Gedankenschuss

Kurz bevor er ins Bett will, der ganze Tag war mit Arbeit geprägt, ermüdender Arbeit, die er nicht so gerne macht, die aber gemacht werden muss, schießt ihm ein Gedanke ein, wahrscheinlich ähnlich der Milch bei einer jungen Mutter, die das Schreien des gerade geborenen Säuglings wahrnimmt. Er kann sich ebenso nicht dagegen wehren, es passiert und dann steht da dieser Satz, den er nicht versteht, der aber irgendwie wirkt wie eine Wahrheit, die aus der Zeit gefallen ist. Er hat ihn aufgeschrieben und jatzt kann er nicht mehr schlafen, denn darüber nachzudenken scheint sich zu lohnen: „Wenn nichts mehr da ist für etwas, ist gerade alles da für vieles oder alles.“

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Gedankenschuss

Mögen

Er weiß nicht warum, aber es gibt Tage, an denen hat er einfach das Gefühl, niemand möge ihn. Niemand. Und das schmerzt an solchen Tagen natürlich, schmerzt so sehr, dass er am liebsten gar nicht mehr unter Leute gehen möchte. Tagelang könnte er sich dann im Zimmer einsperren, laut Musik hören und lesen. Aber aus dieser Zeit ist er ja eigentlich schon lange heraus, er pubertiert ja schließlich nicht mehr und als Erwachsener sollte man durchaus in der Lage sein, sich aus den unangenehmene Dingen des Lebens zu stellen und ihnen geradeaus in die Augen zu schauen. Dann weiß er wieder, nichts kann ihm irgendetwas. Und spätestens nach einigen Minuten setzt sich dann jemand zu ihm. Nicht weil er oder sie trösten will, die Person will immer selbst einen Rat oder Trost oder was auch immer.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Mögen

Umräumen

Bisher standen in seinem Schlafzimmer zwei Regale voller Bücher. Im Rahmen seiner Aktion „Leere Wohnung“ mussten die nun auch endlich weichen. Die meisten Bücher hat er verschenkt, einige konnte er auch in seiner kleinen Bibliothek unterbringen, die sich im ehemaligen Kaminzimmer befindet und den letzten Rest hat er ins öffentliche Regal in der Stadt gestellt. So oft hatte er sich bereits dort bedient, dass es nur fair scheint, wenn jetzt einige Bände dort untergebracht werden. Und tatsächlich gibt es ja Menschen, die sich am liebsten dort mit Lesestoff eindecken, auch weil es umsonst ist. Nun wirkt das Zimmer viel freier und offener. Nur sein Bett noch nicht, dort liegen die Papiere herum, die sich zwischen den Bücher fanden, die alten bezahlten Rechnungen, die Pläne und Briefe, eben all das, was man schnell mal eben irgendwo unterbringen muss. Er wird Tage gebrauchen, all das zu ordnen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Umräumen

Stifte

Auf seinem Platz lagen Stifte, das kommt normalerweise nicht vor, zumindest keine Textilmalstifte. Als er sich umhörte, konnte ihm niemand sagen, wer sie dort wohl hätte deponiert haben können. Na gut, dachte er, dann werde ich sie eben in den Schreibtisch legen, irgendwann kommt schon jemand vorbei, der sie sucht.
Seitdem sind nun einige Jahre vergangen. Die Stifte liegen immer noch in jener Schublade, warten auf ihren Eigentümer. Besitzer ist er ja, wenn auch unrechtmäßig. Nun aber liegen schon wieder ähnliche Stifte auf seinem Platz. Das nervt. Herr Nipp hat sie jetzt einem anderen Kollegen auf den Tisch gelegt und beobachtet, was wohl passieren wird. Auch der Kollege hört sich um, auch er findet keinen Eigentümer, auch er lässt die Stifte irgendwann in seinem ansonsten fast leeren Schreibtischschubladen verschwinden. Und inzwischen hat Herr Nipp die leise Vermutung, dass in fast jedem dieser Schreibtische ein ganzer Satz Textilmalstifte liegt.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Stifte

Klar, mache ich

Als der Anbruf kommt, ist er zugegebenerweise ziemlich überrumpelt. Es gehe dem Anrufenden im Augenblick wirklich nicht so gut und deswegen bitte er ihn, doch morgen kurzfristig dies und das zu übernehmen, das sei eine wirklich große Hilfe. Ohne zu überlegen übernimmt Herr Nipp auch diese Aufgabe, ist ja auch nicht der Rede wert. Erst daheim wird ihm bewusst werden, dass der andere so etwas noch niemals für ihn getan hat, sondern immer Ausreden parat hält. Aber dann lächelt er doch wieder, die Überstunden wird er sich aufschreiben und abrechnen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Klar, mache ich