiert es, dass da ein alter Held der Gitarre Blues vom Besten zaubert, kein Gesang, einfach Blues, teilweise mit Einschlägen von Jazz. Oh wow, das ist die richtige Musik zur unangenehmen Arbeit. Yeah.

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ein leerer Raum

Als Herr Nipp das erste Mal in dieser Halle steht, ist sie bloß ein leerer Raum, der gerade renoviert wird. Nichts Besonderes, nicht Faszinierendes. Er weiß allerdings, was er will, diesen Raum mit Leben füllen, mit Kultur, mit Menschen, die Neues schaffen wollen. Es geht um eine einzigartige Verbindung vielleicht. Synergien nutzen. Während er und seine Freunde die Kontakte in die Kulturwelt haben und sicherlich auch ein oder zehn gute Ideen, stehen auf der anderen Seite Leute, die wissen, wie man an Fördergelder kommen kann, wie bestimmte Dinge anzustoßen sind. Warum sollte diese kleine Halle von 120 Quadratmetern nicht zu einem kulturellen Nukleus werden, der anderen Städten vielleicht fehlt, weil dort alles von oben herab organisiert wird. Hier könnten Künstlerinnen und Künstler aller Genres eine Spielweise entwickeln, auf der alle Beteiligten auf Augenhöhe operieren. Ja sicher, das hört sich an wie eine naive Utopie, schlimmer noch, wie Kitsch und Seifenblasen. Aber wer weiß, was aus einem solchen leeren Raum alles werden kann. Vielleicht so etwas wie ein offenes Atelier der Künste.

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früh morgens

Die ganze Nacht konnte er nicht schlafen, vielleicht auch, weil so viel passiert war, das ihm keine Ruhe lässt (nein, nicht ließ). Kurz eingenickert war er, nur ganz kurz und hatte wildeste Träume gehabt, dann lag er wieder wach, versuchte die Konturen der Dinge im Raum auszumachen und erhielt ein immer klareres Bild, nicht dass es heller wurde, sondern die Augen verbanden sich langsam mit den Erinnerungen an den Raum. Aufgestanden war Herr Nipp dann gegen drei Uhr schließlich, hatte sich einige Orangen geschnitten und sie mit Genuss gegessen. Eine neue Schallplatte hatte er aufgelegt, Musik gehört und gelesen, etwas geschrieben auch und war in den Gedanken doch niemals bei der Sache gewesen. Und dann hatte er sich angezogen und war schon um sieben auf dem Wochenmarkt gegangen, hatte Obst, etwas Gemüse, Käse und Eier eingekauft und sich zum ersten Mal in diesem Jahr darüber gefreut, dass ein neues Jahr angefangen hatte, eines mit Unwägbarkeiten, ein hoffnungsvolles, eines mit lauter Möglichkeiten und Entdeckungen und dann kam dieses Aufbruchsgefühl in ihm hoch, das unbewusst in ihm gesteckt hatte, das ihm den Schlaf der Nacht raubende. Nicht das Verlorene sollte wichtig sein in Zukunft, sondern das zu Findende.

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Ein neuer Tag

Dann fragt er sich mal wieder, was denn wohl an diesem Tag geschehen möge. Es gäbe ja schon eine Menge zu tun, es hätte so viele Möglichkeiten aufzubieten, da sogenannte Schicksal. Während er also auf dem morgendlichen Trönchen sitzt und seine königlichen Gedanken durch die Welt gleiten lässt, wird er zunächst einmal Prioritäten setzen. Er wird Entscheidungen treffen, ja, zu treffen haben. Und da er nun einmal ein gewissenhafter Kerl ist, wird sich Herr Nipp wieder einmal für die dringlichste, die unangenehmste Arbeit entscheiden. Aber, und so weit ist er inzwischen in seinem vorgerückten Alter doch, er wird immer wieder Belohnungspausen machen. Vielleicht einmal einen Text zur eigenen Erbauung schreiben, einen über den er selber ob seiner hahnebüchenen Schwachsinnigkeit lachen kann. Er wird zwischendurch mit den Mitbewohnern einen Kaffee trinken oder Holz für den Ofen von draußen heraufholen in seine Wohnung und ganz vielleicht wird er sich auch Gedanken über die weitere Zukunft machen. Und dafür muss er dann gedanklich in die Vergangenheit wandern, um zu sehen, was dort richtig gut gelaufen sein könnte und was nicht. Auch das wieder ein Start in einen größer zu fassenden neuen Tag.

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