Filmbeitrag

Sie sitzen zusammen und planen einen kleinen Filmbeitrag, der gewünscht ist oder von dem sie zumindest glauben, dass er gewünscht sein könnte. Nicht alles klappt so, wie es sein sollte. Nichts funktioniert zumindest so, wie sich ein Außenstehender vorstellen würde. Aber davon lassen sie sich natürlich nicht entmutigen. Erst wenn die Filmteile geschnitten und gepuzzelt sind, kann davon ausgegangen werden, dass sie überhaupt eine Vorstellung haben. So denkt zumindest Herr Nipp, der alles als Beobachter verfolgt. Dabei hat er immer noch nicht begriffen, dass hinter allem natürlich ein großer Plan steckt, nur hat ihm niemand davon erzählt.

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Was kommt

Seien wir ehrlich, einen großen Teil unseres Lebens macht das Warten aus. Wir stehen und sitzen und hocken und manchmal liegen wir sogar und warten. Zu Hause, im Freibad, in der Loge des Theaters oder einfach an der Kasse. Im Gang eines Amtes, mit der Startnummer 33399 beim Marathon, hinter den anderen Leuten, die unbedingt gerade auch noch jetzt Bargeld abheben müssen. Wir warten und warten. Darauf, dass etwas passiert oder auf jemanden. Einige von uns warten einfach nur so, andere auf den Weltuntergang. Manchmal warten wir voller Ungeduld, meistens jedoch langweilen wir uns, da liegt weniger Anspannung in der Luft dann. Herr Nipp sitzt an seinem Platz, betrachtet die vorübergehenden Menschen und staunt, was die so alles im Gehen machen. Auf das Handy schauen ist da noch eine der einfachsten Übungen. Einer filmt mit seinem I-Pad die ganze Szenerie, völlig gebannt von den nichtssagenden Bildern und Filmsequenzen, die dabei entstehen werden. Eine andere hält sogar ein Notenheft in den Händen und scheint dabei zu versuchen, das Stück, welches sie offenbar ließt, vor ihrem inneren Auge zu dirigieren. Eine Gruppe Jugendlicher geht dicht gedrängt wie ein Schwarm Forellen im Fischteich und umkreist sich dabei ständig gegenseitig. Ein alter Mann gestikuliert mit seinem Krückstock und fällt fast dabei um. Glücklicherweise wird er dabei nicht von der jungen Frau auf Rollschuhen angerempelt, die den Eindruck vermittelt, sie würde durch ihr Leben tanzen. Eine um den Anderen zieht an ihm vorbei, jeder scheint in seiner eigenen Weltblase zu leben. Unabhängig von jedem anderen Wesen, das da erscheint. Herr Nipp wartet auf den Abend, darauf, dass dieser Tag endlich vorbei geht. Dafür hat er sich nach draußen in die Fußgängerzone gesetzt, in die laue Novemberluft dieses Jahres. Er will sich bis zum Abend nicht mehr regen. Erst dann wird er heim gehen, den üblichen Abend verbringen und sich vor den leuchtenden Kaminofen stellen, der ihm die Beine fast verbrennen kann. Er wird sich dann freuen, daheim zu sein, eine Schallplatte aus den Neunziger Jahren hören, die er sich kürzlich gekauft hatte, duschen und sich ins Bett legen. Das malen seine Gedanken mit starken Farben aus. Und er weiß jetzt schon, es wird nicht so laufen; irgendwas wird dazwischen kommen. Und trotzdem wartet er, die Hoffnung bleibt schließlich.

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Essen

Er steht in der Küche und dreht sich im Kreis. Was soll er nur essen heute? Er hat so gar keine Idee und Lust zu kochen auch nicht. Vielleicht sollte er mal aussetzen, dann hat er abends vielleicht wieder echten Hunger. So einen, der alles reintreibt. Vielleicht sollte er auch mal wieder in diesem Spezialitätengeschäft einkaufen gehen, da wird so viel geboten, dass ihm sicherlich etwas einfallen kann. Irgendwas mit Esskastanien? Oder doch lieber Aubergine? Rosenköhlchen wären auch eine Option. Mitten in die Überlegungen kommt einer der Hausmitbewohner in die Küche gerieselt (tatsächlich von oben bis unten überdeckt mit Baustellenstaub). Herr Nipp kommt eine Idee: „Hast du Lust mit mir zu essen?“ „Ja, klar. Was gibt es denn?“ „Kannst du dir aussuchen, du kochst heute.“

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Haarspalterisch

Eines ist wohl jedem klar, der Herrn Nipp kennt, wenn der sich haarspalterisch verhält, dann kann es wohl kaum um die eigenen Haare gehen, denn davon hat er nur noch so wenige, dass jedes davon inzwischen einen Namen hat. Man kann sich vielleicht vorstellen, wie schockiert er war, als an diesem Morgen auch noch Frank, Dirk und Markus fehlten, die er nach einigen Kindheitsfreunden benannt hatte. Ein weißes, ein graues, ein braunes Haar mittlerer Länge von 5 Millimetern. Daran muss er allerdings heute Abend gar nicht denken. Er hat sich mal wieder mit zwei seiner wenigen aktuellen Freunde getroffen und wie es in dieser Gruppe nun mal so geht, haben sie sich verbal in die Haare gekriegt, dabei die Themen so haarspalterisch verhandelt, dass es ab einem gewissen Punkt keine Haaransätze für eine spalterische Tätigkeit mehr gab. Ab einem gewissen Punkt ist jedes politische Thema so durchgekaut, dass lediglich ein seltsamer Brei übrig bleibt. Irgendwann hatte der eine von ihnen gemeint, der eigentlich immer darauf bedacht ist, alles mit treffenden Zitaten aus Literatur, Politik und Philosophie zu versehen, es sei nun endlich an der Zeit die alten Zöpfe abzuschneiden und zur Not neue Perücken und moderne Brillen aufzusetzen, damit alles neu betrachtet werden könne. Herr Nipp hatte ergeben genickt, der dritte im Bunde war aufgestanden, kurz nach draußen an die kalte Luft gegangen, um tief einzuatmen und wieder auszuatmen. Die langen Haare durchschüttelnd kam er wieder herein, griff zur Weinflasche, einem richtig guten Wein vom Weingut Paul Mas, befüllte die drei Weingläser und sprach ganz ungewohnt einen Toast: „Auf die Hoffnung, auch in Zukunft mit euch Haare spalten zu dürfen.“

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Scharmützel

Da kommt ihm mal wieder ein Begriff entgegen, dessen Herkunft er nicht kennt, er schlägt sein Herkunftswörterbuch auf und erfährt unerwartetes, das ist keine Verballhornung aus dem Französischen, wie es Fisematenten wahrscheinlich sind, sondern kommt vom italienischen Wort scaramuccia. Und mal ehrlich, wer kann das schon aussprechen? Es gibt aber nicht nur das Scharmützel, man kann auch scharmützeln oder scharmutzieren. Solche Wörter findet Herr Nipp wirklich schön.

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