warum

Sicher kennt jeder das Problem mit den kindlichen Warumfragen, bei denen jede Antwort zur Grundlage einer weiteren Warumfragen wird. Spätestens bei der zehnten wird es unerträglich oder als Erwachsener hat man sich so sehr verrant, dass es droht, sehr peinlich zu werden. „Papa, warum ist Mama so traurig?“ „Weil der Opa gestorben ist.“ „Warum ist der Opa gestorben?“ „Weil er krank war.“ „Warum war er so krank?“ „Weil er geraucht hat,“ „Warum rauchst du, willst du auch sterben?“

oder

„Mama, warum ist Papa so traurig?“ „Weil ich mit ihm geschimpft habe.“ „Warum hast du mit ihm geschimpft?“ „Weil er sich mit einer anderen Frau getroffen hat.“ „Warum schimpft Papa nicht mit dir, du triffst dich doch auch mit Peter abends, wenn Papa nicht zu Hause ist?“

Manchmal möchte auch Herr Nipp solche Warumfragen stellen.

„Warum flämmen Menschen immer noch das Beikraut auf Bürgersteig und im Garten ab?“ „Warum wurde Schneckenkorn noch nicht verboten?“ „Warum muss jeder immer mehr haben?“ „War lernen Kinder alles über die Früchte und das Obst, welches in Indien auf den Märkten verkauft wird, aber nichts über die Pflanzen in Garten, Feld und Wald?“ „Warum duscht jemand vier Mal pro Tag?“ „Warum fliegen manche Leute mehrfach im Jahr in den Urlaub?“ U nd so weiter und so fort. Er findet die Antworten nicht oder befindet sie für sehr schlecht.

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Brache

Völlig entsetzt blickt er auf diese Landschaft, die er eigentlich so mag. Irgendein Idiot hat brutal und rücksichtslos alles niedergemacht, was in den letzten Jahren gewachsen war. Kleine Birken, Pappeln, Haselnusssträucher, sogar einige Eichen und all die sattgrünen Ahorne, die er so gerne Ahörner nennt. Da ist jemand mit einem Freischneider durch die Gegend gezogen und hat eine Fläche von gut zweitausend Quadratmetern platt gemacht. Bei genauerem Hinsehen bemerkt Herr Nipp, dass nur das Buschwerk entfernt wurde und als er die Fläche betritt, weiß er auch warum. Überall auf der Fläche finden sich seltene Orchideen und andere Kräuter, die er anderswo wohl schwerlich entdecken würde. Seine erste Empörung weicht einem anerkennenden Nicken. Da wusste jemand genau, was er macht.

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Spinne

Vor vielen Jahren, damals mussten junge Männer in Deutschland noch den Militärdienst absolvieren, hatte Herr Nipp genau diesen verweigert und seinen Dienst in einem Familienferien- uind Bildungsheim angetreten, was sich ja eigentlich ganz nett anhört. Wären da nur nicht der Dienst und Chef gewesen. Der erste ging von morgens teilweise bis in die Nacht (halb sieben Hallenbadaufsicht, dann Küchendienst, Abrechnung Bierstube, Hausmeisterdienste, Küche, Hausmeisterdienste, Hallenbadaufsicht, Küche und abends dann Bierstube bis halb elf, ein ereignisreicher Tag also), also nichts mit Ferien und der zweite war ein intelligenter kolerischer Poltergeist. Mal hatte der seine herzensgute Phase, dann konnte man viel von ihm lernen und alles war super. Dann gab es allerdings diese Tage, da wusste jeder Zivildiensleistende der Einrichtung, dass es besser ist, wenn man erst gar nicht gesehen wird. Damals war es noch üblich, mit Zigarette oder anderen Rauchwaren durch jeden Raum zu laufen, der Chef zumindest hatte immer seine Pfeife mit einem wirklich gut duftenden Tabak an. Das war von Vorteil, wollte man dem ausweichen. Andererseits hatten die Zivis auch tolle Freiheiten, sie konnten wann immer das Schwimmbad nutzen, auch nachts mit Freunden, dann wurden beide Augen zugedrückt. Von Zeit zu Zeit bekamen sie die übriggebliebenen Reste aus der Küche. Und die waren wirklich gut. Einige von ihnen lernten den Umgang mit dem Fotolabor, Herr Nipp gehörte dazu. Sein Chef war ein echter Kenner der Fotografie und besaß sogar Originalabzüge und wohl auch Negative von Renger-Patsch. Einer der beiden Hausmeister hatte ein gutes Herz und steckte ihnen alles zu. Der andere war ein echtes Arschloch, faul und missmutig. Aber vor allem durften die sechs Jungs Reptilien und Spinnen in ihren Zimmern halten. Der eine Zivi war ein echter Spezialist in Sachen Spinnen, später hat er Biologie studiert und leitet inzwischen ein Institut, gilt wohl als führender Arachnologe mit seinen rund 200 Neuentdecktungen und Neubeschreibungen. Der jedenfalls hatte damals auf der zu mähenden Wiese hinter ihrer Einrichtung eine Wespenspinne entdeckt und Herrn Nipp gezeigt, mit kaum geleugneter Begeisterung davon erzählt, dass diese Art sonst nur in warmen Gegenden vorkomme und damals schon darauf verwiesen, dass diese Sichtung ein untrügliches Anzeichen für die Veränderung des Klimas im Sauerland sei. Zu dieser Zeit haben nicht viele das verstanden. Vermutlich auch Herr Nipp nicht. Heute spürt es jeder an der eigenen Haut. Das ist nun 44 Jahre her und dieser Tage hat Herr Nipp bei einem seiner Rundgänge auf dem nahe gelegenen Friedhof eine solche Spinne entdeckt, die ihr Netz vor dem Loch eines verlassenen Kaninchenbaus gebaut hatte. Fast wäre er da hereingetreten und hääte sich wer weiß was verstaucht oder gar gebrochen, hätte die auffällige gelb-weiß-schwarze Zeichnung dieses Tieres ihn nicht kurz vorher aus seinen Gedanken gerissen.

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Teebeutel

In seiner Thermoskanne hängen die Teebeutel im heißen Wasser. Später wird Herr Nipp Schwierigkeiten haben, sie wieder herauszuziehen, denn sie sind dick geworden. Und er sollte wirklich nicht an allen vieren gleichzeitig ziehen. Einer wird platzen, den Inhalt in der Kanne verteilen, aber der Tee wird wohl trotzdem schmecken.

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Neues Buch

Dieser Tage ist ein neues Buch erschienen. “Erwartete Zufälle“ ist mit rund 20 Texten und 10 Holzschnittfragmenten versehen. Es wird in einer handgeschriebenen Auflage von 4 Exemplaren ediert, von denen bereits 2 vergriffen sind. Bei Interesse bitte melden.

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