Herbstmorgen

Herr Nipp hat seinen Kaminofen entzündet, kurz nachdem er aufgestanden ist. Diese Routine gehört für ihn zur kalten Jahreszeit. Die Heizung ist noch nicht in Funktion. Nach dem darauf folgenden Duschen mit einer Tasse Kaffee davor zu stehen, ist ihm immer ein Vergnügen. Den Hintern, die Beine gewärmt zu bekommen, eine Wärme, die langsam immer höher kriecht, was kann es in dieser Situation besseres geben? Na, denkt er, wahrscheinlich neben einem Menschen aufzuwachen, den man liebt.
Draußen ist es noch dunkel und weitere Geräusche im Haus sind nicht zu hören. Bisher scheint außer ihm niemand wach zu sein. Er zieht sich die Jacke über, denn ein frischer Wind zieht durch die Häuserzeilen, stark gemischt mit Regen. Ein feines Fieseln fliegender Feinsttröpfchen. Sie setzen sich in jede erdenkliche Ritze der Kleidung und ziehen langsam ein. Er mag dieses Wetter, das zeigt, hey, du lebst noch. Das Laub fällt, Walnussblätter liegen inzwischen massenhaft im Garten und decken die reichlichen Nüsse zu. Jeden Tag muss Herr Nipp fegen, damit er auflesen kann. Die Blätter kommen auf einen der drei großen Haufen, die er eingerichtet hat, damit dort Igel und andere Tiere überwintern können. Die Sammelschüssel füllt sich täglich dann.
Wenn es allerdings noch so dunkel ist, lohnt alles Suchen nicht. Wichtiger ist ihm das Frühstück und so läuft er zu seinem Bäcker des Vertrauens, holt sich ein Kartoffeldinkelbrot und freut sich auf das Frühstück. Er wird dieses Mal wohl nicht alleine frühstücken, das allein macht ihn Schon glücklich.

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Rücken

„Du musst doch erst einmal etwas erleben, um schreiben zu können.“ So hallt es in seinem Kopf nach. Kaum ist er aufgewacht, aufgestanden und an einem besonders schweren SUDOKU gescheitert, hat er sich Kaffee gekocht. Herr Nipp setzt sich an den Tisch, einen Bleistift HB in der Hand, ein weißes Blatt vor sich liegend. Und beginnt noch nicht. Er grübelt, steht wieder auf. Es geht einfach nicht. In aller Ruhe beginnt er, die Möbel umzustellen. Das Rücken verschafft neue Perspektiven, denkt er. Und morgen wird er anfangen zu schreiben.

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Dunkelheit (1995)

Wollte Dunkelheit, löschte das Licht. Dunkelheit, doch schnell gewöhnt ich mich, sah die kleinen Helligkeiten der Lichtschalter, der Uhr, der Anlage, Mist. Wollte schreiben. Schreiben zu können, so Seitenlänge, stundenlang und merke doch immer wieder, dass da nicht genug ist, das, was vor sich geht, zu beschreiben. Suche nach Worten, Formulierungen, Ausdrücken und finde doch so wenig. Und dann sagt das eine nicht Gesagte so viel mehr, als es jeder lange Text vermöchte. Und da unten heulen wieder die Sirenen auf Autos. Die Musik ist aus.

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Endlich Regen

Schon beim Frühstück konnte der Regen gehört werden. Der Kaminofen hatte geprasselt, Herr Nipp hatte die morgendliche Portion Kaffee darauf zubereitet und genüsslich getrunken. Als er aus dem Haus trat, um sich auf den Weg zu machen, hatte die Niederschlagsfront inzwischen Ausmaße angenommen, die ihn zwangen zu warten. Er beobachtete von der Haustür aus die einzelnen Regentropfen aufschlagen und bemerkte, wie der Boden sofort alles aufsog. Ja, endlich Regen, dachte er, nahm den Schirm in die Hand und ging los.

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Pause

Unter und hinter ihm das leise und gleichmäßig ermüdende Gebrabbel. Leise Gespräche in behaglicher Atmosphäre. Herr Nipp hat seinen Tee vor sich stehen, Pfefferminze, schaut aus dem Oberlicht und denkt nicht. Ja, es gibt diese seltenen Gelegenheiten im Leben, in denen der Mensch in der Lage ist, nicht zu denken, nicht zu handeln, nicht Teil der Gegenwart zu sein. Dazu braucht es nicht unbedingt der Zen~Meditation, zuweilen gelingt es dem Geübten, sich selbst durch bloße Betrachtung eines langweiligen Gegenstandes, und sei es eines Gesichtes, in diese Form der Tiefenenthebung zu treten. Bei Herrn Nipp treffen drei Dinge zusammen, der Tee, der ihm immer ein besonderes Gefühl der inneren Abgeschiedenheit vermittelt, das Hintergrundgebrabbel, welches wirklich fast wie weißes Rauschen wirkt, aus dem beizeiten einzelne Wörter auftauchen und letztlich dieser Blick in den grauen Regenhimmel, an dem von Zeit zu Zeit Herbstblätter fliegen. Oder eine Taube. Die Hände liegen auf dem Tisch, die Finger ausgestreckt, die Zeit fliegt ebenso vorbei. Als er wieder den Boden der Gegewärtigkeit betritt, ist der Tee kalt. Die ersten Worte, die er aus dem Brei heraushört, sind: „Keine Sorge.“ Seinen unbehaarten Kopf schüttelt er kurz, ergreift die Tasse und trinkt den letzten Rest, schüttelt sich. Diese kurze Auszeit hat ihm gut getan. Er steckt den Schlüssel in die Hosentasche und geht.

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