Bombenentschärfung

Da liegt sie nun und sieht verdammt gefährlich aus. Verdammt gefährlich, so klein und so tödlich. Er hatte sie entdeckt, zufällig am vorigen Abend. Vorsichtig deckt er sie wieder bis zu den Schultern zu und schmiegt sich an.

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Performance

Seit drei Stunden sitzt er da, ohne jegliche Bewegung, im Museum. Die Besucher sind fasziniert, er scheint noch nicht einmal zu blinzeln. Und definitiv atmet er auch seit 2 Stunden und 57 Minuten nicht mehr.

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Fenster – sehen

Wenn er da an seinem Fenster sitzt, die Kolonnen an unterdrückten Flüchen wieder einmal niederkämpft, weil sie absolut absurd sind und sicherlich überhaupt kein Ziel finden könnten und würden, wenn er also ganz offen in die nikotingelblichen Scheiben der… der Nachbarn sieht und wahrnehmen muss, dass der Mann dort im natürlich fleckig-weißen Unterhemd wieder einmal vor dem bläulich auf sein Gesicht strahlenden Rechner sitzt, wahrscheinlich schon wieder die gesamte Nacht hindurch, meistens eine glimmende Zigarette in der rechten Hand, dann weiß er natürlich, das ist ein echter Schriftsteller. Der ist ein Kandidat für den Literaturnobelpreis, naja vielleicht zumindest. Vielleicht der erste Blogger, der diesen Preis bekommen wird. Er schreibt lange Essays über seine gedachten Streifzüge durch heimische Landschaften, die draußen nicht mehr vorhandene Natur, diesen deutschen Park, der manchmal vorgibt, noch etwas mit Natur am Hut zu haben. Es gibt ja glücklicherweise im Netz viele hübsche Fotos, die uns zumindest glauben machen, es sei noch immer schön.

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Geschichten schreiben oder andere Texte

Tatsächlich schreibt er manchmal Texte, immer wenn ihm danach ist. Sie sind nicht groß, auch stilistisch ist sicher einiges daran zu bemängeln, zumindest einer seiner Freunde sagt ihm klar und lakonisch, er mache schließlich keine Kunst. Er ist auch niemals intellektuell so bewandert wie die großen Schriftsteller gewesen, jene Lyriker und Romanciers, die mit ihren Geschichten und Poemen, mit ihren Dramen und Essays unsere geistige Landschaft prägen. Aber immerhin kann er ungefähr das ausdrücken, was zu sagen ist und hat erkannt, dass es zuweilen neuer Worte bedarf, wenn die Sprache fehlt. Dann, wenn das Wort mehr eine Chiffre oder eine Metapher sein soll. So drei vier rhetorische Figuren hat er sich durchaus erfolgreich angeeignet und setzt sie regelmäßig wie effektiv ein. Meistens gab es ein Erlebnis, das er verwertet, etwa das nächtliche Schlendern durch eine fremde Stadt oder der Spaiziergang im Sommer an und durch einen wilden Bach in den Bergen Spaniens, bei dem einer der Freunde fast ertrunken wäre. Aber meistens sind die Texte von einer Harmlosigkeit erfüllt, die fast schon schmerzhaft anmutet. In diesem Sinne reflektieren seine literarischen Bemühungen durchaus den Zeitgeist, ohne zu wissen, was sie da eigentlich tun. Manchmal versteigt er sich sogar zu einem doch eher flachen Witzchen. Das Wichtigste aber ist, dass es ihm selber Freude bereitet. Und irgendwann einmal wird Herr Nipp sein erstes eigenes Buch veröffentlichen.

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Spazieren gehen

Was heißt das schon, mal kurz eine Stunde spazieren gehen? Wer Nichtprovinzler ist, der denkt jetzt wahrscheinlich an diesen Schlenderblödsinn, dieses städtische Scharwenzeln und Flanieren durch die Einkaufspassagen und netten Parke innerhalb der urbanen Banalität. In der Provinz ist das etwas anders. Hier geht es in die Wirklichkeit des Draußenseins.  Wer kurz mal eben eine Stunde spazieren gehen möchte, der zieht sich wetterfeste Sachen an, festes Schuhwerk und ist in ordentliche Jacken gekleidet, Schal, Handschuhe und natürlich eine warme Mütze, damit Glatze oder Ohren gut geschützt sind. Der Hund freut sich und läuft aufgeregt in enger werdenden Kreisen. Hier ist gerade kein Sommer, sondern Winter, klirrende Kälte. Eine Stunde spazieren gehen ist die gefühlte Stunde, die es braucht, damit der abschließende heiße Kaffee nicht nur gut schmeckt, sondern gebraucht wird und sei es nur, um die eiskalten Finger daran zu wärmen. Das können schon mal zweieinhalb Stunden sein. Der Hinweg über normale Wege, ein Rückweg über Stock und Stein. Ihr regt euch jetzt auf, das wäre eine Wanderung?  – Eine Wanderung ist natürlich ein Tagesprojekt, soviel muss mal klar sein. Alles unter drei Stunden ist ein Spaziergang.

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