Haare und so

Du musst schon genau wissen, wohin du dich setzt, hatte ihm damals jemand gesagt, schau hin, ob die Haare fettig sind, dann kannst du davon ausgehen, dass dort Gerüche wabern. Das war damals gewesen, als er noch jung war. Student, nein, kein Studierender, denn er sieht es auch heute noch so, dass der Beruf Student ist, aber nicht jeder Student tatsächlich auch als Studierender bezeichnet werden kann, weil nicht jeder Student tatsächlich auch studiert. Aber das ist natürlich nur ein Nebenschauplatz. Die studentischen Sprachdebatten waren ihm immer ein gewisser Dorn im Zeh. Immer dann nämlich, wenn es um Sprachverstümmelung ging. Auch die Pause zwischen Bezeichnung und Geschlechtseinordnung wirkt auf ihn gerne wie dadaistische Verwerfung. Damals hatte Herr Nipp noch nicht seine Kürzestfrisur, sondern lange Lössen, wie sein Vater gesagt hätte. Tatsächlich sogar sehr gepflegte Haare, weil sie doch zum Fetten neigten. Er musste sie jeden Tag waschen, auch wenn sie meist zum Zopf gebunden waren. Aber an den Rat hat er sich bis heute beflissentlich gehalten. Der Geruch von Haaren kann betörend sein, muss er aber nicht.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Haare und so

Nummern und Zahlen

Wie rhythmisches Rauschen klingen die Zahlen durch den Raum. Einige der Anwesenden müssen beizeiten schmunzeln, manche Zahlen lösen sogar kleine Unterhaltungen aus, nur wenige Sätze versteht sich. Niemand will die andächtige Stille stören. Der Redner dieser Andachtsstunde möchte gerne fertig werden.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Nummern und Zahlen

klar

Der Kollege hat vergessen etwas vorzubereiten. Nicht zum ersten Mal. Wiederholt hat Herr Nipp in den letzten Monaten kurze Nachrichten erhalten. Ach, es sei ihm ja völlig durch die Lappen gegangen, dass zu jenem oder dem anderen Termin etwas vorzubereiten sei und ob Herr Nipp sich nicht noch eben darum kümmern könne. Bisher hat er immer wieder zugesagt. Doch wie sich kürzlich herausstellte, hat das System. Der Kollege ist einfach ein wenig faul, , nein, nicht ein wenig, also lässt er andere springen und streicht sich den Erfolg als persönlichen Gewinn ein. Mit Recht sind darüber inzwischen einige Leute sauer und diese Woche wird auch Herr Nipp den Kollegen auflaufen lassen. „Du, tut mir Leid, ehrlich. Ich habe leider keine Zeit.“ Welch eine Blage. „Klar, verstehe ich.“

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für klar

Frische Wäsche

Eonmal die Woche wäscht Herr Nipp gewöhnlich seine Kleidung und hängt sie in den Trockenkeller. Als Kind hatte er es geliebt da unten zwischen den Laken zu stehen und diese besondere Luft und den frischen Duft einzuatmen. Dabei durfte man sich nur nicht erwischen lassen. Dann war die Mutter sauer, weil sie Angst hatte, alles würde dreckig werden. Ich einem Haushalt mit sechs Personen lief die Maschine schließlich auch fast täglich und seine Mutter hat damals alles noch gebügelt. So eine Zeit- und Energieverschwendung würde er sich beim besten Willen nicht antun. Seit er allein leben muss, ist das nicht einmal passiert. Nach einigen Tagen kann er die trockenen Klamotten hoch holen, sie zusammenfalten und in den Kleiderschrank legen. Über die Woche werden die Sachen dann gebraucht. Heute hat er sich einen grünen Eumel mit Taschen angezogen. Saubequem. Beim Waldspaziergang muss er allerdings feststellen, dass die Taschen von einer klebrigen Masse verseucht sind. Er hatte wohl vergessen vor dem Waschen seine geliebten Lakritze herauszunehmen..

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Frische Wäsche

die Ruhe vor der Ruhe

Wenn er abends in seinem Wohnzimmer sitzt, die Flamme im Kaminofen lodert und sie verzehrt mit der Zeit einige Stücke Holz, hat er manchmal ein Buch zur Hand genommen. Er liest in aller Ruhe, hat vielleicht eine Schallplatte aufgelegt, die diese Entspanntheit unterstützen soll. Goldfrapp ist s0 eine Band, die er manchmal gerne hört, diese eine Platte vom Ende der 90er Jahre, denkt er. Oder Aurora oder Cigarettes after Sex oder der geniale Peter Piek, den er vor einiger Zeit kennenlernen durfte. Die Klänge schrauben sich ins Hirn. Die Wörter und Sätze fliegen an ihm vorbei, die Seiten werden geblättert. Manchmal liest er auch eine Seite zwei mal, vielleicht weil er nicht so konzentriert war, vielleicht auch weil sie ihm so gut gefallen hat. Und irgendwann hat sich eine Müdigkeit gebildet, die ihn darauf verzichten lässt, die Platte noch einmal herumzudrehen, denn das muss er tatsächlich händisch machen. Sein Plattenspieler ist kein Vollautomat, eigentlich nur eine Holzplatte mit dauerhaft laufendem Motor und dem Tonabnehmer, der vorsichtig in die richtige Stellung gebracht werden muss. Für ihn hat diese Art des Musikhörens durchaus etwas Zeremonielles. Das mag natürlich niemand verstehen, der erwartet, dass CDs dauerhauft laufen, dass die Streamingdienste dich pausenlos mit Musik befeuern. Dann drückt er den Ausschalter, der ein klickendes Geräusch macht, am linken Rand der schwarzen Holzplatte und der Motor stellt seine Tätigkeit ein, lässt den Teller auslaufen. Der Verstärker endet ganz leise, etwas knistert es dann manchmal. Herr Nipp legt das Buch auf den Stapel mit weiteren ungelesenen Exemplaren und ist ganz zu frieden. Das Glas wird noch schnell weggeräumt, nicht immer, aber meistens, und dann macht er sich bettfein. Wenn alles gut gelaufen ist und keine Telefonate oder Besuche dazwischen gekommen sind, dann schläft er ganz schnell ein. Aber seien wir ehrlich, das hört sich ja alles ganz gut an, solche Tage erträgt er vielleicht einmal die Woche, wohler fühlt er sich, wenn seine Freunde, seine Familie da sind, wenn sie diskutieren und alles rummelig ist. Und manchmal tanzen sie sogar in seinem Wohnzimmer zu den Klängen von Maxisingles aus den achtziger Jahren. Und das macht ihn wirklich glücklich.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für die Ruhe vor der Ruhe