Was

Was ist es, fragt sich Herr Nipp, dass uns dahin bringt, dieses Gefühl eines gewissen Ungenügens auszuhalten? Warum schaffen wir es vielleicht ein gesamtes Leben lang unsere wahren Bedürfnisse hintan zu stellen, nur um, einem scheinbar unumgänglichen gesellschaftlichen Konsens folgend, dem wahren Glück zu entsagen und diese Zufriedenheit zu suchen, die uns eine Zeit lang zumindest am Leben zu halten scheint? Solche Gedanken hat er immer wieder einmal, wenn er andere Leute beobachtet, vielleicht auf dem Weihnachtsmarkt, vielleicht auch in der Stadt am Alltag, wenn er seine Einkäufe tätigt und die wirklich und nicht sprichwörtlich leuchtenden Augen der Verliebten, der Trinker und Kinder sieht und dagegen jenes Verblassen der Augen der Anderen bemerkt, dessen sich die allgemeine Gesellschaft in ihrer Zufriedenheit schuldig macht. Sie haben etwas vielleicht vergessen oder nur verdrängt. Jenes Erfreuen an den kleinen Dingen, jenes Beglücktsein, wenn etwas Unerwartetes passiert. Was ist es, fragt sich Herr Nipp dann, dieses Gefühl eines gewissen Verschwindens auszuhalten? Und dann fängt er an zu lächeln, muss irgendwann lauthals loslachen, weil er gerade jetzt daran denken muss, dass ihm gestern der Zweig auf die Nase geschlagen ist, als er die Büsche geschnitten hat und ihm einen blutenden Riss genau auf der Spitze hinterlassen hat, der ihm jetzt vielleicht ein bescheuert verwegenes Aussehen gibt. Er stellt sich vor, wie blöd das aussehen muss. Und all die Leute, die sich zunächst fast kopfschüttelnd umdrehen und diesen alten Mann in seinem Ledermantel sehen, fangen plötzlich auch an zu lachen, weil dieses Lachen einfach ansteckt und für einige Momente gibt es dieses Gefühl des eigenen Ungenügens bei ihnen nicht mehr.

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Ja-Sager

Das Ja,
die Freundschaft und Liebe
zwischen den Einzelnen,
den Anderen vielleicht.

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Zeit haben

Jeden Donnerstagmorgen öffnet Herr Nipp als eine der wirklich wichtigen Tätigkeiten die Haustür, greift die Zeitung, die normalerweise hinter das Geländer der Treppe gesteckt wurde. Er geht in die Küche, liest sich die letzte Seite durch und ist dann bereit zum Duschen, Frühstücken und Durchsehen der aktuellen Benachrichtigungen. Und manchmal hat er sich bei dem, was anderer Leute Leben reicher macht, durchaus schon eine Träne verdrückt.

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Hundestaffel

Natürlich haben sie sich nichts dabei gedacht, genau diesen Weg am Möhnebach entlang zu gehen. Bachaufwärts, um dann später auf dem Rückweg kurz vielleicht an der Wiedenbergkapelle anzuhalten. Es ist nicht besonders schön dort, zugegeben, aber das schlichte Sakralgebäude ist umgeben von älteren Eichen und Linden. Das ist doch auch etwas. Auf dem Hinweg blicken sie immer wieder einmal auf das teilweise renaturierte Gewässer und schauen sich auch eingehend das Gelände des städtischen Wasserwerks an, das verständlicherweise nicht betreten werden darf. Herr Nipp berichtet auch, dass vor Jahren wegen eines PFT- Vorfalls eine Anlage mit Aktivkohlefilter installiert wurde. Bei dieser Gelegenheit werden die beiden leidenschaftlichen Sonntagsspaziergänger von einer größeren Gruppe von Menschen mit Hunden eingeholt. Meist handelt es sich um Menschen im Partnerlook – mit Fjällräven Anoraks gekleideten Mittfünfzigern also. Also genau die Art von Menschen, die sich für eine halbe Stunde Spaziergang extra mit Outdoorklamotten beschäftigen, sie kaufen und dann ganz standesbewusst auch tragen. Das Beste ist grad gut genug. Ebenso verhält es sich mit der Anschaffung von Hunden. Muss schon einer mit Papieren sein. Und da man keine Ahnung von Erziehung hat, Kinder sind aus dem Haus oder waren nie vorhanden, vertraut man sich einer Hundeschule an, deren Leiterin esoterischen Blödsinn mit solcher Vehemenz vertritt, dass da wohl was dran sein muss. Oh ja. Herr Nipp und sein Freund schauen sich das Schauspiel von Befehl, Gehorsam und Unterwürfigkeit einige Zeit amüsiert an und entscheiden dann, den Weg zu verlassen und querfeldein einen eigenen zu finden und schon sind diese Hunde mit Menschen an der Leine vergessen. Eigentlich auch schade, von den Esoterikworthülsen hätte Herr Nipp sich liebend gerne einige aufgeschrieben. Man weiß ja nie, wofür sie zu gebrauchen sind.

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Ergebnisse

Manchmal ist es eben nicht
die gewichtige Arbeit
viel zu langer Nächte
und einsamer wie tiefsinniger Stunden,

sondern die unerwartete Fügung
des Augenblicks,
die Idee
eines innigen Gesprächs.

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