Festival

Das beobachtet Herr Nipp immer wieder, wenn Menschen, helfende Hände wirklich gebraucht werden, dann sind sie da. Einfach so, tolle Leute, die Arbeitshandschuhe mitgebracht haben und plötzlich klappt die gesamte Logistik eines Konzertes oder sogar Festivals. Ja, das sind meist die gleichen Leute, klar, die, auf welche man sich verlassen kann. Sie fragen nicht großartig, sie packen einfach an und zu. Pötzlich steht da im unerwarteten Laderaum eine ganze Bühne, ganz unerwartet ist ein LKW beladen und entladen. Und dabei wird viel gelacht und gefrotzelt, dabei entstehen schöne Gespräche. Herr Nipp ist glücklich. Noch ein paar Stunden Einsatz und das Festival, das so nicht heißen darf, kann starten.

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Manchmal

Manchmal ist es einfacher nach vorne zu schauen, als all die Fehler der Vergangenheit zu sehen. Manchmal muss man sich allerdings in diesen Fehlern verlieren, um eine Orientierung für die Zukunft zu bekommen.

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Straßenbau

Das haben die Straßenbauarbeiter in ihrer langen Zeit der Stadtrenovierung noch nicht erlebt. Am letzten Tag ihres Einsatzes in dieser Straße stehen alle Anwohnerinnen und Anwohner am Straßenrand und und jubeln ihnen zu. Sie haben es geschafft. Endlich, nach Jahren der Baustelle ist genau diese endlich beendet. Da macht es auch nichts mehr, dass jeder der Anlieger zwischen 10.000 und 25000 Euro in die Hand nehmen musste, damit die Stadt alles renovieren konnte. Gut, in anderen Bundesländern übernimmt diese Kosten das Land selber, sie werden also von der Allgmeinheit, die hinterher auch die Straßen nutzt, bezahlt. Nicht im Bundesland von Herrn Nipp, da werden die Besitzer von Grundstücken in die Pflicht genommen. Wer ein Haus besitzt, kann sich ja auch schließlich auch noch neben dem laufenden Baudarlehen weiteres Geld von der Bank leihen, damit andere über heile Straßen fahren können. Und wer das nicht kann, soll einfach verkaufen. Aber das zählt hier an dieser Stelle nun nicht mehr. Alles ist bezahlt, alle Menschen sind glücklich, dass nun die Straße genutzt werden kann. Alles sieht so sauber aus, fast steril. Die Architektenpetersilie ist gepflanzt, Bäume, die kaum Dreck machen werden, was will man mehr. Was die Jubelnden noch nicht wissen können, ist, dass die Bauarbeiter schon in sechs Wochen wieder anrücken werden, die neue Straße wieder an einigen Stellen aufschneiden und diese Spuren als Zukunftsmakel den perfekten Eindruck stören. So ist das immer. Sie haben einige Anschlüsse vergessen zu erneuern.

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Als er aufwacht

Er ist wohl eingeschlafen. Im Sessel. Der Kopf nach hinten gerutscht und hängt doch noch frei, beste Voraussetzung für Nackenschmerzen. Er hatte Musik gehört und irgendwas auf dem Rechner geguckt. In der Arte-Mediathek wahrscheinlich. Er mag es, wenn Zwei Medien gleichzeitig laufen. Ton abstellen, die Bilder wirken lassen und dazu von irgendeiner Band eine Schallplatte hören, in diesem Fall das sogenannte Rote Album von Tocotronik, das er sich kürzlich auf einer Schallplattenbörse gekauft hatte, noch verschweißt. Aber die Stimme von Dirk von Lotz hatte ihn wohl irgendwann gezwungen, nur kurz die Augen zu schließen, zu lauschen und zu träumen. Bei Schlafdefizit nicht günstig. Als er aufwacht, hört er als erstes das regelmäßige Knackgeräusch der Nadel auf der Auslaufspur, der Rechner ist schwarz, draußen ist es inzwischen ebenfalls dunkel, er muss wohl länger geschlafen haben.

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aber hier leben

Der Weg auf den bekannten Schleichwegen zum Ziel ist versperrt, immer wieder werden die beiden Freunde, die sonntags morgens ihre Wege durch die alte und neue Heimat zu finden suchen, von Durchfahrtverbotenschildern zur Umkehr gezwungen. Normalerweise weiß der Aborigine-Fahrer, wann er nicht mehr weiter kann, hier jedoch ist es etwas anders. Die Haupttrassen werden erneuert, wohl auch Aufräumarbeiten. Ganze Dörfer von der Umwelt abgeschnitten. In den Boxen dröhnen verschiedene Bands von Red Hot Chilli Peppers über Bauhaus bis zu Johnny Cash. Nick Cave nörgelt vor sich hin, passend. Der Hund liegt ganz brav im Fußraum der dreisitzigen Fahrerkabine und schaut manchmal leicht vorwurfsvoll hoch. So entdecken sie neue, noch abseitigere Sträßlein durch noch abwegige Dörflein und vor allem wunderschöne Einblicke in diese abwechslungsreiche Landschaft und irgendwann sagt Herr Nipps Freund als tiefes Ausatmen: „Man könnte fast unter Verdrehung des alten Tocotronik-Titels sagen: Aber hier leben – ja, bitte.“

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