Haarspalterisch

Eines ist wohl jedem klar, der Herrn Nipp kennt, wenn der sich haarspalterisch verhält, dann kann es wohl kaum um die eigenen Haare gehen, denn davon hat er nur noch so wenige, dass jedes davon inzwischen einen Namen hat. Man kann sich vielleicht vorstellen, wie schockiert er war, als an diesem Morgen auch noch Frank, Dirk und Markus fehlten, die er nach einigen Kindheitsfreunden benannt hatte. Ein weißes, ein graues, ein braunes Haar mittlerer Länge von 5 Millimetern. Daran muss er allerdings heute Abend gar nicht denken. Er hat sich mal wieder mit zwei seiner wenigen aktuellen Freunde getroffen und wie es in dieser Gruppe nun mal so geht, haben sie sich verbal in die Haare gekriegt, dabei die Themen so haarspalterisch verhandelt, dass es ab einem gewissen Punkt keine Haaransätze für eine spalterische Tätigkeit mehr gab. Ab einem gewissen Punkt ist jedes politische Thema so durchgekaut, dass lediglich ein seltsamer Brei übrig bleibt. Irgendwann hatte der eine von ihnen gemeint, der eigentlich immer darauf bedacht ist, alles mit treffenden Zitaten aus Literatur, Politik und Philosophie zu versehen, es sei nun endlich an der Zeit die alten Zöpfe abzuschneiden und zur Not neue Perücken und moderne Brillen aufzusetzen, damit alles neu betrachtet werden könne. Herr Nipp hatte ergeben genickt, der dritte im Bunde war aufgestanden, kurz nach draußen an die kalte Luft gegangen, um tief einzuatmen und wieder auszuatmen. Die langen Haare durchschüttelnd kam er wieder herein, griff zur Weinflasche, einem richtig guten Wein vom Weingut Paul Mas, befüllte die drei Weingläser und sprach ganz ungewohnt einen Toast: „Auf die Hoffnung, auch in Zukunft mit euch Haare spalten zu dürfen.“

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