irgendwie anders, oder?

Den ganzen Tag schon lächelt Herr Nipp, obwohl das Wetter nunmal nicht gerade das beste ist. Um ehrlich zu sein grinst er sogar fast, so als hätte irgendetwas in ihm eine permanente untergründige Freude ausgelöst. Dabei war ihm eigentlich nur morgens eine Kleinigkeit eingefallen, beruhend auf einer Beobachtung von Abend zuvor. Bei einer Unterhaltung auf einer Gartenparty war das Thema aufgekommen, ob das, was die Menschen über sich selbst denken auch dem entspricht, was sie tatsächlich tun. Jetzt sind ihm drei grundlegende Sätze dazu eingefallen, quasi über Nacht:

  1. Menschen, die mit all ihrer Energie schneller sind als andere, verweigern letztlich Gemeinsamkeit, serhen sich allerdings als Avantgarde.
  2. Menschen, die alle Brücken hinter sich abbrechen, geraten als Außenseiter in eine Alleinsamkeit, sehen sich selbst allerdings als einzig Rechthabende.
  3. Menschen, die alle Brücken und Wege vor und hinter sich sprengen, erscheinen die anderen als kuriose Soziopathen, sehen sich allerdings als herausragende wie verkannte Monolithen der Gesellschaft.

Glücklicherweise, denkt er, bin ich ein Mediokrer, ein Mittelmäßiger, einer, der nichts Besonderes ist oder sein will. Einer, der gut für sich leben kann, aber auch gute Freunde und Familie hat. Einer, der glücklich ist, manchmal einsam, öfter mal zweisam und zuweilen sogar gesellig. Wahrscheinlich werden Außenstehende ihn auch anders wahrnehmen, aber mal ehrlich: „Isso.“

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Jaja

„Es gab mal eine Zeit…“, fängt die Freundin ihre Erinnerungserzählung an und Herr Nipp muss sofort daran denken, dass auch Märchen so anfangen können. Und er weiß natürlich, dass es in fast allen solcher Erzählungen irgendwelche Aufgaben oder Gefahren zu bewältigen gibt, damit es möglichst zu einem guten Ende führen wird. Die Bösen werden bestraft, die Guten belohnt. Alles ist wieder ausgeglichen und am Ende leben sie frühlich, glücklich oder in Frieden. Aber, seien wir ehrlich, denkt er, so ist es in der Realität nicht. Mal gewinnen die einen und meistens die Bösen und wenn nicht, dann später.

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Ordnungen

Komischerweise haben die verschiedenen Germanisten ebenso wie die Forscher verschiedenster Bereiche ihre Listen mit Begriffen immer nur alphabetisch geordnet, viel schöner wäre es, denkt Herr Nipp gerade in der Hängematte zwischen zwei Bäumen liegend, wäre es, wenn sie nach der Anzahl der Buchstaben geordnet hätten und dabei völlig beliebig vorgegangen wären, etwa hätten sie die Zahlenwerte dann alphabetisch ordnen können. Acht, drei, elf, eins, fünf, neun, sechs, sieben, vier, zehn, zwei, zwölf

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Öffentlichkeit

Sein Onkel hatte damals etwas Wahres gesagt, was Herr Nipp heute immer noch ernst nimmt. „Alles Heimliche kommt irgendwann zutage, findet aber alles in der Öffentlichkeit statt, wird es kaum jemand bemerken.“

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Fortbildung

Wenn er wieder mal an einer dieser ausgeschriebenen Fortbildungen teilnähme, bekäme er sicherlich auch die entsprechenden Zertifikate. Sein Chef fragt ihn, warum er denn keine mache, das könne doch nur Vorteile haben. Herr Nipp verneint, die meisten Fortbildungen verplempern ihm zu viel Zeit für Spielchen, die er schon tausendmal spielen musste. Zu wenig an echten und greifbaren Inhalten, zu viel an Hohlkommunikation. Er liest lieber handfeste Fachbücher für sich. Dafür bekommt er zwar keine dieser fragwürdigen Scheine ausgestellt, aber er weiß mehr, als seine Kollegen.

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