Sitz

Sie sitzen da auf ihrem Sitz
sie warten auf Wild
das ist kein Witz
und wenn sie was sehen
wird es nicht gekillt
sie wollen nur sehen
dann soll es nur gehen
im Herzen sind sie ganz mild

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Sprichwort – ein Text für Gesprech

Unten im Keller
mittlerer Raum steht frei
zumindest fast
das meiste Gerümpel wurde entrümpelt
mit dem Bulli zum Schuttplatz gebracht
die Männer dort
die Frauen auch
sie kennen uns
lachen meist schon
wenn wir kommen
Metallreste, Holzreste und Müll
alles getrennt
Jedes Mal über die Waage fahren
auf das Nicken der Dame im Büro
warten
weiter
Immer wenn wir was machen, muss ich schwer tragen
Sie schaut mich an
halb empört
halb belustigt

ein Werkraum soll her
Holz holen
Reste von da, von dort und von hier
möglichst nichts Neues kaufen
Irgendwie geht es auch anders
vor allem macht es mehr Spaß
und der Bulli ist wieder voll
bis oben hin
mit Holz
von da, von dort
nach hier
Immer wenn wir was machen
muss ich schwer tragen
sie schaut mich an
halb empört
halb belustigt


Einräumen in den Bulli
Gang für Gang schleppen
Ausräumen aus dem Bulli
Gang für Gang schleppen
in den Keller
in den fast leeren Raum
ich kenn da ein Sprichwort sagt sie
sie hat es selbst erfunden
immer wenn wir was machen
muss ich schwer tragen
sie schaut mich an
halb empört
halb belustigt

und dann müssen wir beide laut lachen
es kann losgehen

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Stadtwärts – ein Text für das Projekt „Gesprech“

Die Haustür schlägt mit einem Kratzen zu.
Klickend schließt das Schloss.


Die Treppe herunter über den selbst gelegten Weg aus rotem Sandstein.
War das ein Vergnügen, diese Wegplatten zu suchen, auszugraben, gemeinsam den Boden vorzubereiten und dann die verschieden starken Steine in das Gefüge einzupassen.
Inzwischen schon fast vergessen, das Zusammenwirken, meist sprachlos, mit Blicken und dem Tun der Hände.
Das Schaufeln und Glattziehen, das Auswählen, Anpassen, Abstreuen
Das Klopfen mit dem Gummihammer
Das Überprüfen auf Feastigkeit
Manchmal nachfüllen, wenn der Stein wackelte.

Heraus in die Straßenfluchten
mal ganz neu gemacht – ungewollt
mal sich selbst überlassen seit Jahrzehnten – ungewollt
selten Kopfstein, mal Betonpflaster, meist Asphalt
es lebe das Praktische
zwischen den seltenen Parkmöglichkeiten Architektenpetersilie
andere nennen diese Funktionsbepflanzungen auch Bäume
Amber, Ginko, Tulpenbaum
kein ökologischer Nutzen, klar
aber grün in den Straßen, das zählt
und wer macht sich schon Gedanken darob
Nahrung für Tiere wird auch überbewertet
wovon sollen die vielbeschworenen Bienen leben
die Vögel und Eichhörnchen, die anderen Insekten
Insektenhotels liefern keine Nahrung
Greenwashing heißt so etwas wohl
es gab mal Nussbäume, Kastanien, Rotdorn
es gab mal Ahorn, Weißbuche, Birke
Futter en masse

den Geschäften entgegen
den Kettengeschäften
nur wenige echte Einzelhändler
der Systemgastronomie entgegen
wo sind die Eckkneipen eigentlich geblieben?
Na, es geht gegen Wochenende
mal wieder die ätzenden Parolen der Nazis
nahe der roten Kirche
und die Demokraten finden keine eigene Sprache
über den Markt, der kleiner wird
die verbliebenen Stände, letzter Rest
Brötchen vom Dinkelbäcker
vielleicht beim Plattendealer eine Vinylscheibe finden
die Anlagen dort ein unerfüllter Traum
ein netter und kurzer Plausch
Austausch von Zynismen
herzlich lachen
und dann ganz schnell wieder heim
Rückzug mit der ergatterten Musik
zurückziehen
zurückziehen
zurückziehen

immer weiter zurückziehen

ins Schneckenhaus

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schon lang

Reihe um Reihe arbeiten sich die beiden Nadeln voran. Die Strickerin hat sich tief unter eine Decke verkrochen, sitzt in der Ecke ihres großen Sofas und schweigt. In Gedanken versunken lässt sie den Schal wachsen, mal mit schwarzer Wolle, mal beige, rot, dunkelrot. Inzwischen ist er auf eine beträchtliche Länge herangewachsen. Wenn das so weitergeht, kann die ganze Erde damit eingewickelt werden.

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Erlebnisverweigerung

Schon schade, denkt er, dass ich unbedingt gehen musste. Ich wäre gerne dabei gewesen, hätte auch gerne erfahren, was passiert, wenn sie wieder einmal ihren Kram machen. Aber das ging einfach nicht, ich musste ihnen allen zeigen, dass ich dieses Erlebnis grundsätzlich nicht hinnehmen möchte. Also bin ich spazieren gegangen…nach Hause…da wartete der Rechner auf mich.

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