Bach

Seit einer Stunde liegt er nun auf der schwarzen Couch, hat sich eine CD angemacht (eigentlich hört er ja lieber Vinyl, aber wie war das noch mit geschenkten Gäulen) und hört ganz entspannt Toccata und Füge von Bach. Eine schöne Aufnahme von Karl Richter auf der Orgel der Jägersblogkirche bei Kopenhagen. Zwischendurch schläft er immer mal ein, beobachtet dann wieder die Wolken am Himmel, die Flugzeuge mit den weißen Kondensspuren, die zùgig das Sichtfeld queren, die Mauersegler, die es verstehen, die Luft zu zerschneiden. Im sechsten Stück „wacht auf, ruft uns die Stimme“ kommt allerdings ein Brummton vor, der die Idylle zerstört. Ein echter Weckruf. Er steht auf.

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abkupfern

Woher dieses schöne alte Wort kommt, kann er nur erahnen. Wahrscheinlich, denkt Herr Nipp, hat es etwas damit zu tun, dass in alten Zeiten berühmte Gemälde als Kupferstiche nachgeahmt wurden, damit auch nicht so ganz wohl betuchte Leute sich Bilder in die Wohnung hängen konnten. Dann stand darauf immer der Stecher ( mein Freund und Kupferstecher), man könnte auch Plagiator oder Nachahmer sagen, und natürlich der eigentliche Schöpfer (Künstler). Das Abkupfern hatte Vorteile für alle Seiten. Der Künstler kam zu Ruhm und Tantiemen, der Kupferstecher hatte ein Einkommen und der Kunde bekam ein Bild, das zumindest dem Original nahe kam. Er kann sich gut daran erinnern, dass früher in den Stuben und Schlafzimmern alter Menschen noch solche Stiche hingen. Beliebt sicherlich das Abendmahl des Leonardo, der wahrscheinlich nichts mehr davon hatte, die Raffaelsschöpfung Sixtinische Madonna auch, aber ebenso Bilder von vor langer Zeit zeitgenössischen Künstlern von Urgroßeltern. Etwa ein Stich nach einem Gemälde von Meyer von Bremen oder diesem seltsamen Bild mit Waldlichtung, dessen Schöpfer Herr Nipp bis heute nicht kennt. Alles untergebracht in schweren schwarzen Lackrahmen. Heute plagiiert jeder mit einem Fingerwisch, ohne nachzufragen oder gar nachzudenken, aber wenn es in der Wissenschaft passiert, dann wird es peinlich. Herr Nipp hörte mal von einem Schüler, der „Die Made“ von Heinz Erhardt als Selfmade ausgegeben hatte. Übrigens mit dem Erfolg eines Täuschungsversuchs und einhergehender ungenügender Note. Aber abgesehen davon. Seien wir mal ehrlich: Plagiarismus ist notwendig, er löscht vorhandene Fehler, schafft neue Perspektiven und ist vor allem oftmals die Plattform wichtiger kreativer Prozesse. Außerdem, und das sollte kein vermeintlicher Plagiatsenthüller, der selbst nichts auf die Kette kriegt, aber mit selbiger andere Menschen in den Dreck zu ziehen sucht, vergessen, ist das Plagiat Teil der menschlichen DNA. Beobachte und lerne. Vielleicht, denkt Herr Nipp, sollte er mal einen Kupferstichkurs bei der hiesigen Volkshochschule belegen und das Abkupfern von Grund auf lernen.

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hoch

Das Licht ist nach und nach verschwunden. Die Farben sind fahl geworden, aber Herr Nipp kann noch recht gut sehen. Das Grün entschwindet langsam. Am Himmel noch ein Rest von rot, gelb und blau. Gleich wird die Welt verschwinden für eine Zeit, doch wenn Herr Nipp wieder wach werden wird, dann tut die Welt so, als sei die Nacht nie gewesen. Dann wird er wieder seiner Arbeit nachgehen und am Freitag jubelt er „Hoch die Hände, Wochenende“. So einfach kann Glück sein.

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Stillstand

Seine Welt steht still für einige Momente. Die Uhr vergisst zu ticken. Selbst das transortable Telefon mit weiteren Funktionen stellt den Betrieb ein. Ihm scheint es, als habe er eine Offenbarung. Ein Wink des Schicksals, an das er nicht glaubt. Vielleicht auch eher ein Anomalie seines Empfindens. Nach dem dritten Mal an diesem Abend ist es endlich klar. Von dieser Luft hier muss man Halluzinationen bekommen, einer seiner Freunde hat die Sportschuhe ausgezogen.

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die spinnen doch

In einem Land, in welchem jedes Jahr tausende Menschen von Autos getötet werden, denkt Herr Nipp, haben 90 % der Bevölkerung Angst vor Spinnen. Und vor Autos? Nein, die werden verehrt wie Götter des Altertums.

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