Kleine Dinge

Nicht selten sind es die kleinen Dinge, die das Herz ein wenig heftiger schlagen lassen. Das Passbild des Menschen, in den man sich gerade stürmisch verliebt hat, vielleicht oder dieser kleine goldene Ring, der vor Jahren verloren irgendwann wieder bei Gartenarbeiten auftaucht. Beides hat Herr Nipp schon erlebt, nur dass es nicht sein eigener Ring war, sondern der seines Patenonkels, der allerdings inzwischen auch schon Jahrzehnte verstorben ist. Trotzdem, damals hat der sich wie ein Kind gefreut und tatsächlich sogar ein Eis springen lassen. Inzwischen ist er selbst wahrscheinlich genau so alt, wie es sein Onkel damals war. Und da kommt sein jüngster Sohn um die Ecke und grinst. Er hat sich den Ehering angesteckt, den der Vater damals trug, als der noch ein Zeichen war. Schön, dass das Stück in Ehren gehalten wird.

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Angebot

Natürlich hatte er sich das so nicht gewünscht, auch nicht amgestrent oder gar ausgesucht. Natürlich hatte Herr Nipp schon immer zu jenen gehört, die lieber in der zweiten Reihe standen, die Ideen jereinganen und dem Ruhm oder das Lob dafür gerne den anderen überließen. Er konnte sich schon immer prächtig über die Hybris der Selbstüberschätzer und Prahler amüsieren. Auch hatte er seine helle Freude an jägerlateinischer Prahlerei. Aber Irgendwann kommt es, wie es kommen muss. Er fliegt mit seiner Masche auf, ja den Ball flach zu halten, niemals öffentlich über seine Ideen zu reden, weil er selbst weiß, welchen Einfluss er in seinem Leben hatte. Herr Nipp denkt einige Zeit über diese neue Situation nach. Er weiß, der neue Posten beächte ihm einiges an Ansehen. Wie so oft wird er seinem inneren Plan folgen und ablehnen. Er muss seinen Weg gehen, egal ob er damit Erfolg hat oder nicht.

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Kunststoff

Es häuft sich. Inzwischen laufen einige seiner Arbeitskollegen, hier vor allem jedoch die modebewussten Damen des Weltgeschehens mit Leder imitierenden Kunststoffhosen herum. Er fragt sich, was Menschen wohl zu einer solchen geschmacklichen Verfehlung getrieben haben mag. Der Blick in einschlägige Modezeitschriften? Die Tatsache, dass jeder dritte Einzelhändler diese unglaublich nachhaltige Kleidung einfach an der Stange hängen hat oder eben auf dem Stapel liegen? Die Sehnsucht nach einzigartigen Ungewöhnlichkeiten? Vielleicht haben sie auch Aktien der Ölwirtschaft gekauft. Chemieunternehmen liegen im Trend. Vielleicht sind die hier Verwendung findenden Kunststoffe ja auch Abfall- oder Nebenprodukte der Innenverkleidungen von Panzern, die derzeit in Massen vom Band laufen, denn der Weltbedarf an Kriegswerkzeug ist groß. Egal, es ist nicht zu verhindern, die Kleidung verkunststofft sich mal wieder. Für ein halbes Jahr sieht man dann diese Kleidung, danach wird sie in den Kleiderschränken verschwinden. Und in tausenden von Jahren freuen sich sicherlich sichtbar die Archäologen, wenn es denn dann noch welche gibt.

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Reden reden

Da also stehen sie zusammen und überlegen, was wer wann und wie zu tun habe. Und seien wir ehrlich, natürlich weiß jede und jeder von ihnen, dass im Zweifelsfall jede und jeder für alles herangezogen werden kann. Also sich lieber frühzeitig melden, als irgendetwas zugewiesen zu bekommen. Von Organisation über Akquise über Darstellung bis letztlich zu Ausführung und Rede. Herr Nipp hat sich direkt zu Beginn für die Rede gemeldet. Und nun hat er den Salat und muss die Suppe auslöffeln, die er sich selbst eingeschenkt hatte, ein wahrlich bitteres Gebräu. Thema, klar, Auditorium, klar, Motivation, klar, aber sprachliche Mittel und Aufbau? Keine Ahnung, vielleicht hätte er sich doch besser um die Akquise der Finanzen kümmern sollen oder die Konzeption des Zeitplans der Feierlichkeiten. Oh Mann, er hätte doch wissen müssen, was auf ihn zukommt, vor allem wo er doch so eine Angst vor jeglichem Publikum hat.

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Armer Arm

Es ist noch nicht ganz so lang her, da konnte er gar nichts machen, saß herum und ärgerte sich, dass er einmal nicht aufgepasst hatte. Ausgerutscht, Arm gebrochen, Ellenbogen, Gelenk kaputt. Glücklicherweise kann die heutige Medizin inzwischen viele Sachen reparieren. Jetzt hat er eine Titanstahlplatte und neun Schrauben im Arm. Die halten alles zusammen und tatsächlich hat sich der Knochen dazu durchgerungen wieder zusammen zu wachsen. Welch ein Glück. Auch die Schwellung ist langsam aber stetig verschwunden. Sah die Hand anfangs noch aus wie ein aufgeblasener Gummihandschuh mit unbeweglichen Fingerchen, hat sie sich dem ehemaligen Aussehen wieder angenähert und ist beweglich. Noch nicht ganz richtig, aber auch das wird fast täglich besser. An manchen Tagen kommen die Schmerzen wieder hoch, aber Herr Nipp sagt sich dann, dass das zum Heilungsprozess dazu gehört. Als Kind hatte er schließlich auch regelmäßig Wachstumsschmerzen, vor allem in den Jahren als er plötzlich in die Höhe schoss und die meisten seiner damaligen Freunde überholte. Nur manchmal, wenn er unbedacht etwas zu schweres hebt oder sich sogar abstützen muss, dann könnte er fluchen, besser noch die Wände hochlaufen, lässt es aber bleiben und sagt dann ganz wehleidig: „Armer Arm.“ Auch das wird mit der Zeit besser werden.

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