Probleme

Auf einem ihrer Spaziergänge haben sich die beiden Freunde sehr ernsthaft über Armut unterhalten, nachdem sie an der ehemaligen Lokalität der Tafel vorbeigegangen waren. Herr Nipps Ansatz einer Armutsbekämpfung durch Bildung und vor allem Ausbildung wurde dabei als Liberal bis konservativ bezeichnet, die Vorschläge des Freundes, einer Verebesserung der sozialen Auffangsysteme dagegen als unbezahlbar, ohne dies einer genauen politischen Richtung zuzuordnen. Nur in einem Punkt waren sich beide letztlich einig, nämlich dass Armut für die ganze Gesellschaft unerträglich sei. Bei allen Disputen jedoch konnten beide den Spaziergang genießen.

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Gräber

Während er mit seinem Freund über den Friedhof geht, einen anderen Freund zu besuchen, der ihnen beiden fehlt, von einem zum anderen Grabe, die vielen Namen liest, von denen die meisten doch vertraut erscheinen, während er kurz die geliebten alten Verwandten grüßt, die dort liegen oder den jungen Freund, der damals nicht hatte weiterleben wollen, während er auf den Weg schaut und die Steine zählt, die ähnlichen, die den gewesenen Menschen gleich an ihm vorbei rauschen, wird ihm plötzlich bewusst, dass er so nicht vor aller Augen hier liegen möchte, sondern lieber sein letztes Ende ausgestreut auf der Wiese oder als Dünger im Komposter sehen will. Vielleicht sind die Nachfahren so freundlich und enthüllen nirgends auf diesem Friedhof ein Schild mit seinem Namen. Denn es gibt eigentlich nur zwei angemessene Möglichkeiten, denkt er. Das Nichts an sich oder mindestens eine Pyramide und genau in diesem Moment muss er herzhaft über seinenen eigenen Witz lachen.

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Tuschkasten

Kürzlich hat er in einer Schublade in seinem Schreibtisch doch tatsächlich einen alten Schultuschkasten wieder gefunden. Kennst du die noch? Die alten gelben von Pelikan aus Blech? Die Näpfchen sind noch zur Hälfte gefüllt. Er hat den Kasten jetzt neben sich stehen, schaut auf die Farben und stellt sich vor, wie es wohl wäre, nach so vielen Jahren wieder einmal einen Pinsel mit Wasser zu tränken und dann ganz vorsichtig Farben anzurühren bis sie schäumen und ein Blatt vollzumalen. Irgendwann in den nächsten Tagen wird er ganz vorsichtig diesen alten Schatz wieder in der Schublade verstauen, er wird nicht gemalt haben, aber um sein verborgenes Talent vermuten, das er niemals hatte nutzen und vervollkommnen wollen.

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Unterbrochen

Tatsächlich hatte er sich wieder einmal eine ganze Zeit lang von allem zurückgezogen gehabt, leben ohne das übliche Denken in Kategoerien und Kreisen, ohne ein Handeln nach dem Maßstäben von Nutzen und Nützlichkeit und (vor allem) ohne auch nur einen Text zu schreiben. Kein Wort war ihm über seine Lippen und noch viel wengier über die Tatsatur gekommen. Er hatte in seiner Wohnung gesessen, hatte Filme und Serien geschaut, sicherlich auch einige Bücher oder Comics gelesen und mal wieder die Zeit an sich vorüber ziehen lassen. Wie schön es ist, wenn die Zeit das Warten lang wird, hatte er erfahren dürfen. Er hatte natürlich täglich Tee statt Kaffee getrunken und nicht nur eine Tasse, sondern mehrere, er hatte den Ofen ordentlich gefeuert und trotzdem war ihm niemals auch nur annähernd warm gewesen. Und niemand hatte es großartig ge- oder bemerkt, dass er untergetaucht gewesen war. Erst als all seine gehorteten Nahrungsmittel verbraucht waren, hatte er sich wieder unter Menschen begeben. Angeblich haben es so schon die alten Heiligen gemacht, für eine gewisse Zeit untertauchen und die Abgründe in sich selbst erspüren und sie vielleicht mit Sinn zu füllen oder mit Glauben oder in seltenen Fällen auch mit Liebe. Er aber ist kein Heiliger, auch wenn sein Name davon kündet, nur ein ganz normaler Mensch, der manchmal, zugegeben ganz selten einmal, seine Ruhe braucht, um nachzudenken, zu reflektieren und in Gedanken zu simulieren, wie denn alles so weiter gehen könnte.

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Traurige Musik

Warum er das getan hat, kann er einfach nicht genau sagen, aber er hatte das Gefühl, jetzt an die Reihe von Tonträgern heranzutreten und genau diese Schallplatte aus der Reihe zu nehmen und aufzulegen. Da erklingen auch schon die ersten Töne, die ihn an eine Zeit erinnern, als er fast abendlich noch in jenen kleinen Raum ging, der ihm jetzt nicht mehr zur Verfügung steht, nur um dort nichtige Kleinigkeiten zu vollbringen, die nicht den Anspruch hatten, von irgendwem wahr- oder ernstgenommen werden und doch letztlich sein Lebensgefühl ausmachten, vielleicht auch bezeichneten. Damals hörte er mit Wonne und sicher auch Genuss diese Töne, diese traurigen Melodien mit den mehr oder weniger sehnsuchtsvollen oder auch völlig schwachsinnigen Texten von tocotronic, niemals den Anspruch hatten, Punk zu sein. Entschuldige bitte. So sitzt Herr Nipp jetzt an seinem Schreibtisch, liest mit einer kleinen Träne auf der Nase die Zeitung und weiß um die verlorene Zeit, die letztlich doch ein Gewinn war.

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