Perfekt

Da steht dieses eine Ding, dieser eine Mensch und es kommt über dich, dass dir die Worte fehlen. Genau in diesem Moment reicht das Wort „schön“ nicht mehr. Es grenzt an das Magische, das Übernatürliche, das Übersinnliche, ja vielleicht sogar das Metaphysische. Da ringst du nach Worten wie nach Luft, weil es dir scheint, als lebtest du im absoluten Vakuum. Alles bleibt stehen, die Zeit, der Raum haben keine Bedeutung mehr. Nur um wieder an Sauerstoff zu kommen, um wieder atmen zu können, löst du den oberen Knopf deines Hemdes, entledigst dich deines Jackets und wirst dir kaltes klares Wasser ins Gesicht, das errötete Gesicht werfen, weil der Blutdruck unerwartete Höhen erreicht hat.

Was ist das?

Du drehst dich um, suchst die Weite, entfernst dich, um das mit größerem Abstand betrachten zu können, einen sicheren Standpunkt der Wertung zu haben. Und wieder passiert es dir. All die Symptome einer fast krankhaften Realitätsverdrehung setzen ein. Du streichelst mit deinen Blicken die Oberfläche, entzückt von der Perfektion. Du spürst, dass es dort keine Fehler gibt, geben kann, alles ist stimmig, selbst die Unebenheiten. Jeder Makel ist nur vorhanden, um den Kontrast zu allem Anderen zu zeigen, die Tiefe des Empfindens. Der Boden schwankt. Das ist das eigentliche Wunder, was diese Welt zu bieten hat. Die Undefinierbarkeit dieser Erscheinung. So als habe die Welt alle ihre Teile bis in die entferntesten Winkel der Galaxien bisher nur existiert, ja eine Existenzberechtigung, weil sie dieses Wunder hervorbringen durfte. So als sei deine Vorgeschichte, all die Vorfahren, die letztlich zufällig dich hervorgebracht haben, nur gewesen, um dir die Chance zu geben, in diesem Moment erleben zu dürfen. Und dir fällt letztlich nur ein Wort ein, das es wert wäre, dieses SIE ER ES zu beschreiben:

Wunderschön!

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gute Brückenstellen für schlechte Romane 2

Eines aber ist wohl sicher; nicht ich bin der Verlierer in diesem schäbigen Spiel, denn Freiheit ist nunmal immer mit Verantwortung gekoppelt.

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gute Brückenstelle für schlechte Romane 1

Welche Erwartung er in diesem Moment hatte, in dem ihm die Frage über die Lippen kann, wusste er auch nicht.

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Gegenseitigkeit

„Natürlich nähme ich sie sofort“, sagte er, “ aber ich weiß nicht, ob sie mich auch nähme.“

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Ein Kuss

„Egal wie schön dieser unerwartete Moment deines warmen Kusses auch war oder gerade ist, die Zeit, und das ist nunmal eine alte Weisheit, kennt kein Erbarmen. Und schon wirst du deine Erinnerung tief in dir verstecken. Damit auch nur niemand erfährt, was du gefühlt haben magst.“
Herr Nipp sitzt in seinem roten Ohrensessel und starrt in die Flammen. Sie züngeln, lecken über das pudertrockene Holz. Sie strahlen eine erstaunlich weiche Wärme aus. Er war eben kurz eingenickt, was ihm dieser Tage häufiger passiert, denn alles wirkt ihm so erschöpfend, nein er ist grundlegend erschöpft. Betablocker-Blockade. Seit Wochen schon hat er das Gefühl, sein Leben wäre nun endgültig in jenen Abschnitt eingetreten, den man  das Alter nennt. Der Abschnitt, mit dem er früher vielleicht kokettiert hatte, an den er aber nie so recht glauben wollte. Vor dem er eine tiefsitzende Angst hat. Und plötzlich steht er mit dem Rollator auf der Straße und weiß nicht mehr vor noch zurück. So wie er es noch morgens erlebt hatte. Ein völlig verstörter Mann, der offenbar die Orientierung verloren hatte, stand da und stierte ihn mit diesem Blick an, der eine fast kindliche Verwunderung über dieses In-die-Welt-gewofen-Sein darstellte. Er hatte dem Mann dann über die Straße geholfen und dieser war langsam und fraglos weitergetippelt. Seine größte Angst ist in dieser Situation gebündelt; körperlich Schwäche gebündelt mit geistiger Abstinenz von dieser Welt. Er hofft immer, es möge ihm so ergehen, wie einem seiner besten Freunde, der bis Mitte siebzig eine unglaubliche Ausstrahlung und Lebensfreude an den Tag legt. Ein Mensch, auf dessen Wort gehört wird, weil er inhaltlich und intellektuell etwas zu sagen hat. Weil hier das Ideal der Milde mit jenem der Weisheit eine sinnvolle Symbiose eingeht und eine sprühende Kreativität erzeugt, die in den Menschen Funken schlägt. Würde das Alter so aussehen, er könnte sich damit wirklich anfreunden. Aber aus der eigenen Familie ist er anderes gewöhnt. Vielleicht sollte Herr Nipp nicht jeden Abend vor diesem Ofen im Ohrensessel sitzen, sondern wieder raus gehen, das wahre Leben erleben und frische Luft schnuppern. Ruhe? Rost!
Aber dieser Satz über den Kuss, aus einem Film vielleicht oder auch einem Buch, er kann sich nicht mehr erinnern, der ihm im kurzen Einnicken im Traum erschien, wie leuchtend mit dieser sanften Stimme, die in den Augen brannte, der wird nicht so schnell vergehen. Und da merkt er, dass er sich versonnen mit dem Zeigefinger der linken Hand über die Lippen streicht, so als wäre da wirklich etwas gewesen. Wundervolle Momente, die ihn die Welt vergessen ließen.

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