Wirklichkeit

Wenn die Wirklichkeit nicht das ist, was ich sehe, sehe ich dann zumindest die Realität? Anders gefragt, kann ich überhaupt irgend etwas erkennen, wenn die Wirklichkeit anders ist als das, was ich sehe. Ist mit anderen Worten diese Welt letztlich nur eine Konstruktion aus meinem Wissen, der kulturellen Übereinkunft der Bedeutung von Zeichen, meinen persönlichen Stimmungen und dem ganzen Rest? Ist damit nicht letztlich die ganze Welt eine Konstruktion. Herr Nipp liegt mal wieder mit diesem Gedankenkreis im Bett und schaftt es nicht, ihn zu durchbrechen. Erst gegen Morgen, als der Magen zu knurren beginnt, realisiert er, dass die Nacht schon wieder vorbei ist, er nicht geschlafen hat und er jetzt wirklich eine ganze Mütze von gebrauchen könnte. Er dreht sich auf die Seite und schläft ein, ganz real.

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Dürre

Manchenorts ist es ein wenig zu bemerken, manchenorts einfach nicht zu übersehen, was mal wieder passiert ist. Das Jahr über gab es zu geringe Niederschläge, überall zeigt die große Trockenheit, was sie anzurichten vermag. Woher das wohl kommt, mag so mancher Autobesitze denken, anhalten, empört in die Landschaft schauen und dabei ganz versonnen den Motor laufen lassen, weil sonst ja auch die Klimaanlage ausgeht.

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Wenn

Und wenn alles nichts mehr hilft, denkt Herr Nipp, dann spiele ich eben Lotto und gewinne. Hatte er nicht bei Masha Kaleko gelesen, er solle nicht planen, sondern an Wunder glauben?

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Vogel

In seinem Garten leben bekanntlich einige Vögel, denn offensichtlich haben sie es dort ganz gut. Ein Teich, in dem sie baden und trinken können. Viele Pflanzen und Ecken, in denen man nach Würmern und Kellerasseln wühlen kann. Manchmal kommen auch Gäste vorbei, die normalerweise im Wald oder im Park leben, darüber freut er sich immer besonders. Als er an diesem Morgen sogar eine Hohltaube erblickt, ist sein Glück dann auch fast perfekt. Das gleicht für ihn die Statdtaube aus, die vor kurzem das Wohnzimmerfenster offenbar für den Teich gehalten hatte. Die letzte Sekunde ihres Lebens ist dort immer noch gut sichbar erhalten.

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Hund

Zwischendurch im Jahr hat er den Hund bei sich zu Hause. Mal sind es einzelne Tage, mal auch nur Stunden und von Zeit zu Zeit auch eine halbe ganze Woche. In diesen Zeiten geht Herr Nipp vier oder fünf mal am Tag spazieren. Der Leihhund muss ja fit gehalten werden. Morgens ganz früh vor der Arbeit, mittags natürlich für den Verdauungsgang, einmal nachmittags vor dem Fressen und dann wieder spät abends. Es gibt allerdings natürlich auch Tage, an denen fällt ihm nachts noch einmal ein, dass er selbst einen Spaziergang gebrauchen könnte, nachdem so viel am Tag passiert ist. Tatsächlich steht die schwarze Bestie dann sofort neben ihm und will mit. Das Halsband wird angelegt und sobald er die Tür öffnet, drängt sich der alte Hund an ihm vorbei, bleibt dann eine Weile stehen und wittert in den Morgen, den Tag oder die Nacht. Er schaut sich einmal um und senkt dann ganz leicht den Kopf und die in die Tage gekommene Dame schreitet fast würdevoll die Stufen hinab, dreht sich unten angekommen einmal kurz zu Herrn Nipp um. Fast scheint es, als sagte sie, komm. Das Herrchen auf Zeit folgt dem treuen Tier in aller Ruhe und dann macht dieses ein zwei angedeutete Sprünge und zeigt seine unbedingte Lust auf einen Spaziergang. Früher einmal war der Vierbeiner kaum zu bändigen sobald er nur das Wort „gehen“ hörte. Das ist inzwischen fast in Vergessenheit geraten. Nach diesen Hopsern allerdings geht es dann ganz gemächlich weiter. Sie hat inzwischen eine fast bewundernswerte, gelassene Langsamkeit entwickelt, die den Spaziergang taktet. Dem menschlichen Begleiter bleibt letztlich nichts anderes übrig, als sich anzupassen.
An diesem Morgen hat auch Herr Nipp Probleme mit dem Gehen, denn am vorigen Tag hatte er einen für ihn viel zu langen Dauerlauf gemacht, fast 18 km, und nun scheinen ihm die Muskeln nicht so ganz gehorchen zu wollen. Lass uns ruhen, rufen sie ihm mit jedem Schritt beständig zu. So trotten die beiden also durch den Park und er ist froh, dass ihm nur zwei mit sich selbst beschäftigte Läuferinnen begegnen. Irgendwie ist es schon fast peinlich. Zwei alte Wesenheiten schreiten gemächlich durch den Park, der früher einmal ein Friedhof war, und keiner ist dem anderen des Schleichens böse.

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