Planung

Erst wenn ich mein gesamtes Leben einen Monat im Voraus geplant haben werde, denkt er, ist alles perfekt. – Und langweilig – also wird das bei ihm niemals vorkommen.

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auf die Schnelle

Den ganzen Tag hat er sich davor gedrückt, gleich kommt der Besuch und er hat nur noch wenige Minuten Zeit. Auf die Schnelle holt er den Staubsauger aus dem Kabuff, das eigentlich sein Schlafzimmer ist und ziemlich groß, also nichts mit der Vorstellung eines Kabuffs zu tun hat, stöpselt den Stecker in die Dose und saugt wie ein Teufel oder auf Teufel komm raus, egal. Die ganze Bude, die keine Bude im herkömmlichen Sinne, sondern eine veritable Wohnung ist, staubfrei, kein Krümelchen mehr. Auf dem Weg zur Haustür wenige Minuten später stößt er versehentlich den Topf mit der Avocadopflanze um. Sch…

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Roman

Es wäre doch wirklich schön, einmal einen Roman zu screiben, denkt er noch, als die ersten Freunde zu Besuch kommen. Einer nach dem anderen trudelt herein, nimmt sich ein Getränk. Es ist für alle gesorgt, auf der Terrasse stehen mehrere Kästen mit Bieren und nichtalkoholischen Getränken, auf dem Tisch stehen Gläser und Rotwein und jeder weiß, dass im Kühlschrank mit Sicherheit auch eine Flasche Weißwein zu finden ist. Nur Rosé gibt es nicht, der ist Herrn Nipp zu unentschieden. Er ist der Meinung, dass diese Ausprägung von Wein keinen eigenen Charakter hat, aber das hat wahrscheinlich nur etwas damit zu tun, dass die Rosés, die er als junger Erwachsener konsumiert hat einfach billig waren, im Preis wie im Geschmack. Die Gruppe genießt das Essen, es gibt ein Gulasch aus Rehfleisch. Lange gekocht, auf dem Kaminofen im Gussstahltopf. Tatsächlich bleibt kein Auge trocken oder anders gesagt nichts übrig. eigentlich hatte er ja geplant, dass er auch am folgenden Tag noch etwas davon hat. “War es zu wenig?“ Betretenes Schweigen. “Klar war es zu wenig, sowas kriegt man ja nicht jeden Tag und da ist es schwierig aufzuhören.“ Zustimmendes Nicken. Hm, da hat er wohl etwas falsch gemacht. Das darf niemals passieren, dass nichts übrig bleibt. Besser ist es zufragen, ob es vielleicht nicht geschmeckt habe, es sei ja noch so viel übrig.

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Apfel

Seine beiden Äpfel hat er aus der Tasche geholt, auf den Tisch gelegt, ganz provokant. Er weiß jetzt schon, was die anderen sagen werden, weil er glaubt zu wissen, was sie denken. Wie immer werden es gute oder nicht so gute Witzchen sein, die seine Kollegen reißen, im Zweifelsfall der übliche Spruch: “An apple a day keeps the doctor away.“ Er wird dann freundlich lächeln und “Jaja.“ sagen. Heute aber kommt eine Kollegin und fragt, ob sie etwas von Apfel abhaben könne. Er nickt und teilt die Frucht, indem er sie auseinander bricht. Vorbeieilender Kollege: “Ich habe es ja gesagt. Er ist doch Jesus. Sie erkannten ihn, als er den Apfel brach.“ Oh man, denkt Herr Nipp, wenn der wüsste, dass der Apfel lateinisch Malus heißt, wüsste er, dass ich eigentlich genau das Gegenteil sein müsste. Die Schlange. Aber soviel Gemeinbildung kann er von niemandem verlangen. Er nimmt seine Hälfte, beißt herein und weiß, warum die Künstler der Renaissance den Apfel für das perfekte Symbol der Sünde hielten.

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Kunst

Ob Kunst nun wirklich die letztmögliche Form des Spiels ist, das mag Herr Nipp nicht entscheiden, was ihn allerdings interessiert, wenn er im Museum umhergeht, ist die Frage nach dem Spielwillen der Künstler. Da gibt es die Kinder, die intelligenten Manipulateure, die Spielverderber und die Erfinder, die uns immer wieder neue Regeln auferlegen. Das macht ihm Kunst so spannend. Alle anderen sind ästhetisierende Langweiler, weit von Kunst entfernt, letztlich nur Dekorateure.

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