Besucher

Nachmittags, spät nachmittags kommt der Besuch. Eigentlich (und eigentlich ist eigentlich eigentlich) hätten (es ist also nicht passiert) sie wahrscheinlich (man beachte an dieser Stelle die dritte Möglichkeitsform) sonst einen längeren Spaziergang gemacht. Es kommt eben, wie es kommt. Oder wie Herr Nipp dann immer sagt: „Isso.“ Der Spaziergang ist kurz, nur über den Friedhof, der sich in den letzten Jahren zu einer Parklandschaft entwickelt hat, seitdem dort nicht mehr beerdigt werden darf. Der Himmel dräut und auf dem letzten Metern zum Haus fallen schon die ersten dicken Tropfen. Also beschließen die beiden Männer, sich innen hinzusetzen. Details seien hier erspart. Es geht schließlich niemanden an, dass sie ein zwei Bier trinken, jeder eine Zigarette raucht, nur eine, dass sie sich über sich und andere lustig machen und der dritten im Bunde gedenken, die vor vielen Jahren schon vorausgegangen war. Sie sitzen nebeneinander, so wie früher, schauen aus dem Fenster heraus. Kommentatoren der Welt und der persönlichen Geschichte. Geschichte mit vergangenen Beziehungen und Begegnungen, mit Taten und Unmöglichkeiten. Der eine ein Stadtmensch mit Landsehnsucht, der andere ein Kleinststadtmensch ebenfalls mit Landsehnsucht. „Eigentlich unglaublich, dass diese vier Jahre unserer Jugend so entscheidend waren, sich so tief eingebrannt haben, dass ich immer das Gefühl habe, wenn du kommst, können wir dort ansetzen, wo wir zuletzt stehengeblieben sind,“ meint Herr Nipp. Längere Zeit Schweigen. Aus dem Fenster in den Sturzbachregen schauen. „Auch nach vierzig Jahren,“ meint der andere. Sie blicken sich zwischendurch an. Vierzig Jahre, die einfach so prall mit Leben gefüllt verstrichen sind. Und beide wissen um sich und ihre alte Freundschaft.

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Lächeln

Ganz unvermittelt fragt ein Freund, mit dem Herr Nipp abends zusammensitzt, was denn wohl das Wichtigste ist, was gelernt wurde. Einige Sekunden geht Herr Nipp in sich, blickt seinem fest in die Augen und lacht laut. „Darüber zu lächeln, dass ich von anderen belächelt werde, denn sie verstehen nicht, dass ich so bin, weil ihnen ein Spiegel vorgehalten wird.“

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Glühwürmchen

Bei einem Nachtspaziergang sind sie plötzlich umgeben von einer Wolke Glühwürmchen. „Das ist toll. Wo sieht man das heute schon noch?“ „Überall dort, wo es die richtigen Schnecken gibt, von denen sich die Larven der kleinen grünen Lichter ernähren.“ „Dann werden wir gleich zu Hause noch mehr sehen.“

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Tee

Egal wann im Jahr plötzlich und unerwartet ein Feiertag, Samstag oder Sonntagauftaucht, Herr Nipp nimmt ihn mit Freude wahr. Morgens, wenn das Wetter nicht allzu schlecht ist, zieht er seine langsame Runde durch den Garten, betrachtet und beachtet die Veränderungen durch das Jahr, den Wechsel der ersten zu den etwas späteren Frühblühern, den weiteren Übergang zu den Sommerblumen und Hochsommerblühern, die grundlegenden Veränderungen zum Herbst hin und dann die kleinen Schauspiele des Winters. Mal ist es Apfeltee, mal auch Fenchel, Brennessel oder Minze, seit Jahren verzichtet er bereits auf Huflattich, wegen irgendwelcher Giftstoffe, die sich laut der Wissenschaft im Körper ansammeln. Eine Apothekerin meinte allerdings kürzlich, auch das regelmäßige Trinken von Fencheltee sei nicht unbedingt gesundheitsförderlich. Aber was ist mit den anderen Aufgussgetränken? Wenn das so weiter geht, denkt er, dann gehe ich demnächst nur noch mit einer Tasse heißen Wassers durch den Garten, hoffentlich ist das vertretbar.

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samstag morgens Markt

Wie jeden Samstag ist er zwischen sieben und halb acht zum Markt gefahren. Helm auf, Rad aus dem Keller geholt und bis zur Sparkasse, denn Bares hat er nicht mehr. Käse beim Gregor, Gemüse bei Klaus. Alles ökologischdramatische Landwirtschaft. Weiter zum Pilzstand, Spargelköpfe, zum Apfelstand, Glockenäpfel. Vergessen hat er die Blumen, aber der ganze Garten ist ja bunt, das muss diese Woche mal reichen. Schnell noch zur Dinkelbäckerei, ein Pane Nocce kaufen und schon sitzt er wieder im Garten. Im Haus ist noch kein Leben zu hören, ja, der selige Schlaf. Er beobachtet die Libellen um den Teich schwirren, nippt an seinem Tee und frühstückt. Heute verleibt sich Herr Nipp statt Poridge ein Bund Radieschen ein.

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