zu Hause zuhaus

Ich fühle mich so flauschig weich         
in diesem Seltenhaus                   
so heimelig zusammen                
so einig, wohlig, selig                    
und und und                                    
sehr zu Haus                                     

Ich sehe dich, du kommst herein
in dieses Unserhaus                      
so selbstverständlich lächelnd  
so schmusig, getigert, du miaust
und und und                                    
du schleichst um mich herum   

Ich höre uns spielen, springen und fliegen
in diesem Abenteuerhaus          
und weiß, wir gehör´n zusammen
und glaube, das wird so bleiben              
und das ist unser Glück                

Zuhaus im Unserhaus          

Herr Nipp hat dieses kleine Gedicht der völlig unbekannten Autorin Emma Gemma irgendwann irgendwo entdeckt und abgeschrieben. nirgends ist etwas über die Autorin oder gar ein weiterer Text zu finden. Auch ein Aufruf in sozialen Netzwerken, sie solle sich doch bitte melden, brachte keine genauerenErgebnisse.   Jetzt hat er sich entschlossen, das Gedicht einfach zu okkupieren. soll doch mal einer sagen, das stimme nicht. Vielleicht war es ja auch ganz anders und er hat sich nur eingebildet, es abgeschrieben zu haben. Egal jetzt.

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Typen

Die erste hat ihre Haare offensichtlich bis vor zwei Jahren aufhellen lassen. Jetzt soll sie sie wachsen lassen. Hat ihre Hautärztin gesagt – wegen der Schuppen. Die Haare zur Kopfhaut hin sind…heute würde jeder sagen: „ Dunkelblond“. Besser wäre sicher „Unentschieden“. An Yves Kleins Blau IKB angelehnt müsste man dann wohl sagen. SKB….Straßenköterblond
Der zweite wäre wahrscheinlich gern Bibliothekar, er hat sich die Haare zu einem Dutt gebunden. So wie es Bibliothekarinnen früher gerne gemacht haben. Gut, sie glänzen leicht fettig im Licht der matten Leuchte, er kann allerdings wirklich nichts dafür, seit einigen Wochen ist die Dusche in seiner Wohnung defekt. Ja gut, er hatte beim gemeinsamen Duschen mit seiner Freundin, nein, das eigentlich auch nicht, mit einer jungen Frau, die er an jenem Abend kennen gelernt hatte und deren Dusche defekt war, den Ausfluss wohl versehentlich herausgetreten. Aber wirklich schuldig ist natürlich der böse Vermieter oder vielleicht auch die Handwerker, die zwar versprochen haben, schnellstmöglich zu reparieren, was allerdings noch immer nicht geschehen ist.
Der dritte im Raum anwesende Mensch hat gelinde gesagt eine hohe Stirn, andere würden dieses häutige Gebilde ganz brutal und unglaublich verletzend Glatze nennen.
Und schließlich die Nummer vier nicht zu vergessen, eine junge Dame, völlig durchgestylt. Sie könnte auch ohne jegliche Überarbeitung durch Filter und Algorithmen in jedem a-sozialen Netzwerk als Schönheit durchgehen und ist trotzdem unglücklicher als die vorigen. Eben beim Bücken ist die Naht hinten an ihrer glänzend eng anliegenden Hose gerissen und jetzt sitzt sie hier und wartet auf ihre beste Freundin, die ihr erstens einen langen Mantel bringen soll, und zweitens eine irgendwie angemessen passendeHose, die gefälligst auch zu ihrem Style passen sollte.

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zur Sprache bringen

Wenn sie nicht mit mir sprechen wollen oder können, denkt Herr Nipp, dann muss ich es selbst versuchen. Und er überlegt sich, wie er es wohl anfangen könnte und ihm fällt nichts ein, doch als er einer dieser Personen begegnet, sagt er es einfach,dass ein Gespräche mit ihm sicherlich besser wäre, als nur über ihn und bekommt nur zur Antwort, es sei eben schwieirg mit ihm zu reden. Das ist auch eine Möglichkeit des Umgangs, stimmt, darauf war er noch gar nicht gekommen. Laing hätte es vielleicht in seinen Knoten so gesagt (aber das ist lediglich eine Vermutung und natürlich anmaßend):

Jill: Ich kann nicht mit dir sprechen.
Jack: Versuch es doch wenigstens.
Jill: Siehst du, es geht nicht, weil du es forderst.
Jack: Ich habe dir nur einen Vorschlag gemacht, um die Sache zu klären.
Jill: Es blockiert jegliches Gespräch, wenn du so darauf drängst.

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Zeitmaschine

Er sitzt vor dem Rechner, wie jeden Morgen, die Dinge müssen geregelt werden, Dateien gepflegt. Das darf nicht wahr sein, hört er aus dem Hintergrund. Zwei Frauen stehen dort herum, haben eine Kiste zwischen sich stehen, aus der Weihnachtskrempel herausragt. Irgendetwas scheint zu fehlen. Sogenannte Deko, denkt Herr Nipp. Er ist bekanntlich kein Freund von solchem Nippes, toleriert diese Kitschkramzeit aber notgedrungen. Weihnachten war nie ganz so sehr seins, seit einigen Jahren aber hat er geradezu eine tiefgründige Abneigung gegen die Bigotterie dieses Festes. Wenn es nicht anders geht, dann kommt er noch mit seinen Freunden mit zum Glühweintrinken in der Stadt, Weihnachtsmärkte aber oder Deko zu Hause wären ihm ein Graus, das war mal anders. Jetzt stellen die Damen tütenweise Nikoläuse aus Pappmaché, nachgemachte Lebkuchenhäuschen, Holzsterne auf die Tische, ordnen alles in aller Ruhe und besprechen, wo was platziert werden könnte. „Hat noch jemand Batterien hierfür?“
Seine Blutdrucksenker wirken noch nicht richtig, aber ein Kaffee muss einfach sein. Wach werden und natürlich dieser Geschmack und Duft frisch gemahlener Bohnen. Im Hintergrund von irgendwoher dudelt „The weeping Song“ von Nick Cave. Damals, Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger Jahre muss es gewesen sein, hat er den Langspieler „The god son“ dazu rauf und runter gehört. Immer wieder. Dazu dann die Single mit akustischen Versionen von „The Merci Seat“ und anderen Caveklassikern. Durch diese Musik hatte er damals neue Welten entdeckt, neue Menschen kennengelernt und auch die neue Freundin damals mochte diese Klänge ganz unerwartet.
Plötzlich fühlt er sich in diese Zeit zurückversetzt, starrt auf den Bildschirm und vergisst Raum und Zeit um sich. Schon seltsam, dass Kleinigkeiten wie Tonfolgen uns daran erinnern können, dass es ein Leben vorher gab. Ein anderes Leben, einer anderen Person, die ihm noch nicht einmal mehr ähnlich sieht.

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Dieser Garten – ein gesprochener Text für das Projekt Gesprech

Dieser Garten

  1. Aus der Wohnung heraus

Aus dieser Wohnung auf die Terrasse treten, dem Chaos entfliehen, das sich in den letzten Wochen angehäuft hatte. Den Kleidungsstücken, achtlos über die Stühle und Sessel geworfen, vergessen in die Schränke zu verfrachten, ganz ordentlich, wie es sich gehört. Den Büchern, die überall herumliegen und den Zeitungen, die noch nicht gelesen sind, den Zeichnungen, die sich zwischen all dem ihren Platz behaupten müssen, die leicht zerknittert werden können, weil sie auf sehr dünnem Papier entstanden sind. Den Stiften und Aquarellfarben, die sich kreuz und quer über die Räume verteilen, der Zettelwirtschaft, die alles miteinander verbindet, die Rechnungen und Belege, die undefinierbaren Notizen, die auf den ersten Blick keinen Sinn ergeben können und wollen, auf den zweiten Blick auch nicht. Dem Papier überall, dass irgendwann dann wahrscheinlich als Anzündematerial im Kamin verschwinden wird oder in der Papiertonne, die schon viel zu lange völlig angefüllt in ihrer Nische steht und nur darauf wartet, endlich geleert zu werden. Also doch die thermische Entsorgung irgendwann.  Den Schallplatten auch, die täglich gebraucht werden, weil es ohne Musik nicht geht, weil das Drehen der schwarzen Scheiben beruhigt, weil die Töne etwas anstoßen, das etwas auslöst, einen Gedanken vielleicht, oder die Idee zu einem Rezept. Den Töpfen auf dem Herd und der geschmiedeten Pfanne natürlich, in der sich noch einige Krümel des mit Olivenöl, Rosmarin und Knoblauch gerösteten Brotes von gestern abends befinden, die immer wieder ihren Duft verbreiten können, sobald ein Lufthauch darüber streicht. Dem Aquarium mit den vielen Kleinstfischen, von der alten Guppydame in den letzten Wochen in die Welt hinausgeschleudert, den Wasserpflanzen, deren Gewucher nur zu stoppen ist, wenn sie abgeknipst und sie entfernt werden.

  •  Über die Terrasse

Die Terrasse mit ihren selbst zusammengebauten Möbeln aus dickem Eichenholz, eine ehemalige Kneipentheke, die nun als Bank genutzt wird, all die Töpfe dort und das mal wieder vergessene Leergut. Die leeren Töpfe und die bepflanzten, mit selbst gezogenen Esskastanienbäumchen, die nach und nach verschenkt werden. Den Feigenbäumen aus den Stecklingen, die im Winter abgeschnitten wurden. Den Walnüssen, jeden Tag ausgelegt für die Eichhörnchen, die täglich herumkommen, schauen, ob es was gibt und sich die besten Stücke heraussuchen. Hoffentlich werden sie damit die ganze Umgebung verwalnussen. Juglansifizierung höre ich den Baumschuler sagen, du musst auch mal die Fachbegriffe verwenden. Dem Außenaquarium, das auf der Abdeckung unseres Wasserspeichers steht, in welches irgendwelche Molche ihre Eier gelegt haben, in dem nun Larven leben, gut geschützt denkt man, wenn da nicht die drei Rückenschwimmer wären, die sicherlich danach trachten, eine von ihnen zu erwischen. Dem weißen Schrank mit den Gartenwerkzeugen, den Handschuhen im obersten Fach links, der Kiste mit Honiggläsern voller Pflanzensamen, die irgendwann gesammelt irgendwann ausgebracht zu werden trachten. Alles in Wartestellung, die Wohnung, die Terrasse.

3. Dieser Garten

Mit seinen Blumen
rot, weiß, rosa, gelb und blau
sogar grüne Blüten gibt es da
den Düften und Gerüchen
die von ihnen ausgehen
mal penetrant, mal süßlich
mal herb, mal abenteuerlich
mal moderig
und einige haben gar keinen Duft

Die Steine überall
zu Mauern gehäuft
lose dem Teich belagernd
ihre Wärme im Sonnenlicht
die auch nachts noch da ist
ihre irisierenden oder stumpfen Farben
unter ihnen tausende Tiere

Die Haufen und Komposter
an jeder Ecke
unter denen das Leben tobt
die Jagd auf kleine Insekten
Spitzmäuse finden hier alles
Springschwänze und Kellerasseln
Würmer und Schnecken
ein Festmahl über das Jahr
Düngerlieferanten
Humuslieferanten
Verweser
Kohlenstoffsenker

Der Teich
mal eben dahingeworfen
aus einer Tageslaune heraus
in dem das Leben brodelt
Molche, Froschkaulquappen
Wasserläufer und Rückenschwimmer
Schnecken und Süßwassergarnelen
Schwimmpflanzen, Seerosen
Froschlöffel und Schwertlilien
und wie sie alle heißen
andere wissen das besser

Die Bäume
Apfel und Quitte
Walnuss natürlich
die riesige
ein Ginko, geschenkt bekommen
der sich erst noch finden muss
die Kirsche
dieses Jahr mit Schrotschusskrankheit
die vollbehangenen Pflaumenbäume
unter denen sich immer im Sommer liegen lässt
dösen, schlafen, lesen
auf dem breiten Liegestuhl für zwei oder drei
aus Holzresten gezimmert
die von anderen Projekten übrig
ihr Schatten, der Kühlung bringt im Sommer
und gute Luft
in denen die Vögel ihre Spiele spielen
singen, schwatzen, krakeelen
leben und sterben überall

Die Insekten, die sich tummeln
manchmal zumindest noch
wenige sind es geworden
die Hummeln, Bienen, Wespen
die Fliegen, Wanzen und Mücken
manchmal eine große Libelle über der Teich
ganz selten ein Schmetterling
Fuchs, Admiral, Tagpfauenauge
im Frühling war ein Aurorafalter da

Die Wiese, die einmal ein Rasen war
die nicht mehr gemähte
eine Zumutung natürlich
so ein verwilderter Garten
in dem nicht jede Woche gemäht
in dem nicht jeder Busch akkurat geschnitten
in dem sich die Pflanzen behaupten müssen

Die Hochbeete
in denen Gemüse wachsen sollte
in denen Stauden wachsen
Mohn auch
und Kornblume, Kornrade
und plötzlichen tauchen Pflanzen auf
die neu sind
die man nicht kennt

Dieser Garten
eine Zumutung für alle
Ordentlichen
 die Baumarkthörigen
Die Igelschredderbesitzer
die Doppelstegzauneinzäuner


die Katze besucht uns regelmäßig

Dieser Garten
unser Paradies

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