Textbaustein für einen Roman III

Gerne hört er im Hintergrund Musik, wenn Herr Nipp schreibt, das hat auch damit zu tun, dass er eigentlich schnell, zu schnell zu müde wird, um weiterzuschreiben. Mag sein, dass diese ständige Müdigkeit auch der Grund für sein schriftstellerisches Scheitern ist. Dann passiert es ihm oft, dass er eben keine Schallplatte auflegt, sondern ein Livekonzert aus der Mediathek von Arte hört, zum Beispiel die Queens of the Stone Age, weil er die nicht kennt oder vielleicht sogar die 9te Sinfonie von Beethoven. Durch das Neue an solchen Konzerten regt er sich auf und kommt über den Punkt der Müdigkeit hinweg zu einen sogenannten Flow, was er dann auch zuweilen thematisiert:

„Es ist ja nicht so, als wäre er ein Mann, der ständig müde ist oder das unentwegte Bedürfnis nach Schlaf hätte. Vieles geht ihm doch ganz leicht von der Hand. Wenn er allerdings die erste Seite an diese Frau geschrieben hat, legt er sich erschöpft hin. Sein Hirn erscheint ihm dann wie leergefegt und alle Kraft entwichen. Morgen oder so wird er weiterschreiben, oder es vielleicht ganz lassen. Er müsste wahrscheinlich auch zu viel preis geben und abschicken wird er die dann fertigen Seiten sicher niemals.“

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Textbaustein für einen Roman II

Oft sitzt er auf seiner Terrasse und beobachtet, was um ihn herum geschieht. Wie bei den meisten anderen Menschen ist das natürlich nicht besonders oder im eigentlichen Sinne erwähnennswert, doch er ist einfach dem Glauben verhaftet, dass alles durch die Sprache erst zu einem Ereignis wird. So beobachtet er einen Milan, das ist wirklich nicht spektakulär, es sei denn die Form schafft es, die kreisenden Bewegungen des Vogels aufzugreifen, also macht er sich an den Versuch:

„(Oben) Am Himmel Im Blau zieht (währenddessen) ein Greifvogel seine Runden kreisenden Spiralen. Vermutlich handelt es sich um ein Milan, ein Rotmilan, was an dem rötlich gegabelten Schwanz zu erkennen ist rötlich gegabelter Stoß. Geschickt nutzt er die Winde Er lebt in den Winden, um zu navigieren. Leichtflüglich, so scheint es von unten. So kann er minutenlang, vielleicht stundenlang ohne sichtbare Flügelbewegung aus der Höhe spähen. Von unten sieht es aus wie ein Ein scheinbares Kinderspiel. Beim Beobachten des Vogels und der dahinter schwebenden Wolke fühlt er sich wohl. Das Spiel des Himmels, unvermutete Freiheit.“

Vielleicht ist es das Wichtigste, den Text zu hinterfragen. Möglichst in kurzen Abschnitten zur Perfektion gelangen, denkt er. Ach wenn er nur wüsste, dass es unendlich viele Möglichkeiten gibt.

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Textbaustein für einen Roman I

„Das Grün der Weiden geht inzwischen in ein Gelb über, immer dann, wenn sie nicht beweidet werden oder die Wiesen geschnitten. Jetzt duften sie bei einer Maht, nämlich wenn sie zu Heu trocknen, nach Waldmeister, manchmal ein ganzes Tal. Dann kann nach dem nächsten Regen alles wieder sattgrün leuchten.“
Manchmal schreibt Herr Nipp solche Beobachtungen auf, wohl auch in der Hoffnung, doch irgendwann seinen Roman zu schreiben und dann hat er Textbausteine, die er nur noch zusammenfügen muss.

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viel

Zumeist fühlt sich Herr Nipp ja ganz wohl dabei, eher in einer der hinteren Reihen zu stehen.
Manchmal aber würde auch er gerne wahrgenommen werden. Nicht als der Besondere, der ist er nicht. Nicht als der Star, solche Allüren kennt er nicht. Schon gar nicht als graue Eminenz, ihm fehlt einfach das Zeug zum Strippenziehen. Aber schon als derjenige, der die Idee hatte, von der nun alle wie selbstverständlich profitieren.
Und ganz selten wäre ein ernst gemeintes Lob sicher schön, aber das ist vielleicht schon zu viel verlangt.

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Nutzen

Wie sehr er auch heute immer wieder oder besser gesagt noch immer dem alten Nutzendenken seiner Vorfahren verhaftet ist, wurde ihm dieser Tage bewusst, als eine Freundin fragte, was dies denn wohl für eine schöne Blume sei. Er wollte gerade fast verächtlich antworten, das sei nur eine ganz gewöhnliche Distel, da machte etwas in ihm „klick“ und er begriff etwas. Er konnte ganz glücklich antworten: „Das ist eine Gewöhnliche Kratzdistel, die leistet Ungewöhnliches. Sie leuchtet wunderschön violett, gibt vielen Insekten Nahrung und der ebenso schöne Distelfink frisst ihre Samen. Ganz nebenbei schützt diese Distel andere Ackerrandkräuter davor zertreten zu werden und gibt kleinen Tieren Deckung, denn niemand geht freiwillig durch ein Distelgestrüpp.“

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