Libelle (aus „Waldgedichte für naive Anfänger“)

Wie ein bunter Helikopter kreist das Insekt
jetzt über den Köpfen,
ob es wohl die Gesichter sieht?
Zwei Flügelpaare, Perfektion wie das geschieht
da lässt sich Hoffnung schöpfen.
Ich fliege mit vielleicht,
in meinem Gedankenturm
und du fliegst mit vielleicht,
gerätst nie in den Sturm.

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Leben, Schreien, Pause Machen

Schnell raus hier, denkt er und läuft. Rutscht auf den frisch geputzten Gängen. Flucht. Öffnet die Außentür, hoffentlich hält ihn niemand auf. Er fühlt sich nicht wohl, will einfach weg hier. Das Deo hat schon vor Stunden versagt und diese Klamotten erst. Er hat den Eindruck, die Schweißflecken fühlen zu können. „Herr Nipp! Können Sie bitte noch einmal kurz hereinkommen, es gibt da noch eine Kleinigkeit zu besprechen!“ ruft ihn sein Chef wieder ins Haus. Auf dem Absatz dreht er sich um. Das kann dauern. In der folgenden Besprechung soll Protokoll geführt werden für eine Mediation. So kann es gehen. Erst gegen acht abends kommt er nach Hause. Ohne Pause den ganzen Tag gearbeitet. Nur ein Wunsch: Leben, Schreien, Pause Machen – für immer.

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Arbeitsplatz

Ein Platz als strukturiertes Chaos
mit Blättern, Flaschen, Stiften. Wir
finden auch zu essen dort und
ein zwei Flaschen oder mehr. Letztlich
werden sie vergessen wie diese
Stunden waren.

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Jagd (aus „Waldgedichte für naive Anfänger“)

Gelb und grün das Fleckenlicht
wandert über den Boden
leider nur, ich seh es nicht,
in meinem grünen Loden.

Denn im Versteck im Ansitz sitz ich,
im Anschlag wartend ein Gewehr,
Sonne auf Regenblättern blitzt sich,
so wird das Warten mir doch schwer.

Von oben hör ich Eulen jammern,
dass die Nacht zuende ist,
sich Spechte an die Rinde klammern,
und dass du schon gegangen bist.

Im Laub da rascheln alle Mäuse
gleichzeitig, als wär dort ein großes Nest,
es wird mir mulmig im Gehäuse,
trink aus dem Flachmann einen Rest.

Von oben hör ich Äste fallen,
weil ein Marder randaliert,
die laut auf den Kasten knallen,
als sei die Welt nicht orientiert.

Im Laub unten zwischen den Steinen
hör ich die flinken Füchse jaulen,
doch zu sehen krieg ich keinen,
sie werden sich wohl heimlich kraulen.

Von oben hör ich nur Geschrei
und manchmal tierisch einen Furz;
geh ich hinaus, so bin ich frei.
Das Warten lang, das Gehen kurz.

Im Laub, da grunzen auch die Schweine,
verdorrich, was soll das denn jetzt?
Ich seh kein Rüssel, keine Beine,
so langsam fühl ich mich gehetzt.

Ich gebe auf, so geht das nicht,
werd keinen Elch mehr schießen,
die Türe zu, das Fenster dicht,
muss nun die Jagd beschließen.

„Nun ist er fort, das Leben tobt,
wir feiern heute mal.“
Der Elch nun seine Freunde lobt.
Der Jäger zieht frustriert zu Tal.

 

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Ruf an Ruf

Der kurze Ruf, ein Anruf
hinterrücks, ein Messer,
ein stumpfes, eine rostige Klinge,

nein, ein Bajonett
mit voller Wucht
in meinen Leib gerammt

das ist das Glück
dir zu begegnen

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