Grauwetter

Der Himmel hat sich zugezogen und tropft wie ein gebrochener Duschsiffon. An den Kätzchen der Haselnuss glänzende Wasserperlen. Die Straßen regendunkel, die Löcher mir Pfützen aufgefüllt,in denen sich die lachend trübe Wolkendecke spiegelt. Das Leben kann so lustig sein, denkt Herr Nipp etwas bitter. Eigentlich wollte er einen ersten Wochenendspaziergang machen. So aber macht das keinen Spaß, heute nicht, er ist bereits zweimal durchnass bis auf die Knochen geworden. Er hat sich also den Ofen angemacht und sitz davor, liest seine Wochenzeitung und trinkt einen heißen starken Kaffee. Seine Mutter hätte Lazaruskaffee gesagt, der weckt tote zum Leben. Die Schallplatte dreht sich auf dem Plattenteller, verbreitet ihre musikalische Fracht im Raum. Als er aufstehen muss, um sie zu drehen, macht er einen Blick aus dem Fenster und entdeckt die wunderbaren blauen Zwergiris, die ihre Blüten bereits aus dem Boden gedrückt hat. Na, so schlimm ist das miese Grauwetter eben doch nicht.

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unerwartet

Irgendwann hatte ihm ein Freund eine Platte mit den Worten, er habe versehentlich doppelt bestellt, in die Hand gedrückt. Er solle doch, – doch bitte mal rein hören und ihm beizeiten sagen, was Herr Nipp denn wohl davon halte. Diese Helden seiner frühesten Jugend hatten also mal wieder eine Scheibe veröffentlicht, was an sich ja schon selten genug passierte. Sie hatten es immer wieder versucht, waren allerdings nie wieder an ihren frühen Wurf „Monarchie und Alltag“ herangekommen. Niemand wusste so recht warum, aber diese erste Scheibe gehörte seit ihrem Erscheinen zum deutschen Kulturgut. Unbestritten. Jetzt also haben sich die guten alten Fehlfarben mal wieder zusammengetan. Ernsthafte und ernst zu nehmende Texte, durchaus ambitioniert. Nicht gerade experimentell die Klänge, aber solide. Nach drei vier mal hören eine gute, eine richtig gute Platte, aber mehr eben auch nicht. Es gibt Erwartungshaltungen, die kann niemand erfüllen, die legendäre Platte scheint nicht einholbar. Wie jedes Mal die beste Platte nach „Monarchie und Alltag“. Aber immerhin das muss Herr Nipp zugeben, er hatte nicht damit gerechnet, dass diese alten Recken noch einmal zu solch einem Schlag mit den richtigen Texten zur richtigen Zeit ausholen würden.

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Tanzen

Ein wenig verwirrt ist er dann doch. Er wollte eigentlich nur kurz in die Stadt gehen und einkaufen und hat dabei wohl vergessen oder einfach verpasst, welcher Tag heute ist. Die Menschen seltsam gekleidet, manchmal sehr seltsam. Sehen aus wie Piraten oder Tiere, einige haben sich wohl völlig vergriffen, stellen wohl die althergebrachte Vorstellung über verschiedene indigene Bevölkerungen dar. Nordamerikaner, Afrikaner, Chinesen, sogar Australische Ureinwohner jeweils aus einem typisch kolonialen Blickwinkel. Und einige junge Menschen tanzen einfach in den Gängen des Gebäudes herum, das er gerade betreten hat. Manche blicken ihn glücklich, andere betrunken an. Jetzt weiß er wieder, bald beginnt endlich die Fastenzeit.

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monströs

Du kannst über alles reden, hatte sein Onkel gesagt, nur nicht über zehn Minuten. Mag sein, denkt Herr Nipp, aber vor allem darfst du nicht glauben, dass die von dir gewählte Sprache von jedem so verstanden wird, wie du sie verstanden haben willst.

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nichts

Erwarten kannst du vielleicht etwas, denkt er, aber das heißt nicht, dass es auch eintreffen muss. Warum wir etwas tun, weiß er nicht, er kann sich auch nicht vorstellen, warum diese Welt irgendwann eine Wendung ins Heute genommen hat. Jetzt mag irgendjemand sagen, das sei zu negativ, nein, ist es nicht.
Du kannst etwas erwarten und wenn es eintrifft, kannst du dich freuen, denkt ein anderer vielleicht. Ein Dritter erwartet nichts und wird von allem letztlich überrascht.

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