Balkon

Nachts auf dem Balkon zu sitzen, vielleicht ein Glas Wein in der Hand oder eine Flasche Bier, wahrscheinlicher aber noch, dass es sich um ein Wässerchem handelt, das er selbst mit Kohlensäure versetzt hat, ist ihm immer ein Lächeln wert. Die Sterne leuchten trotz massiver Lichtverschmutzung aus der Nachbarschaft. Einige Wolken sind aufgezogen, vielleicht wird es ja Mal regnen, denkt er noch, da beginnt es aus alles Kübeln zu schütten. Als er die Tür erreicht, ist er schon durchnässt. Und das Wässerchem, welches noch draußen steht, füllt sich schneller als erwartet wieder.

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Luxus

Luxus sei es, mit dem Kreuzfahrtschiff eine Tour zu machen? Herr Nipp hält das für radikal. Ein Freund sagt, es sei Luxus, ein Festival zu organisieren und während das läuft, einfach schwimmen zu gehen. Ein anderer Freund meint, der wahre Luxus sei es, einen ganzen Abend anzusitzen und das Wild nur zu beobachten, anstatt ein Stück zu schießen. Der ist Jäger. Ein Künstlerfreund nennt die Betrachtung eines neuen Bildes, den ganzen Abend lang. Der Schriftsteller, der so auf keinen Fall genannt werden möchte, weil er schließlich nur das Augenfällige festhalte und keine Literatur fabriziere, besteht darauf, es sei Luxus, eine ganze Woche lang an einem Kapitel eines Buches herumzuschreiben, ohne auf einen Termin achten zu müssen. Und Herr Nipp selbst? Ihm fällt nichts richtig Tolles ein, aber er genießt gerade die Vinylscheibe, die sich auf dem Teller dreht. Einzig die Kreuzfahrt jedoch hält er für tödlich langweilig. Diese Form von radikal eben.

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dunkel

Lass mich im Licht gehen, sagt sie, in der Dunkelheit verliere ich das Gleichgewicht und den Boden unter den Füßen. Herr Nipp lächelt, ja, das kennt er.

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antriebslos

Er sitzt auf seinem Sessel aus den sechziger Jahren, das Leder gibt immer noch diese ganze speziellen Töne von sich. Teilweise haben sie ihre Farbe ein wenig eingebüßt. Die Möbel seiner Wohnung haben schon viel mitgemacht und sozusagen gesehen. Und trotzdem sind sie noch heile. Manchmal müssen die Kissen aufgeschütteln werden, klar, aber das ist nicht so schlimm, findet er. Wichtig ist ihm diese etwas kühle Gemütlichkeit, ein besonderer Charme, dem er sich nicht entziehen kann. Ja, er hatte auch eine ganze Zeit in modernen Möbeln gelebt, die Zeit ist vorbei. Normalerweise findet er, dass dieses etwas alte und vielleicht auch angestaubte Kraft schenkt. Aber es gibt Tage, an denen bleibt er einfach gerne sitzen, macht nichts, schaut sich einen Film in der Videothek von Arte an oder hört eine Schallplatte. Er genießt diese träge Antriebslosigkeit und hat dann das Gefühl, er würde gerade seinen Akku aufladen.

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Bambus

„…kannst du mich eben wegbringen?“ „Draußen steht dein Fahrrad im Hof.“ „Och ne, kannst du mich nicht eben wegbringen? Ich komme eh schon zu spät.“ „Draußen steht ein Rad, das wartet auf dich. Das sind nur anderthalb Kilometer.“ „Man!“ „Du redest doch immer vom Umweltschutz, da heißt es, selber machen, da reicht es eben nicht, dass man alle Plastiksachen wegwirft und sich eine Zahnbürste aus Bambus kauft.“

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