Ein schöner Tag (1997)

Sobald du erkennst, ob das, was ist, wirklich scheint, scheint das Leben reicher und leichter zu werden, reicher und leichter Schein. Lebensschein, Reichtum und Leichtsinn. Losigkeit im Schein, Sein, Sinn. Wirklich sinnvoll das Ganze -Sein- wir reich.
Du kannst alles durchstehen, wenn es wirklich auf dich einwirken kann, du es dazu kommen läßt. Der Krieg wird nie vorbei sein. Und wieder Schein, Widerschein, ein Schein in der Hand, Stand. Krieg und Sinn? Du kannst alles durchstehen, wenn du verstehen, einstehen, einsehen und durchschauen kannst. Sinnlos, vergiß es. Ein schöner Tag heute nacht. Ein Wiederaufschein Widerschein, wieder schrein Leute unten an der Ecke.

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Touristen

Und das Gefühl hier im luftleeren Raum freundlicher Menschen zu sitzen,
nicht als Mensch, nur ein Tourist.
Ein weiterer Tourist.
Und das Gefühl in einer fremden Freiheit,
einer entfremdeten Heimat zu festzustecken.
Und um das Wissen der Eindeutigkeit des Denkens betrogen zu sein.
Und in blinde Aktivität zu verfallen, denn alles ist endlich.
Und nicht mehr zu reflektieren, grundsätzlich nicht reflektieren zu müssen,
wenn sich niemand Gedanken nach mir machen wird.
Als Löschung der Vergangenheit.
Dies als Leben zu bezeichnen, als im Leben aufgehoben zu sein.
Wir sind nur Touristen, wäre der barocke Vanitasgedanke,
jenes memento mori,
übersetzt in die heutige Zeit.

Kurz da,
nichts hinterlassend,
vielleicht einen gewissen Datenmüll.
Nichts hat Bestand,
unter wirtschaftlicher Betrachtung
scheint so
das kurze Leben
eine überflüssige Zeitläufigkeit
zu sein.

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Musikwunsch

Zuweilen, wenn die Sender der Zuhörerschaft das Programm überlassen, sei es durch Massenwahl oder Zufallsprinzip, dann kommen Musikzusammenstellungen heraus, die auf den Tod nicht passen, denkt er noch und stirbt friedlich.

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Kaffeetrinken

Vor ihm steht die Kaffeetasse, wieder einmal leer getrunken an diesem Morgen. Der hatte richtig gut geschmeckt. Manchmal braucht der Körper diesen Schub an Koffein. Dann erst fühlt Herr Nipp sich richtig wach. Dann erst fühlt er sich als Mensch. Dann erst beginnt der Tag. Für ihn, zumindest für ihn. Er sieht, dass in den anderen Häusern kaum schon Lichter brennen.  Er war wie üblich plötzlich aufgewacht, früh, ebenso plötzlich aufgestanden, quasi ohne Vorwarnung. Automatismus. Neben ihm hatte ein Körper gelegen, weich und warm, sanft und seidig. Umgeben von dieser nächtlichen Wohlfühlwolke. Eigentlich hätte er lieber liegenbleiben sollen, aber das war noch nie sein Ding gewesen. Wer morgens wach wird, würde wieder und wieder aufzustehen haben, in seiner queren Vorstellung zumindest. Er hatte noch kurz diesen schlafenden Körper betrachtet, die entblößte Schulter, die im Morgenlicht einen Lotusglanz verbreitete, als würde die Sonne aufgehen, bevor sie aufgeht. Er war aufgestanden, hatte die Spülmaschine ausgeräumt und gleichzeitig mit der kleinen Bialetti den starken Kaffee zubereitet. Das musste eine Brühe werden, die die Löcher in den Strümpfen zusammenziehen konnte. Stark, schwarz und aromatisch. Sozusagen die Aufwacharomatik. Jetzt ist die zweite Tasse geleert, die Dame aufgestanden, angezogen, aufgekratzt verlässt sie die Wohnung. „Wir werden uns sehen. Vergiss mich nicht.“ „Ja, bis die Tage.“ Mehr braucht es nicht, ein Einverständnis. Herr Nipp wird gleich weiter aufräumen und den Abend Revue passieren lassen. Ja, und wahrscheinlich wird er sich wieder einmal sagen, das war doch nett gestern, aber bei allem auch schön, wieder allein zu sein. Und dann wird er sich die dicke Jacke schnappen, die Mütze aufsetzen, den graugestreiften Schal umlegen, sich den Hund ausleihen und spazieren gehen. Er ist eben doch ein alter Herr. Lediglich der Stabelstock fehlt. Dafür wird es mittags wieder starken Kaffee geben, dann mit Milch.

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Ruckhaft (für Roman Herzog)

den Blick öffnen für Zusammenhänge
die Menschen zusammenkommen lassen
wenn alle ihre Opfer bringen
wenn jeder seinen Beitrag leistet
und sich verantwortlich fühlt
im Vertrauen in die Menschen
im solidarischen Handeln
dass sie verstehen können

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