nebenan

Im Wald neben seinem Sitzplatz liegen zwei Buchen, umgestürzt vor zwei Jahren, sie treiben trotz ihrer Lage wieder dieses hellgrün leuchtende Laub. Einige Male vielleicht noch. Und wenn er genauer hinschaut, liegen darunter Bretter und Dachpappe. Hoffentlich saß niemand drauf als es passierte, denkt Herr Nipp. Er mag sich gar nicht vorstellen, dass diese Wildwaldidylle ein Grab ist. Schon seltsam, denkt er, dass die Bäume ausgerechnet den Hochsitz zerfetzt haben, ansonsten liegt weit und breit keine weitere Buche.

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Ruhepol

Es gibt Orte, an denen hat jemand eine Bank gebaut oder sie eben hingesetzt. Meist sind das Stahlgestelle mit mehr oder auch weniger robusten Hölzern, Mal reine Holzbänke. Selten sind Waldbänke allerdings aus Steinen gemauert. Herr Nipp hat sich diesen Spaß vor Jahren einmal erlaubt und wenn er wirklich allein sein möchte, zieht es ihn dort hin. Einige Schritte gehen, sich setzen, tief durchatmen und zur Ruhe kommen. „Geht es ihnen nicht gut?“ Ein Mann mit breitkrempigem Hut und quäkiger Stimme gesellt sich hinzu und nimmt unaufgefordert Platz. „Ist ja sooo toholl, dass man hier Mal einen ruhigen Platz findet….“ Fast eine Viertel Stunde monologisiert er vor sich hin, scheint keine Antwort zu erwarten. Ein nie versiegendes Gebrabbel. Politik und Religion, Natur und Sport, nichts wird ausgelassen. Keine Antwort. Irgendwann steht Herr Nipp auf, grüßt freundlich und setzt zum Gehen an. „Wurde auch Zeit“, meint der Schwätzer, „da kriege ich ja doch noch meine Ruhe.“

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in der Luft

Er atmet die Luft in kurzen Saugstößen ein, atmet wieder aus. Irgendetwas riecht heute anders, so ganz anders als sonst und das liegt nicht daran, dass er gestern einen Fleck mit Orangenöl entfernt hat. Da ist etwas in der Luft… Ach ja, jetzt ist die Erinnerung wieder da. Herr Nipp hat für einige Tage einen Hund aufgenommren.

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Regeln regeln

Regelmäßig jeden Tag lässt er seinen Nächsten digitale Nachrichten zukommen. Meist sind es einfache Antworten auf banale Fragen, oft will er sich selbst mitteilen und ganz selten ist es unangenehm. Vor Jahren schon hat er sich Regeln geschaffen, die vieles erleichtern. Das daran Halten ist grundlegend.

  1. Sei gegenüber allen freundlich, soweit es eben möglich ist.
  2. Auf sehr unangenehme Dinge erst nach ein Tag Bedenkzeit reagieren.
  3. Auf unangebrachte Dinge niemals reagieren.
  4. Niemandem schreiben, wenn man betrunken ist. Vor allem der “ Ex“ nicht.
  5. Erst denken.

Leider hat er sich selbst manchmal nicht daran gehalten.

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Reimmaschine im Wald

die Nacht ist stumm, die Vögel schweigen

ein dürres Knacken im Gehölz

wenn Rehe ihre Hörner reiben

oder ist es doch ein Wolf?

er träumt sein Leben, sieht die Pflanzen

Buchen stehn in lichtem Grün

Insekten Bienen Hummeln Wanzen

Mücken, die in Schwärmen tanzen

Och ne, denkt er, ich mag diese „reim dich oder ich schlag dich Poesie“ nicht. Trotzdem bleibt er sitzen, sieht die wilden Kirschblütenblätter fallen und er kann nichts dagegen tun, aber wenn die Reimmaschine einmal angeworfen worden ist, dann kommen sie auch ungefragt. Betagt, zernagt, verzagt, gewagt….Steputat lässt grüßen.

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