Pulp

Plötzlich und unerwartet steht er in einer Fabrik für Wellpappen. Ein unglaublich freundlicher Mitarbeiter hat Herrn Nipp mit kräftigem Händedruck begrüßt. „Wow“, meint der Besucher, „so hatte ich mir das in etwa vorgestellt. Riesig groß.“ Leider können die Produktionsstätten nicht besichtigt werden. Nur einen kleinen Teil des riesigen Lagers bekommt er zu Gesicht. „Mit dem Material hier würde ich gerne Möbel bauen. Möbel auf Zeit, die jederzeit recycelt werden könnten.“ „Nehmen Sie sich was mit, wer weiß schon, vielleicht ist das ja die Zukunft für Messen und Veranstaltungen.“ Jetzt überlegt er wirklich, ob er vielleicht in seinem Alter noch einmal neu anfängt und faltbare Leichtmöbel auf Zeit entwickelt.

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Gur Kirschen essen

In einer Papiertüte hatte er sich einige Hände voll mitgenommen. Nun sitzt er an einer der Waldschadensflächen, radikal freigeräumt vom Borkenkäfer, mit freier Sicht in die Landschaft. Hier hatte glücklicherweise jemand nicht genug Geld zum Aufforsten oder selbiger traut den selbstheilenden Kräften der Natur über den Weg. Mutig und schön. In aller Gemütsruhe hat Herr Nipp die üppige Portion Kirschen neben sich auf die Bank gelegt. Er schaut den Mitwanderer mit Aufforderung an und schon geht das Essen los. Bittersüße Geschmacksexplosionen wechseln mit herbsüßen Nuancen ab. Die Kerne flitschen sie mir Daumen und Zeigefinger den Hang hinunter. Wer weiß, vielleicht ist einer der Kirschenwildlinge demnächst ein Beitrag für die Vielfalt eines echten Waldes, der dann keine Plantage ist.

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Besucher

Nachmittags, spät nachmittags kommt der Besuch. Eigentlich (und eigentlich ist eigentlich eigentlich) hätten (es ist also nicht passiert) sie wahrscheinlich (man beachte an dieser Stelle die dritte Möglichkeitsform) sonst einen längeren Spaziergang gemacht. Es kommt eben, wie es kommt. Oder wie Herr Nipp dann immer sagt: „Isso.“ Der Spaziergang ist kurz, nur über den Friedhof, der sich in den letzten Jahren zu einer Parklandschaft entwickelt hat, seitdem dort nicht mehr beerdigt werden darf. Der Himmel dräut und auf dem letzten Metern zum Haus fallen schon die ersten dicken Tropfen. Also beschließen die beiden Männer, sich innen hinzusetzen. Details seien hier erspart. Es geht schließlich niemanden an, dass sie ein zwei Bier trinken, jeder eine Zigarette raucht, nur eine, dass sie sich über sich und andere lustig machen und der dritten im Bunde gedenken, die vor vielen Jahren schon vorausgegangen war. Sie sitzen nebeneinander, so wie früher, schauen aus dem Fenster heraus. Kommentatoren der Welt und der persönlichen Geschichte. Geschichte mit vergangenen Beziehungen und Begegnungen, mit Taten und Unmöglichkeiten. Der eine ein Stadtmensch mit Landsehnsucht, der andere ein Kleinststadtmensch ebenfalls mit Landsehnsucht. „Eigentlich unglaublich, dass diese vier Jahre unserer Jugend so entscheidend waren, sich so tief eingebrannt haben, dass ich immer das Gefühl habe, wenn du kommst, können wir dort ansetzen, wo wir zuletzt stehengeblieben sind,“ meint Herr Nipp. Längere Zeit Schweigen. Aus dem Fenster in den Sturzbachregen schauen. „Auch nach vierzig Jahren,“ meint der andere. Sie blicken sich zwischendurch an. Vierzig Jahre, die einfach so prall mit Leben gefüllt verstrichen sind. Und beide wissen um sich und ihre alte Freundschaft.

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Lächeln

Ganz unvermittelt fragt ein Freund, mit dem Herr Nipp abends zusammensitzt, was denn wohl das Wichtigste ist, was gelernt wurde. Einige Sekunden geht Herr Nipp in sich, blickt seinem fest in die Augen und lacht laut. „Darüber zu lächeln, dass ich von anderen belächelt werde, denn sie verstehen nicht, dass ich so bin, weil ihnen ein Spiegel vorgehalten wird.“

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Glühwürmchen

Bei einem Nachtspaziergang sind sie plötzlich umgeben von einer Wolke Glühwürmchen. „Das ist toll. Wo sieht man das heute schon noch?“ „Überall dort, wo es die richtigen Schnecken gibt, von denen sich die Larven der kleinen grünen Lichter ernähren.“ „Dann werden wir gleich zu Hause noch mehr sehen.“

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