Morgens, früh

Seine alte Gewohnheit des frühen Aufstehens kann er auch dann selten lassen, wenn er zuvor sehr spät ins Bett gegangen ist. Plötzlich liegt er da, wach, und es zieht ihn ins Leben. Jede weitere Stunde scheint ihm dann eine verlorene Zeit zu sein, wenn er liegen bleiben würde. Aber darüber hat er schon viel zu häufig reflektiert. Auch bei größter Anstrengung schafft er es nur sehr selten, wieder einzuschlafen. Er geht in die Küche, nimmt seine Medizin und trinkt ein ganzes Glass kalten Wassers, wendet sich ins Bad. Duschen, nur kurz. und dann frühstückt er normalerweise sein Müsli mit Hafermilch und ein Glas Orangenschorle. Nur sonntags nicht, da gibt es Brötchen. Jeden Sonntag kommt um halb neun Uhr ein Freund. Dann gibt es außerdem Ei und Kaffee, Marmelade, Honig, Käse. Danach wird immer ein Spaziergang folgen, mal nur kurz, mal auch länger, je nach Verfassung. Vor allem geht es beiden um ihre Gespräche und das Ritual. Manchmal fragt Herr Nipp sich, wie es wäre, so lange schlafen zu können, dass der Morgen schon endet. Aber er stellt es sich ein wenig gruselig vor, erst gegen Mittag den Tag zu beginnen.

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