Pädagogisch

Fehlverhalten zeigen
Respekt verweigern
Mitarbeit sowieso

rausgeschmissen werden Klinke festhalten
Einbestellung der Eltern

Verständnislosigkeit
pädagogische Science Fiction

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Der Specht (aus „Waldgedichte für naive Anfänger“)

Auf einem Baum ganz oben
in aller Ruhe saß ein schwarzer Specht
träumte einen Traum verschroben
der bekam ihm aber äußerst schlecht

Ein Habicht kam geflogen
der staunte gar zu seinem Recht
hat sich den Klopfer reingezogen
der schmeckte ————echt

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Möglichst

Deine Lieblingstiere
möglichst Exoten
möglichst selten
und natürlich
mit Ekelfaktor

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Wasserflaschen

Der Tisch ist gefüllt mit Wasserflaschen. Er räumt sie ab, will sich setzen, braucht Platz für seine Zeichenmaterialien, schwere Blätter, feine Feder und Tusche, außerdem ein Aquarellkasten, Wassergefäß und Pinsel. Er möchte gerne ein Foto nachmalen, so genau wie möglich, so genau er es kann. Dabei stellt sich ihm gar nicht die Frage, was das soll, er will es einfach mal versuchen, das hat schließlich nichts mit Kunst zu tun, sondern mit Spaß am Tun. Zunächst arbeitet er mit einem harten Bleistift vor. Markierungen, wo was ungefähr angesiedelt sein soll. Das ist anstrengend und fordert genaues Beobachten. Ohne quadratische Auflösung, ohne Rasterung von Foto und Maluntergrund muss man die Beziehungen sehen, darf nichts dem Zufall überlassen, sonst wirkt alles verzerrt. Das ist Feinarbeit.
Er braucht einen Kaffee, die Konzentration nach der letzten Nacht fehlt einfach. Er hatte bei einer Freundin einen Besuch gemacht, war von ihr sehr herzlich empfangen worden. Unglaublich gut hatte ihr das schwarze kurze Kleid gestanden, eng anliegend am Körper, die Beine in schwarze Strümpfe gewandet, durchschimmernde Haut. Der Abend hatte geendet, wie es vorauszusehen war. Der Morgen danach auch, Kater. Ja, er brauchte jetzt ein Aufputschmittel, schwarz, stark und etwas bitteraromatisch.
Im Aufstehen noch stolpert er über eine der Wasserflaschen, strauchelt und geht zu Boden, als wäre er niedergeschlagen worden. Tatsächlich ein Tiefschlag im wahrsten Sinne. Der Versuch, sich noch an der Tischkante festzuhalten, misslingt, mit der Schläfe titscht er kurz die eichene Arbeitsfläche in seiner Küche. Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell ein kurzer Schlag das Bewusstsein auschalten kann. Alles zu spät, den Aufprall auf dem Boden bemerkt er schon nicht mehr. Bleibt liegen für Minuten. Als er benommen wieder zu Regungen fähig ist, sich aufstemmt und sich in der Wohnung umblickt, als wäre sie die seine nicht, durchzuckt den Kopf ein heißer Schmerz. Verdammt. Er richtet sich auf, streicht seine Haare nach hinten, oder zumindest streicht er über den Kopf, auf dem sich keine Haare mehr befinden, macht sich zurecht.

Die Wasserflaschen müssen weggeschafft werden. Er sucht sich einen großen blauen Beutel von Ikea, in den all das Leergut passt, stopft die gesamten PET-Flaschen herein. Schneidet sich den Zeigefinger der linken Hand an einen Flaschenhals, der keinen Deckel aufweist. Pflaster drauf, was soll es jetzt noch.
Als er vor dem Automaten im Laden seines Vetrauens steht, stolpert noch ein unvorsichtiges Kind über die Tüte, so dass er alle Flaschen aufsammeln muss, der Automat ist voll und muss gewartet werden und der Bon wird nicht ausgedruckt. Wenn schon, denn schon. Und das mit dem Foto, welches er abmalen wollte? Das hat er natürlich zwischenzeitlich vergessen.

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Noten

Statt der erwarteten Eins stand auf dem Zeugnis nur gut. Zuerst war der kleine fünftklässliche Biofan wütend, dann traurig. Geknickt. Er konnte sich einfach nicht erklären, warum nicht auch er ein Sehr Gut bekommen hatte, so wie seine hübsche blöde Nachbarin, die mit den seidenblonden Haaren und dem süßen Lächeln. Die meist beredt schwieg. Die eine Haut wie Marzipan hatte. Die auffallend selten die Hand zum Melden hob, die zu allem, was der Lehrer sagte, begeistert ja und Amen sagte. Dem kleinen Nipp allerdings entsprach es mehr, die Dinge zu hinterfragen. Das Offensichtliche als Grundlage weiterführender Theorien zu machen, unangenehme Fragen zu stellen und vor allem sorgsam gehütete und geschätzte Gewissheiten anzuzweifeln. Wie oft hatte er damit recht gehabt, den Unterricht wirklich weitergebracht und machmal sogar schon innerhalb der ersten paar Minuten ein zielführendes Ergebnis entwickelt. Wie oft hatte er Zusammenhänge herstellen und erklären können, die anderen verschlossen blieben. Offensichtlich dies eine unerwünschte Eigenschaft. Zum nächsten Elternsprechtag war seine Mutter mit ihm dann jedenfalls zum Biologielehrer gegangen, jenen der immer früh morgens schon nach Doornkat oder Kümmerling roch. Der immer wieder mit bissigen, mit bösen Sprüchen weit jenseits des Sarkasmushorizonts seine Schüler effektiv zum Heulen bringen konnte. Der immer einen weißen Kittel über seinem dicken Bauch trug, eine dicke rote Nasse hatte. Der hatte dann ganz freimütig erklärt, dass dieses Kind bei ihm niemals eine Eins bekommen würde. „Ihr Sohn wird bei mir niemals eine Eins bekommen!“ Der auch ganz einleuchtend begründete, warum ihm die Vergabe eines Sehr Gut nicht möglich erschien. „Der zeigt ja schon auf, bevor ich eine Frage gestellt habe, der lässt den anderen Schülern ja gar keine Chance. Ihr Sohn ist wirklich unterrichtsasozial.“ Die Frage der Mutter, ob die Antworten denn falsch seien, hatte dieser kompetente Pädagoge ehrlich beantwortet, verneint. „Der hat noch niemals eine falsche Antwort gegeben, aber er weiß einfach immer schon vorher, was ich fragen werde, so geht das nicht.“ So hatte auch die nächsten Jahre das hübsche blonde Mädchen ihre Eins für ihr Da-Sein bekommen und der kleine Nipp seine Zwei. Immerhin blieb ihm die Biologie verbunden, verwurzelt im Denken, vor allem die Soziologie der Pflanzen und Pilze, die Symbiosen und wechselwirkenden Mechanismen. Auch ihr übrigens war es vergönnt, sich der Biologie anzuvertrauen, vor allem in Hinblick auf effektive Fortpflanzung, hatte sie doch insgesamt fünf Kinder zur Welt gebracht.

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