All die Bäume

Die Frau am Zaun jammert, als Herr nipp näher kommt. Er hat seine dreckigsten Arbeitsklamotten an, denn wenn er im halbschlickigen Morast des Wäldchens arbeitet, das sich hier selbst ausgesäht hatte, dann ist das angezeigt. Sofort duzt ihn diese ihm völlig unbekannte Frau. Sie hat einen etwas altertümlich anmutenden Rock an und ein Kopftuch auf. In die grünbeige Strickjacke scheint sie fast eingewickelt zu sein. „Ach ja, ach nein. All die Bäume, jetzt liegen die armen auf dem Boden. Ach nein.“ „Wir mussten sie fällen, damit andere Bäume gepflanzt werden können, hier kommt eine Baumschule hin.“ „Das ist ja ein Jammer, nein.“ „Also ich finde das gut. Hier werden in Zukunft neue Bäume für unsere Zukunft gezüchtet.“ „Ach. Sie verstehen mich nicht.“ „Warum.“ „Es ist so schade, dass die Bäume hier liegen und nicht kleingeschnitten in meiner Brennholzbude.“

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roman tisch

Da sind all die, welche einen Brief nicht zu Ende lesen.
Nicht zu vergessen all die Zeitungsartikelnichtzuendeleser.
Und in dicken Romaen sind zu viele Seiten.

Gedichte aber – erst gar nicht anfangen

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gelehrt und gelernt

Wenn er manchmal gefragt wird, was sich in seinem Leben grundlegend verändert hat, gibt er meist zu Protokoll, dass es seine Einstellungen sind. Und wenn er anfängt aufzuzählen, was denn nun konkret, fallen ihm immer neue Dinge ein und er stellt klar, dass es zwischen dem ihm Gelehrten und dem durch eigene Erfahrungen manchmal hart Erlernten teilweise signifikant zu nennende Unterschiede gibt. Er hat etwa gelehrt bekommen, dass man zunächst zufrieden werden müsse, um glücklich werden zu können. Heute weiß er, dass beide Zustände weitgehend nichts mit einander zu tun haben. Daraus sei mit der Zeit sein Lebensmotto erwachsen: unzufrieden, aber glücklich. Von vielen wird dies natürlich missverstanden, denn sie glauben dann, er müsse nur immer unzufrieden sein, um glücklich zu werden. Das kann er allerdings nicht bestätigen, aber wissend, dass er zum Glück keine Zufriedenheit braucht und zur Zufriedenheit kein Glück, dass es sogar einfacher ist, unzufrieden Glück zu empfinden. Wie kommt man denn auf das schmale Brett beides miteinander vergleichen zu wollen? Er habe weiterhin beigebracht bekommen, das Alte zu bewahren und wisse jetzt, es sei besser, das Gute in Schutz zu nehmen. Igrendwann in einer Laune hatte sein Lieblingsonkel gesagt, wichtig sei es, nicht alles, sondern das Gute zu bewahren, dann sei man schon ein großes Stück weiter. Weitere Beispiele kann er nennen:
– nicht die Anderen ärgern dich, sondern nur du dich.
– Was die anderen Leute über dich sagen, sagt mehr über sie aus.
– Vertrau lieber deinem Verstand, als dem Bauchgefühl des besten Freundes.
– Wenn dir etwas nicht passt, benenne und verändere es.
– Dein Chef mag mehr Macht haben als du, aber er ist letztlich auf dich angewiesen.
– Klug ist besser als schön.
– Wenn es Hilfe gibt, nutze sie.
– Alte und Junge können auf Augenhöhe mit einander reden.
– Jede Erfahrung zählt.
– Glaube nicht an sogenannte Päpste und Gurus, sondern hinterfrage sie.
– Traue keinem Politiker mit einfachen Antworten und Lösungen.
– Freu dich mit dem Anderen, wenn er Erfolg hat.
– Sag lieber deine ehrliche Meinung.
– Vermeide Taktieren.
– Eine Lüge kann wahr sein.
– Genieße und vergeude dein Leben, wenn es geht, arbeite mit Freude.
– Streng dich an und bleib dem eigenen Erfolg gegenüber kritisch.
– Wenn du genug hast, kannst du teilen, also meistens.
– Was du siehst, sieht nur aus deiner Perspektive so aus.
– du kannst den Anderen nur vor den Kopf gucken.

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Bank

Es ist schön, im Schatten auf dieser Gartenliegebank aus Holz zu verweilen und zu lesen. Noch schöner, wenn man zwischendurch in die Wildnis des Naturgartens schauen kann. Am schönsten aber ist es, dies zu zweit zu tun.

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Morgens, früh

Seine alte Gewohnheit des frühen Aufstehens kann er auch dann selten lassen, wenn er zuvor sehr spät ins Bett gegangen ist. Plötzlich liegt er da, wach, und es zieht ihn ins Leben. Jede weitere Stunde scheint ihm dann eine verlorene Zeit zu sein, wenn er liegen bleiben würde. Aber darüber hat er schon viel zu häufig reflektiert. Auch bei größter Anstrengung schafft er es nur sehr selten, wieder einzuschlafen. Er geht in die Küche, nimmt seine Medizin und trinkt ein ganzes Glass kalten Wassers, wendet sich ins Bad. Duschen, nur kurz. und dann frühstückt er normalerweise sein Müsli mit Hafermilch und ein Glas Orangenschorle. Nur sonntags nicht, da gibt es Brötchen. Jeden Sonntag kommt um halb neun Uhr ein Freund. Dann gibt es außerdem Ei und Kaffee, Marmelade, Honig, Käse. Danach wird immer ein Spaziergang folgen, mal nur kurz, mal auch länger, je nach Verfassung. Vor allem geht es beiden um ihre Gespräche und das Ritual. Manchmal fragt Herr Nipp sich, wie es wäre, so lange schlafen zu können, dass der Morgen schon endet. Aber er stellt es sich ein wenig gruselig vor, erst gegen Mittag den Tag zu beginnen.

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