Tasse

Das dampfende Sehnsuchtsgetränk hat er sich gerade eingegossen. Dazu musste er die Bialetti erst öffnen, den alten Prütt entfernen, ausspülen und neues Wasser in den Kocher unten geben. Dazu die letzten Krümel des Pulvers einlöffeln, auf den Herd und warten. Nun aber duftet die gesamte Wohnung. Das Wasser läuft ihm im Munde zusammen. Plötzlich von hinten ein lauter Knall, etwas ist vom Regal gefallen. Vor Schreck hat er die Tasse angestoßen und diese hat ihren Inhalt über den Klapprechner verteilt, der nomalerweise morgens mit am Frühstückstisch sitzt. Blitzschnell ist Herr Nipp aufgesprungen, hat sich die Rolle mit Küchenpapier geschnappt und versucht das Schlimmste zu verhindern. Was ihm offensichtlich auch gelingt. Der Tisch wird danach gesäubert, das wichtigste aber hat er zwischendurch erledigt: Den letzten Schluck aus der Tasse hat er trotzdem zufrieden getrunken. Nun muss er sich anziehen, zum nächsten Laden gehen; er wird sich dort zwei Packungen holen.

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Je mehr

Je mehr wir zu wissen glauben,
desto weniger
scheint es Wahrheit.

Die Gedanken sind ebenso verlassen,
wie die Entdeckung eines Artefaktes
meistens unwahr ist.

Das langwierige Nachforschen
ist jeweils ergebnislos.

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Herdentrieb

Er kann es einfach nicht verstehen. Sitzt mit einigen von ihnen (24) in einem großzügigen Raum. Die Luft ist Testosteron und Östrogen geschwängert. Das übliche Herumgenöhle (Müssen wir wirklich?) der Unreifen kommt zu Ohren, die üblichen kleinen Seitenhiebe, die sich auf die Mitmenschen oder ihn selber beziehen – und was muss er feststellen? Da gibt es sechs Inseln mit jeweils drei Rechnern. Zwei Rechnerinseln sind nicht besetzt. Dafür an einer neun junge Menschen, an einer zweiten acht, an einer weiten 7 und die vierte Insel ist mit 2 Schülern besetzt. Herr Nipp bemängelt dies, fragt sogar, ob die Schüler in der Lage sind, sich gleichmäßig zu verteilen, oder ob in diesem Alter (alle so gegen 14 bis 15 Jahre alt) das nicht möglich sei. Eine erste Neusortierung scheitert völlig, eine zweite Umsortierung der Gruppe und schon hat sich eine gleichmäßige Verteilung ergeben, immerhin das. An jeder Insel sitzen nun sechs Leute, aber die zwei freien Inseln von vorher sind auch jetzt noch frei. Damit kann Herr Nipp lesen und verteilt die Aufgaben.

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Was passiert – etwas passiert

„Da stehen dann irgendwann wieder einmal Wahlen an und damit Erwartungshaltungen von Parteien in Bezug auf Macht, auf mögliche, größtmögliche Macht. Nicht die Parteien an sich sind hierbei ein Problem, im Gegenteil, solange es diese noch gibt, ist alles gut, sondern einzelne Personen, die glauben, auf Kosten der Demokratie ihre Gelüste zu befriedigen. Jene, die keine echten Ideen in die Politik einbringen wollen oder können, sondern auf anderes aus sind. Politiker eben. Was mögen sie sich ausmalen in ihren kleinen Köpfen…“ Herr Nipp hört sich dieses Geschwätz an, denkt über die üblichen Pauschalisierungen nach. So ist es also? Da haben einige Machtgelüste, die sie ausleben wollen? In der Bundesrepublik. in Europa gar? Kommen diese von Rechts oder von Links, kommen sie aus der Mitte der Gesellschaft? Vor einigen Tagen hatte Herr Nipp noch ein Gespräch mit einem dieser ach so machtgeilen Politiker und es ergab sich ein ganz anderes Bild, da wird von harter Ausschussarbeit gesprochen, davon, vom Einarbeiten in die Materie, jenseits der schlagworthaften Vereinfachungsprosa – von den Problemen, die erst einmal bewältigt werden müssen – Sacharbeit, nicht Macht. Er sprach auch davon, was es heißt, dass in den Ausschüssen verschiedene Personen verschiedener Parteien sitzen, die ihre jeweiligen Ideen und Ideologien einzubringen versuchen, was es heißt, Kompromisse zu finden, die praktikabel sind – jenseits von populistischen Bierdeckellösungen oder plakativen Wandanschlägen. „Ja“, sagt Herr Nipp,“bald sind wieder Wahlen. Und da geht es um so viel mehr als einfach nur Macht. Da geht es hoffentlich auch in Zukunft in erster Linie um die Ideale, auch jener, Demokratie zu leben und das möglichst Beste für alle zu finden. Vor allem darum aber, dieses Projekt Europa trotz aller Hindernisse fortzuführen. Denn da geht es nicht um Macht in erster Linie, sondern um den Erhalt des Friedens, jenseits des Brexits, des Dexits oder welcher möglichen Austritte auch immer.“

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Woher wohin

Er sitzt da in einer Ecke dieses ganz nett gemachten, aber letztlich doch Fastfoodrestaurants, das von einer Brauerei eingerichtet wurde. Altstadtfeeling in einer kleinen Regierungsstadt am Rande des Sauerlandes. Er kommt von einer schlechtbesuchten Lesung in einer historischen Bibliothek, die schlecht gewärmt war, ist durch leere Straßen gelaufen und sitzt nun hier in aller Ruhe. Er hat sich ein trübes Bier bestellt, wirklich gut zu trinken. Er hat sich dicke Pommes bestellt mit irgendeinem Dipp, nur nicht Majo oder Ketchup. Auch hier ist es nicht gerade voll, kaum jemand sitzt da; die Frage steht im Raum, wie sich dieser Betrieb in der Woche wohl trägt. Am Wochenende dagegen hat er schon erlebt, dass man kaum den Fuß an die Erde bekam. Herr Nipp hat sogar das Gefühl, als würde gleich geschlossen. Dann kommt eine Gruppe von Leuten herein, die er bereits vorher bei der Lesung gesehen hatte. Das sind wohl die Veranstalter mit Freunden und dem Schriftsteller. Dazu gesellt sich eine weitere Figur, die ihm völlig unbekannt ist. Ein intensives Gespräch ist sofort in Gang, alle durcheinander. Und so langsam kristallisiert sich heraus, dass an diesem Abend in dieser kleinen Stadt zwei Lesungen stattgefunden haben, dass die Literaten erst an diesem Abend davon erfahren haben, dass sie sich kennen, der eine aus Berlin, der andere in Leipzig wohnend, dass beide zufällig für die gleiche Zeitung arbeiten und sowieso schon länger vorgehabt hatten, sich einmal zu treffen. Die Wahrscheinlich, denkt Herr Nipp, jemanden zufällig in einem verschlafenen Städtchen irgendwo in der Provinz zu treffen, die er sonst nur aus irgendwelchen dubiosen filmen kennt, ist gering, aber doch irgendwie gegeben.

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