Ödnis

So lahm, so langweilig hat er selten einen Tag erlebt. Wie gelähmt, als habe jemand ihn mit Klebe verkleistert, nimmt er seine Umgebung wahr. Alles scheint er von unter der Käseglocke zu beachten und hier ist nicht Beobachtung gemeint, welche die arme arme Frau im Roman „Die Wand“ machen muss. Offensichtlich existiert da draußen bei ihm immer noch eine funktionierende Welt mit lebenden Menschen und Tieren. Nein, hier handelt es sich nicht um die fiktive Zustandsbeschreibung einer Frau, welche vom Patriarchat genug hat und endlich eigenständig wird. Quasi von Schicksal der Männer entledigt. Erstens leidet Herr Nipp nicht unter einem angeblichen Patriarchat (die Hälfte der leitenden Angestellten in seinem Betrieb sind weiblich), zweitens ist er ein Mann (zumindest nimmt er das aufgrund seiner Physis und der Fähigkeit der Kindszeugung stark an) und drittens hat er schon vor einigen Jahren das eigenständige Leben für sich entdeckt (Hier soll auf die Gründe, warum, nicht weiter eingegangen werden, auh wenn das mal ein wirklich spannendes weites Feld wäre). Und seien wir ehrlich, so schlimm ist das gar nicht, Eigenverantwortung. Das heißt natürlich nicht, dass er keine Rücksicht auf andere Menschen nimmt und eine Frau, wenn sie in seinen Dunstkreis kommt, wird er mit absoluter Sicherheit nicht erschießen. Anders als die Frau in besagtem Roman, die den Mann nur als Bedrohung empfindet und ihn vom allgemeinen Leiden des Lebens erlöst. Was, ein Akt der Befreiung? Das also wird in Feminist*innenkreisen als Akt der Selbstbestimmung gefeiert? Na gut, damit kann Herr Nipp einfach herzlich wenig anfangen. Er fühlt sich heute einfach nicht gut und wird sich daher lieber in sein Schneckenhaus zurückziehen, die Welt an sich vorbei laufen lassen und morgen mit neuer Kraft vielleicht wieder zur Stelle sein. Dann räumt er die eigene Ödnis mal wieder auf, findet Zündhölzer für ein wärmendes Feuerchen, schiebt die Trümmer der Vergangenheit beiseite und freut sich bei einem Glas frischen Wassers seines Seins. Und durch ein Glas Wasser betrachtet, ist die Welt sogar manchmal sehr lustigm, wenn auch etwas verzerrt.

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Daten

Niemand hat die Absicht, eure Daten zu sammeln.

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Sonntag, einmal wieder

„Sag mal“, meint die Frau, welche er gerade kennengelernt hat, ganz unverblümt, „hast du eigentlich jemals so richtigen Sonntagsfrust geschoben? An solchen Sonntagen, an denen eigentlich gar nichts passiert, vielleicht noch ein lahmer Spaziergang mit der Familie und ansonsten wird dann nachmittags Kuchen gegessen und Kaffee getrunken und du hast das Gefühl, dass all das gar nichts mit dir und deinem Lebensgefühl zu tun hat? Solche Sonntage eben, die flüssiger als flüssig sind, die man am liebsten aus dem Gedächtnis streichen würde, was man allerdings gar nicht muss, weil man sie auf jeden Fall vergessen werden, die gar nicht die Möglichkeit haben, sich einzunisten im Gedächtsinn, weil sie einfach nur öde sond, ob ihrer Belanglosigkeit, ihrer Ereignislosigkweit, ihrer Sinnlosigkeit, ihres fehlenden Gestaltungswillens? Hast auch du solche Tage, vor allem aber eben Sonntage, die eigentlich große schwarze Löcher des Vergessens, des Vergessenwerdens sind und du fragst dich dann plötzlich, ob das alles hier in irgendeiner Form überhaupt sinnvoll sein könnte? Oder gehörst du zu den Menschen, die klar ein sinnerfülltes Lebens führen mit ebenso klaren wie sinnvollen Strukturen und tiefgehenden Betrachtungen der Welt, die möglichst auch noch in irgendeiner Form verschriftlich werden müssen, weil du den Glauben hast, das interessiere irgendwen außer dir selbst? Gehörst du zu diesen Familienmenschen, deren ganzes Glück darin besteht, den gesamten Sonntag lang an dieses Abendessen zu denken, dass du mit deinen Söhnen gerne zubereiten würdest, weil es ja so unglaublich viel Freude macht, mit anderen und für andere die wertvolle Lebenszeit zu opfern, mit ihnen Speisen, nicht einfach nur Essen zuzubereiten und am besten auch noch kulinarisch zu verfeinern und dann abends zusammenzusitzen und das Mahl gemeinsam einzunehmen? Gehörst du zu den Menschen, die nichts mit sich anzufangen wissen, weil sie wissen, dass sie von anderen Menschen für zu unbedeutend wahrgenommen werden und jeder weiß, dass es niemals möglich ist, aus dieser Nummer herauszukommen?“ „Viele Fragen, viele Fragen, “ meint Herr Nipp, setzt sich in seinem schwarzen Ledersessel aufrecht, soweit das in diesem Möbelstück überhaupt möglich, denn die äußere
Haltiung vermittelt so viel über die innere und er möchte nicht als Schluffi erscheinen, der sich selbst aufgegeben hat. Er blickt ihr tief in die Augen, soweit diese Metapher überhaupt sprachlich funktionieren kann, die er für absolut überholten Schwachsinn erachtet, zumindest in diesem Augenblick, der ihm an die Nieren geht und wahrscheinlich auch in die Gallenblase, die zum Glück gerade keine Spierenzchen macht. „Ich kann mich eigentlich gar nicht erinnern.“

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zarte Hand

Morden kann auch die zarteste Hand.

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Herbstgarten

Die Blätter fliegen durch den Garten
mit dem Harken musst du warten

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