Hunde

Die Damen vor ihm haben ihre Hunde von der Leine gelassen. Zwei Jagdhunde, deutsch Drahthaar. Beide rollen, tollen und raufen als gäbe es kein Morgen. Alles ist jetzt und real. Plötzlich hebt einer den Kopf, scheint die Luft tief einzuatmen. Sekunden später jagt er unter Gekläffe in den Wald, der zweite hinterher. Die beiden Frauen schreien und keifen. Keiner der Hunde wird sich die nächsten Minuten zeigen, Herr Nipp kann sie nur hõren. Da nützt auch die Pfeife nichts, die von der größeren Dame traktiert wird. Wenn solche Hunde einmal einen Duft in der Nase haben, ist es um sie geschehen. Hoffentlich, denkt Herr Nipp, ist es ein Keiler, der kann sich wehren.

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Sonnenaufgang

Langsam klettert sie über das Band der Wolken am Horizont, legt dort einen goldenen Rand aus, bevor sie sich selber zeigt und dann plötzlich geht alles ganz schnell. Unerwartet ist diese seltsame Stimmung des Erwartens vorbei, die milden Pastelltöne des Himmels verschwinden und so nimmt ihm das gleißende Licht jegliche Farbe. Herr Nipp denkt: „Schön, einfach nur schön.“ Und hat gleiches ausgesprochen, noch ehe er es bemerkt hätte und weiß in diesem Moment gleichzeitig, dass ihm vielleicht auch etwas Intelligentes hätte einfallen können, hätte er nur mehr Zeit zum Nachdenken gehabt. Hätte. So zu zeigen, dass auch die einfachsten emotionalen Regungen auch komplex ausgedrückt werden können, reflektiert eben. Doch der neben ihm sitzende Mitbeobachter, ist auf die Bank gedrückt, obwohl sonst eher intellektuell phrasierend unterwegs, ähnlich gebannt von diesem Schauspiel. „Japp, ich hätte es nicht besser sagen können.“

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Umleitung

In seiner Kindheit gab es diese Achtziger Jahre Witze, die schon damals nicht besonders gut waren und es mit der Zeit mit Sicherheit nicht besser geworden sind. „Wie heißt der Verkehrsminister von China?“ „Um Lei Tung.“ Was haben alle gelacht. Die meisten dieser Witze waren nicht besser, meistens gingen sie unter die Gürtellinie. Heute würde man von verstecktem Rassismus sprechen, wo damals von reinem Wortwitz ausgegangen worden war. Tatsächlich müssten in der heutigen Zeit der politisch korrekten Hinterfragung von allem und jedem die meisten Witze als inkorrekt oder zumindest politisch unkorrekt klassifiziert werden und einige Menschen kennen da wirklich keinen Spaß. Man stelle sich einfach mal vor, die derben Späße der Monty Pothons würden da hinterfragt und auf die Goldwaage gelegt. Brian? Flying Circus? Aber es soll ja tatsächlich auch Komiker geben, die sich gerade damit ihr Geld verdienen, schlechte Witze über Minderheiten und Frauen machen. Manchmal, und das sei an dieser Stelle zugegeben, auch gute. All dies geht Herrn Nipp bei dieser Umleitung, die ihn nun umleitet, durch den Kopf. Kurz vor der Ankunft am Ziel hat sich eine Baustelle aufgetan, ein Fußgängerüberweg wird repariert. Nun schickt man den kompletten Verkehr über eine kleine Nebenstraße, die für das Aufkommen des Berufsverkehrs in keiner Weise ausgebaut ist, durch einen Kreisverkehr, der normalerweise dazu gedacht ist, minütlich vielleicht ein zwei Autos aufzunehmen. Herr Nipp allerdings rollte nun mit einer Karawane da durch. Die komplette Straße verstopft, nichts geht mehr. Fast wie beim Roulette. Für die zwanzig Meter bis zum Ziel braucht er nun fast 500 Meter Umweg und über eine viertel Stunde. In solchen Situation sollte man einfach anhalten, aussteigen und über die Baustelle zu Fuß gehen, aber jetzt sind es höchstens noch fünf Minuten, da lohnt das auch nicht mehr.

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Nicht aufregen

„Ich rege mich nicht auf“, denkt er, „wenn ich einmal laut werden sollte, hätte das einen triftigen Grund.“ Herr Nipp ist bekanntlich ein leiser Mensch, ein sehr leiser Bewohner dieses Planeten. Jemand,der es immer irgendwie schafft, den Fährnissen dieser Welt auszuweichen oder sie eben als gegeben neben sich verschwinden lassen. Das Umgehen von Schwierigkeiten ist zu einer Maxime seines Lebens geworden. Er kann es geradezu hassen, wenn andere ihre Worte in allzu große Lautstärke fassen. Nein, ganz gelassen geht er meist durch seine Tage. Als Beobachter fühlt er sich eher, denn als Akteur, allerdings muss auch er zuweilen auf unerwartete Situationen reagieren. Und in diesem Moment gefällt ihm das Geschehen überhaupt nicht. Er steht an diesem besonderen Kreisverkehr, der schon zu seiner Kindheit Rondell genannt wurde.

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Hecheln

Wenn man den Medien glauben wollte, müsste jeder der Trends dieser Zeit ständig bewusst sein und ein jeder ihnen hinterher laufen. Ja, es stimmt wohl, dass dies auch Herrn Nipp immer mal passiert, bei Kleinigkeiten, nichts Weltbewegendem, allerdings ist oder fühlt er sich inzwischen etwas zu alt, um jede Mode zu bemerken oder auch noch mitzumachen. Er kann sich tatsächlich an den alten Sachen noch erfreuen, die er als gerade Erwachsener, als gerade der Jugend Entstiegener gekauft hat oder sogar von inzwischen verstorbenen Freunden vermacht bekam. Da ist zum Beispiel dieser hellblaue Pullover mit dem kleinen Reisverschluss vorne. Irgendwann wurde er darauf angesprochen, der sehe ziemlich cool aus, ziemlich eightys. „Ja,“ hatte er geantwortet,“ von 1986, um genau zu sein, hat früher meiner besten Freundin gehört.“ Verblüfftes Schweigen. Oder kürzlich: „Boah, geil, ist das die aktuelle Nachpressung?“ „Nein, habe ich 1992 gekauft, in Siegen.“ „Weißt du eigentlich, was die wert ist?“ „Mir sehr viel.“ Gespräch beendet. Herrn Nipp interessiert nicht, wieviele Euronen er dafür bekommen könnte, würde er die Scheibe verkaufen. Ihn interessiert die Musik darauf und die findet er verdammt geil. Auch nach dreißig Jahren noch. Aber auch er muss manchmal echt hecheln, nicht den altuellen Trends hinterher, sondern wenn er den nächsten Lauf macht, 16 Kilometer zum nächsten Stausee.

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