Schottergarten

Seit vielen Jahren ist es ihm ein Dorn im Auge. Jedesmal, wenn er das Gebäude verlassen muss, muss er auf diesen öden und ganz nebenbei auch noch hässlichen Schottergarten links und rechts neben dem Eingang gucken. Auch durch die große Glasfront macht dieser seinen Arbeitsplatz nicht gerade attraktiv. Es mag ja Menschen geben, die Wüsten für romantisch halten, in den Städten bewirken sie lediglich schlechte Luft und Überwärmung, schlechte Laune und sie befriedigen vielleicht eine bestimmte Zunft von Architekten, denen ihre Gebäude wichtiger sind als Mensch und Natur. Im Sommer ist die Sonne dort nicht zu ertragen und im Winter unterstreicht diese Wüste die Ödnis einer grauen Stadt. Er hat maches Mal gefragt, ob er diesen Zustand nicht verändern dürfe und immer wieder wurde ihm dies abschlägig beschieden. Jetzt aber hat sich etwas verändert. Bei allen negativen Aspekten, welche dieser Sommer hervorgebracht hat, es reift langsam aber sicher die Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss. Die Frage der Finanzierung ist schnell geklärt, die Pflanzen werden einfach von Privatpersonen gestiftet und der Rest findet sich schon irgendwie. 22 Jahre bohren führen jetzt endlich zum Ziel und Herr Nipp ist wirklich glücklich. Er liebt es ja bekanntlich Gärten anzulegen und jetzt hat er endlich mal wieder ein neues Projekt und 29 Helfer hat er innerhalb eines Tages dafür gefunden.

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alles

An alles hat er gedacht, alles. Nur als er gerne schreiben möchte, fehlt der Stift. Demken ist nicht einpacken.

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Buch

„Boah, da bin ich raus.“ Ein Freund hält dieses wunderschöne Buch in seinen Händen, etwas ehrfürchtig, betrachtet den in lila und gold gehaltenen Einband mit der Prägung, die farbigen Vorsatzblätter, und lässt die Seiten durch die Finger gleiten, vor und wieder zurück. „Und so etwas kann man selber machen?“ Herr Nipp nimmt das Buch entgegen. Lächelt. Er beginnt darin zu schreieben. „Besser geht es kaum.“

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Freischneiden

Ein bis zweimal im Jahr muss die Fläche freigeschnitten werden, vor der er gerade steht. Mit dem umschnallbaren Freischneider, Helm und Benzin ist er angerückt. Das ist die einzige Chance, dieses Stück Kulturlandschaft vor der Verbuschung zu retten. Niedersensen als Umweltschutz. Vorher geht er aufmerksam über die Fläche und kennzeichnet mit roten Fähnchen die Stellen, an denen Orchideen oder andere seltene Pflanzen wachsen, denn die sollten möglichst geschont werden, und beginnt mit der Arbeit. Das Ergebis nach zwei Stunden Arbeit und Schweiß sieht aus, als habe sich jemand mit stumpfer Schere und wahrscheinlich ohne Spiegel die Haare geschnitten, aber Herr Nipp ist zufrieden. So hatte er es die letztenm Jahre auch gemacht, das Ergebnis ist eine inzwischen große Artenvielfalt und das allein ist ihm jede Mühe wert.

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erzählte Figur

Was er nicht weiß? Er lebt in einer für ihn täglich neu zu erfindenden Welt. Er weiß nicht, er vermutet und handelt intuitiv, oft ohne die Konsequenzen zu sehen oder gar verstehen zu können. Und die Realität ist nur eine Oberfläche, der Fragmente entnommen werden, um sie zur Fiktion zu formen. Er nippt hier und da und ist nur eine Vorstellung eines nicht gelebten Lebens. Lebte er dadurch weniger?

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