Sitzplatzstreitigkeit

Als er zu einem seiner liebsten Sitzplätze kommt, bemerkt er zunächst nichts. Zu beeindruckt von der Aussicht, zu angestrengt von der langen Wanderung durch eine sonnendurchflutete Landschaft und viel zu glücklich, um irgendwelche Probleme sehen zu wollen. Gibt es denn sowas? Diese Bank einmal frei von Mitbewerbern, anderen Wanderern, die vergleichbaren Anspruch geltend machen. Er sieht eine kleine Gruppe Menschen schon in einiger Entfernung sich weiter entfernen. Das ist gut so. Er setzt sich, reibt sich die Waden, doch als er sich der schweren Wanderstiefel gerade entledigt hat, hört er das tiefe und laute Hornissengebrumne. Ach du dickes Ei, da kommen die ersten in Angriffsformation auf ihn zugeflogen und genau in dies Augenblick weiß er, warum die anderen Wanderer weiter gezogen sind.

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alter eh

„Was willst einklisch, Alter eh!“ „Gar nichts, oder doch: hier sitzen.“ „Du hassdoch schn alles, Alter eh.“ „Ja, ich möchte mich gerne kurz ausruhen.“ „Ey, vapissdisch, Alter eh!“ Der ältere Herr steht gemächlich auf, legt dem anderen noch eine Münze in seinen Plastikbecher und geht. „Mann auch, Alter eh, hat gedauat.“

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wiesend

Oberhalb der Wiese verläuft ein Weg, den beizeiten verbotenerweise auch von Fahrer als Abkürzung verwendet wird, aber das kommt abends selten vor. Normalerweise benutzen ihn Fußgänger, die ihre Hunde Gassi führen. Drei vier Mal pro Stunde. Meistens zu zweit, manchmal allein, ganz selten Mal drei oder mehr. Eine genaue Statistik gibt es seines Wissens darüber allerdings nicht. Er wird eben benutzt, so wie jeder andere ländliche Weg auch gebraucht wird. Fertig. Als Herr Nipp sich auf die Rastbank unterhalb der Weide setzt, steht keine zwanzig Meter vor ihm ein wirklich prächtiger Bulle und schaut ihn scheinbar unbeteiligt und doch sehr stolz an. Er steht allein da. Wo die sechs Rinder und Kälber sind, ist von dem Sitzplatz nicht auszumachen. Ist auch egal, hier führen gerade zwei echte Kerle ein Blickgefecht und keiner will verlieren. Plötzlich kommen die drei Kälber im albernen Galopp um die Ecke gesprintet, sie scheinen fast zu lachen, dann die drei Rinder. Und schon ist alles vergessen, der Bulle hat mit seinem stattlichen Harem gewonnen.

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Freund und Rat

Ein Freund hat ihm geraten, er solle auf sich aufpassen, eine Kerze, die von beiden Seiten brenne, sei schnell am Ende. Herr Nipp hat sich darüber Gedanken gemacht und ist zu einem anderen Schluss gekommen. Das Zeitliche außer Acht lassend glaubt er, dass die Wärme und das Licht wichtiger sind. Aber natürlich hat der Freund Recht, von Zeit zu Zeit einen Gang herauszunehmen, zur Ruhe zu kommen, zu entspannen ist ein guter Weg, die Kerze zu füttern.

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Nett

Der junge Mann wirkt sehr nett, ebenso die junge Dame dort. Und dabei weiß Herr Nipp, wenn sie könnten, würden sie ihn stürzen, ihm seine Position streitig machen. Das nennt sich dann wohl Weiterentwicklung. Er wird also lieber selbst gehen.

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