Feuer

Und wenn morgens, wenn draußen die Pflanzen mit einem weißlichen Raureifschleier überzogen sind, im Ofen die Holzstücke von Flammen umspielt werden, und er dabei zusieht und hört, dass der morgendliche Kaffee seltsam wohlig blubbernd von der Hitze nach oben in die Kanne gepresst wird, dann, denkt Herr Nipp, kann man sich wirklich darauf freuen, später seiner Arbeit nachgehen zu dürfen.

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Sonntagsruhe

Seine Nacht zum Sonntag endet wie üblich gegen sieben Uhr, vielleicht auch einige Minuten früher, er schaut ja nicht auf den nicht vorhandenen Zeitanzeiger. Das war kürzlich einer Freundin aufgefallen, dass die einzige Uhr, die bei ihm steht, eine alte Standuhr aus der Gründerzeit, nicht läuft. Stimmt, hatte er gesagt, es ist schon seltsam, dass eine Uhr die völlig unsichtbare Zeit im Raum zu visualisieren versuche, zwar hingen Raum und Zeit irgendwie zusammen, aber sie seien doch wohl nicht übersetzbar. Natürlich war dies lediglich eine Ausrede dafür gewesen, dass es ihm bisher noch nicht aufgefallen war, dass er sich bisher keine Uhr gekauft hatte. Er musste sich aber auch eingestehen, sechziger-Jahre-Uhren ticken einfach lauter. Und so sitzt er zeitlos hinter der Scheibe seines Esszimmers, hört leise eine Serenade von Mozart und genießt seinen heißen Kaffee. Dabei schaut er den Vögeln im Garten zu, fast idyllisch, wüsste er nicht, dass es dort draußen um Leben und Tod geht, immer. Um die Begrenzung der zur Verfügung stehenden Zeit

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1.Mai

Ziemlich blöd so ein erster Mai, wenn man zwar nicht zum Demonstrieren gehen möchte, sondern mit Freunden wandern, und dann hängt man zu Hause fest, weil jemand das Verlassen des eigenen Grundstücks verboten hat, weil jemand anders ein Virus zum Arbeitsplatz getragen hatte, denkt Herr Nipp. Und dann kommen gegen halb neun abends zwei Freunde von ihrer Wanderung, bitten um ein Bier und sie stehen noch gut eine Stunde zusammen. Die beiden auf Abstand auf der Straße, er auf der Grenze zum Bürgersteig, zwei weitere, die zufällig vorbei kommen, gesellen sich dazu. Und dabei sind sie sich sicher, schon drei sind eine Party. Ein seltsamer erster Mai.

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Makellos

Diese Geschichte bitte falsch verstehen.

Vor ihm steht das perfekte Wesen, eine wundervolle Gestalt, ein matt schimmernde Oberfläche, die Figur ist wirklich makellos ideal, geradezu idealistisch. Herr Nipp schaut sie sich an, lange, ein fast zudringlicher Blick, der über sie gleitet, tastend und analystisch. Und er ist froh, dass es nur eine Marmorfigur ist, ein solcher Mensch wäre nicht auszuhalten.

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Sonnenuntergang

Über die engsten Landstraßen ist er gefahren, kleine Orte hat er dabei entdeckt, die er bisher nicht kannte und vor allem Orte, die als weiße Flecken der individuellen Landkarte da lagen, obwohl sie doch ganz in der Nähe sind. Solche Touren begreift er als eine Selbstvergewisserung der individuellen Realität. Und dann am Ziel anzukommen, wo auch immer, auf einer Landstraße vielleicht oder einem Höhenzug neben der Autobahn und dort den glühenden Sonnenuntergang zu erleben, der in seiner Erhabenheit alles überstrahlt, was er sonst so als schön wahrnimmt. Sonnenabend, Sonntagabend pur. Nicht sie ging unter, die Erde hat sich gedreht. Minuten später wird er wahrscheinlich losfahren, irgendwie ganz erfüllt und trotzdem ernüchtert, denn wieder ist ein Tag vorbei und die nächste Woche wird beginnen.

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