Vertrauen

Niemand kann ohne Augen sehen, ohne Beine gehen, warum glauben dann manche, rechtsradikale Politiker ohne Hirn könnten für sie mitdenken?

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Bauarbeiten

Über Monate hatte er alte, nicht mehr gebrauchte Natursteinplatten gesammelt, solche die man auf den Abfallplätzen der Friedhöfe finden kann. Randsteine, Trittplatten und Zuwegungen, die durch andere, moderne Materialien ersetzt werden. Im Zweifelsfall Beton. Er aber hatte sich in mühevoller Arbeit all die Steine aus dem sonstigen Schutt geklaubt, die sorgsam dann in der eigenen Hauszufahrt geschichtet und gelagert wurden. Seine Nachbarn hatten bereits begonnen, sich über ihn lustig zu machen. An Sprüche wie „Baust du ein Mausoleum?“ oder „Dein Garten wird auch immer schwerer.“ hatte er sich irgendwann gewöhnen müssen.
Nun ist aber das Wetter gut geworden, er hat sich einige Tage Urlaub genommen, hat die Werkzeuge gerüstet, einen Gummihammer dazu gekauft. Seinen einst verliehenen hat er niemals wieder bekommen. Er hat die Betonplatten aufgenommen, den Untergrund geprüft. Er hat gemauert, geglättet, gelegt, geklopft. In der Mitte seines Hofes befindet sich nun eine Feuermulde mit Luftzufuhr von unten. Darum herum sind die rötlichen Sandsteinplatten, welche irgendwann in den siebziger Jahren gebrochen wurden, als große viereckige Spirale verlegt. Ja, auch er musste Mörtel und Beton einsetzen, aber immerhin hat er den alten Unterbau wiederverwenden können. Was er allerdings mit den Betonplatten machen soll, ist ihm wirklich nicht klar.

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Idyll

Die meisten Menschen glauben wahrscheinlich, ein Idyll müsse aufgeräumt sein, so sieht man es in den neuen Stadtteilen, wo die Vorgärten nach geradezu militärischem Maßstab gedrillt werden (Bitte denken sie sich jedes Wort dieses Satzes mit einem gerollten r). Da stehen dann centimetrisch genau kalkulierte Buchsbaumkügelchen in exakter Reihe oder alexandrinischem Rhythmus und scheinen dem Besucher zu salutieren wie klarzumachen; hier ist alles geregelt, verhältst du dich anders, störst du dieses Idyll und wirst verwiesen. Diese Vorgärten werden von aufstrebenden jungen Familien angelegt, die damit dokumentieren, dass es sich lohnt zu arbeiten, dass es sich lohnt, in allem diszipliniert zu sein. Ja, auch der Vorgarten ist ähnlich wie das Auto immer tadellos sauber zu halten. Gut, das erinnert an eine dieser freudschen Phasen kindlicher Entwicklung, aber das soll hier nicht weiter vertieft werden. Meist kann man dann beobachten; diese Gärten werden sich die nächsten zwanzig bis dreißig Jahre nicht verändern, es sei denn, es kommt eine Scheidung dazwischen und das ist in den besten, äußerlich geradezu heiligen Familien ja nicht ausgeschlossen. Ein solches Idyll nämlich schützt vor Langeweile nicht. Dann aber, also in beiden Fällen, rückt plötzlich ein Bautrupp an. Inzwischen sind die Schulden bezahlt, man kann wieder investieren. Nach dem Plan des Gartenbaumeisters, der sich hochtrabend Landschaftsgestalter nennt oder besser noch Landschaftsarchitekt, wird dann die nächste Katastrophe gebaut. Weniger Grün, mehr Stellfläche, noch betonierter, kaschiert mit einigen echten Plastersteinen aus Granit, Porphyr oder Basalt. Der braune Boden muss nun nicht mehr gejätet werden, denn über diesem befindet sich ein atmungsaktiver Filz und eine noch dickere Lage Rindenmulch, jeglicher Färbung. Auch gerne verwendet werden für solche Kleinodien der brutalistisch feinfühligen Gartenbaukunst dann ganze Flächen hellgrauer gebrochener und in einer Tonne abgerundeter Steine, dazwischen stehen allerdings wieder einige Buchsbäume und zu skulpturalen Erlebnissen, ästhetischen Höhepunkten geschnittene Nadelgehölze, manchmal auch eine dieser unglaublich gut in die hiesige Landschaft passenden Araukarien, die eine Ahnung von der inneren Verbundenheit der Besitzer mit der japanischen oder asiatischen Kultur geben. Sehr schnell verucht Herr Nipp solchen geleckten Wohngebieten zu entkommen, immer wieder von Schüttelfrost geplagt, weiß er doch um die Ehrlichkeitsvermeidungsstrategien der dort lebenden Menschen. Weiß er doch um deren „Wir haben es geschafft“ – Gefühl. Glücklicherweise hat er das lange hinter sich gelassen. Nie wieder wird er den Fehler begehen, einen solchen Verunstalter, nein, Gestalter in seinen Garten zu lassen. Dann soll es lieber hässlich aussehen mit den vielen Gebrauchtsteinmäuerchen, die er selber gesetzt hat, den Hochbeeten und den überall sprießenden Pflänzchen, die über die Jahre mit anderen Naturgartenenthusiasten getauscht wurden, für welche er restlose Begeisterung aufbringen kann.

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Himmel

Du musst nur festlegen, wo der Himmel beginnt.

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Gedankenstrom (1997)

Mein kleiner persönlicher Kampf. Mit dem Leben, dem Teufel und irgendwo auch Tod. Ich dachte immer, ich habe einen Schutzengel, aber er muss wohl unter die Räder gekommen sein. Und wenn er es jetzt noch nicht ist, wird er es bald sein. Und wenn ich dafür Sorge tragen muss. Und schöne Musik zwischendrin. Du gewöhnst dich daran, irgendwo, auf dich selbst gestellt zu sein und irgendwann merkst du, daß sich alles verändert hat, jeder würde sich schließlich aufs Paradies freuen.
Dachtest du an den einen Satz damals, nach dem alles, was jemals zu sagen war, eigentlich gesagt war, das ging schnell vorüber.

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