Daneben

Neben ihm sitzt im Licht der untergehenden Sonne sitzt ein Diestelfink auf einer Distel und macht, was Finken so tun. Nein, er finkt nicht, sondern holt sich die Kerne zum Fressen heraus. Ganz vertieft in die Arbeit bemerkt er nichts. Und Herr Nipps Herz tanzt Samba.

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Greetsieleinheiten

Vor einigen Jahren war er im Urlaub versehentlich mit Freunden in Greetsiel gelandet. Da irgendwer der drei der Meinung war, den Ort müsse man vielleicht mal gesehen haben, um mitreden zu können. Fehler. Eine Touristenfalle. Selten haben sie solch eine Langeweile erlebt. Aber immerhin gibt es seitdem die Greetsielskala. Zehn ist Tod. Dem kleinen Städtchen Steinhude haben die drei sechs Greetsielpunkte zugesprochen.

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Zeiten einer Ausstellung

Normalerweise werden in der Provinz Ausstellungen entweder sontagmorgens um 11 Uhr oder sontagnachmittags um 17 Uhr eröffnet. Erstes haben die Ausstellungsmacher in den sechziger Jahren begonnen, um zu zeigen, dass auch ein anderes Leben als der sonntägliche Gottesdienstbesuch möglich war. Damals vielleicht ungeheuer provokant, in der heutigen Zeit jedoch, in der nur noch wenige Menschen in die Kirche gehen, kann so ein Termin kaum noch jemanden schockieren. Die Provinzbewohner nehmen diese Zeit als vom Kunstverein oder der örtlichen öffentlichen Galerie gesetzt hin und machen sich keine weiteren Gedanken darüber. Ja, es ist schon verdammt schade, dass man als Kulturbeflissener so früh aufstehen muss oder gar ohne Frühstück aus dem Haus geht, um wahrscheinlich mal wieder eher mediokre Kunst zu sehen. Einige Veranstalter haben also in den achtziger Jahren erkannt, dass es für die Besuchermengen, die es in den meisten Galerien nie gegeben hat, doch wesentlich attraktiver ist, nachmittags zwischen dem Kaffeetrinken und der Tagesschau eine Vernissage zu besuchen. Seien wir ehrlich, zu den weiteren Terminen von der Eröffnung bis zum Ende der Ausstellung kommt kaum einmal jemand. Das ist dann schon eher ein Versehen oder ein wirklich Interessierter, der sich in eines der Bilder verliebt hat und überlegt, es käuflich zu erwerben. Wobei die meisten Verkäufe am Vernissageabend getätigt werden. Kunsterwerb ist nicht alltäglich. Es geht schließlich darum, von den anderen Mitbürgern gesehen zu werden. Auch um zu zeigen, dass diese besondere Form der Kunstbeflissenheit besteht. Der wohlsituierte Bürger hat gefälligst auch kulturgebildet zu erscheinen. Und das ist nur auf der Vernissage möglich. Wenn in der Presse Artikel auftauchen, die behaupten, wegen des großen Erfolges einer Ausstellung bleibe sie einige Wochen länger geöffnet, hat das meistens nichts mit Besuchermassen zu tun, sondern damit, dass der Künstler einfach noch keine Zeit hatte, sie abzuhängen. Kunst ist nur als Event betrachtet von Interesse. Neuerdings scheint sich allerdings bei einigen Kulturschaffenden ein neues Denken breitzumachen. Sie veranstalten ihre Vernissagen samstagabends um 19 oder 21 Uhr, dann direkt mit einem knallenden Konzert, nicht diesem halbgaren Herumgefiedel zehn Minuten lang nach der Einführungsrede, dem die Besucher dann ach so interessiert zu lauschen gezwungen werden bis sie endlich ihren verdienten Rotwein bekommen. An solchen Abenden entwickelt sich durchaus Spannendes. Eine kurze wie lockere Einführung, die nicht so bieder träge daherkommt und glaubt, Bilder erklären zu müssen oder gar zu können, einige Bier oder Wein und dann richtig gute Musik auf die Ohren. Sich dabei Kunst anzuschauen ist ein echtes sinnliches Vergnügen. Dann redet die oder der Besucher auch später über das Event und wer weiß, vielleicht kommen die nächsten Wochen auch mal Besucher herein. Und sei es nur, um sich an den schönen Abend zu erinnern oder die Person wiederzutreffen, mit der man nach der Veranstaltung spät nachts noch einen Onenightstand hatte.

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Fließgewässer

Er hat sich überreden lassen. Bei diesem Sauwetter sollte man dem Körper etwas Gutes gönnen. Zum nahe gelegenen Bach sind sie gegangen, einige nennen die Möhne, die sich ab dem Staudamm in ihr Bett ergießt, sogar Fluss, aber Herr Nipp glaubt nicht, dass dieses Gewässer wirklich so bezeichnet werden kann. Wahrscheinlich gibt es sogar eine genaue Definition für die Unterscheidung zwischen Bächen und Flüssen, so ist das in diesem Lasnde doch meistens. Bei drei Litern mehr wird aus einem Bach plötzlich etwas Großes, das einen anderen Titel verdient. Ein Rinnsal, ein Siepen, ein Bächlein, ein Bach und dann kommen wahrscheinlich die Wörter Fluss und Strom ins Spiel. Zwischendurch wird der Experte weitere Unterscheidungsvarianten einbauen können, sodass jeglicher Zustand fließender Gewässer seine genaue Bezeichnung findet. Im Grunde genommen egal, aber die Menschen brauchen wahrscheinlich solche Kategorisierungen. Vielleicht müsste er einmal in einem Netzlexikon nachlesen. Zugegeben macht er so etwas recht häufig, denn bei Vermutungen möchte er es doch meistens nicht bewenden lassen, das käme ihm etwas stümperhaft vor. Sie sind tatsächlich bis zu den Oberschenkeln ins Wasser gestiegen. Ein kaltes Erlebnis, gerade wenn es an den Schritt geht. Er musste an die Geste denken, die sie als Jugendliche immer gemacht haben, wenn das Wasser sehr kalt war. Zeigefinger und Daumen zwei Zentimeter von einander entfernt haltend: „So kalt.“ Was damit gemeint war, wusste wohl jeder. Anhalten, die Kälte zulassen und irgendwann, nachdem die Begleitung schon seit Minuten mutig gewesen war, hatte auch er sich ins Wasser gestürzt, vornüber, mit dem gesamten Körper und Kopf eintauchend ein herrliches Erlebnis. Temperaturen von über 30 Grad tun auf Dauer eben nicht gut.

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abends

Manchmal reicht es ihm, wenn er morgens früh aufgestanden ist, einfach da zu sitzen und in den Garten zu starren. Besser aber ist es, dabei mit einem Freund ein gutes Telefonat zu führen und über die Beobachtungen in der Natur fachzusimpeln. Über die Wandermuscheln im nahe gelegenen Bach zum Beispiel oder das Liebesspiel der blauen Prachtlibelle. Spannend aber wird es dann, wenn von oben Gitarrenklänge zu hören sind und die Amsel im Garten zu schimpfen beginnt, dann werden bald die Fledermäuse den Gartenteich umschwirren und noch kann er Glühwürmchen entdecken.

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