Wirklichkeit?

Was ist denn wirklich wirklich, denkt sich Herr Nipp. Da fällt ihm die Nahrung ein, die er jeden Tag verspeist. Er mag zum Beispiel gerne Kartoffeln und findet sowie erfindet immer wieder mal Rezepte, die er noch nicht kannte. Aber würde er auch auch Grundbirnen oder Erdäpfel so betrachten, gar Erdknollen oder Herdäpfel? Irgendwie hat er das Gefühl, dass die Worte das Objekt der Begierde verändern. Kartoffeln oder siegerländisch Duffeln stehen ihm da näher. Was also ist wirklich? Während er eine Tomate isst, mag der Österreicher den Paradeiser, irgendwo in Deutschland werden Liebesäpfel gegessen. Da ergeben sich Fragen, die er sich bisher nicht über diese roten Beeren gestellt hat, die, solange sie nicht zu roten Wasserveredlern gezüchtet wurden, unglaubliche Geschmacksexplosionen sein können. Was schmeckt besser? Ist ein Pardiesapfel nicht auch ein Stück weit mit der Erbsünde verbunden? Und welche Beziehung gibt es zwischen dem Liebesapfel und handelsüblichen Potenzmitteln und Aphrotisiaka? Er wird bei der Tomate bleiben, die lässt ihn an Nachtschattengewächse denken, nicht an die Legende von der Flucht aus dem Paradies.

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Digitale Briefe

Ha, Sie sehen, Sie sehen nichts. So oder so ähnlich geht es ihm immer wieder. Wenn Herr Nipp seine digitale Post aufrufen will, findet er manchmal gar nichts. So eine Gemeinheit. Als wenn niemand ihm geschrieben hätte, dabei weiß er doch, dass da was gekommen sein müsste. Hatte er nicht gestern einen Anruf bekommen, dass etwas verschickt worden sei? Und dann leuchtet etwas in ihm auf. Klar. Alles klar, wie hatte er das all die Monate übersehen können? War nicht irgendwann die Nachricht gekommen, dass der Anbieter die Sicherheitsregeln verschärft habe? Hatte er mal wieder nicht darauf geachtet und sie also auch nicht seinen Bedürfnissen angepasst? Nach sehr kurzer Suche findet er den Spam-Ordner und tatsächlich einige hundert digitale Briefe, die er suchte. Yeah!

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Film

Auch Herr Nipp kann sich auf Dauer nicht den Ideen anderer Menschen verschließen. Auch er ergibt sich zuweilen den Notwendigkeiten, egal was er vorher gedacht hatte. Und so lässt er sich als Zeitdokument denn eben doch filmen. Nein, nicht so wie er ist, sondern wie er von anderen gesehen wird. Seine Geschichten sind ja nicht gerade auf die filmische Umsetzung ausgelegt, so wurde also jemand gefunden, der den Job macht. Herr Nipp als Fernsehserie? Vielleicht gar bei einem großen Bezahlsender mit einem roten N? Das wäre es doch, dann wäre er bei jedem bekannt. Aber nein, so wird es wohl nicht kommen. Da haben sich einige ausgedacht, einen Kurzdokumentarfilm über seine Arbeit zu machen, einen, in dem er erklärt, was er so macht und welche Ideale dabei zugrunde liegen. Aber wie gesagt, das sind nicht seine Gedanken und die Wörter wurden ihm von einem Drehbuchschreiber in den Mund gelegt. Nichts zum berühmt Werden und vor allem bekommt er keine Gage. Schade eigentlich, dass dieser private Filmverleihdienst mit dem roten N noch keines seiner Bücher gelesen hat.

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Alles gut

Wer mag diese Frage, die Antwort ebenso erfunden haben? „Alles gut?“ und „Alles gut!“ Herr Nipp weiß es nicht genau, aber dieser Tage bemerkt er, dass jeder diese Floskel benutzt. Vielleicht ist es in Zeiten, in denen nicht alles gut ist, ein guter Regenschirm gegen jedes Ungemach.

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Füller

In seiner Vitrine im Wohnzimmer, jener aus den sechziger Jahren, die eigentlich auf dem Sperrmüll hätte landen sollen, hat er immer wieder mal andere Sachen liegen, mal sind es einfache Steine, die er auf seinen Ausflügen und längeren Wanderungen gesammelt hat, mal finden sich auch Weingläser dort, einfache, nicht aus Bleikristall, sondern Pressglas, jene aus denen man herrlich trinken kann und sich auf den Wein konzentriert, ohne darauf achten zu müssen, sie auch ordentlich wieder abzustellen, damit ihnen nichts passiert, weil diese Gläser etwa teurer wären, als der Wein, der aus ihnen getrunken wird. Tatsächlich besitzt er auch eine altmodisch stylische, dafür völlig wertlose Sammlung von Chemikaliengläsern, die auch schon darin präsentiert wurde, die hatte er in irgendeiner Schule abgestaubt, die diese Teile entsorgen wollte, so wie viele alte Schulen Teile ihrer halbwissenschaftlichen Sammlungen derzeit zum Müll geben, weil sie ja so veraltet scheinen und das Digitale so viel wichtiger ist. Zur Zeit hat er dort eine ganze Sammlung an Füllern liegen, die meisten sind angekaut, denn früher hat er regelmäßig seine Stifte zerkaut, immer wenn er nachdenken musste oder einfach abgelenkt war. Nur ein Füllfederhaltzer liegt dort, der keinen Kratzer aufweist, niemals hätte er den angeknabbert; wann auch, er hat ja niemals damit geschrieben. Auch wenn man den vielleicht verkaufen könnte, der hat für Herrn Nipp wirklich keinen Wert.

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