Schreiben lernen

Wohl bewusst ist er sich, dass er in der Schule damals nur die Grundlagen des Schreibens gelernt hatte. Die Wiederholungsübungen zur Schönschrift damals waren ihm ein Grauen, vor allem wohl, weil die Lehrerin ihn gezwungen hatte, mit rechts zu schreiben. Erst mit vierzehn war er eigenständig dazu übergegangen, mit links seine Texte zu verfassen und zwar als er während einer Kalssenarbeit einen Krampf im rechten Unterarm hatte. Aber darüber weiß der regelmäßige Leser natürlich Bescheid. Auch über den Ärger, den es damals gab, weil der Deutschlehrer nicht glauben wollte und wahrscheinlich wohl auch nicht konnte, dass es Menschen gibt, die Tätigkeiten mit beiden Händen ausführen.
Jetzt sitzt er in einem Schreibkurs und will endlich lernen, wie literarisch verfasst wird. Einen Roman hatte er bereits angefangen und nie beendet, jetzt will er diesen wieder aufgreifen und endlich einem gelungenen Ende zuführen. „Sie müssen zum Schreiben immer ihre sechs Sinne abfragen und manchmal einen siebten Sinn entwickeln.“ Na toll, denkt er, habe ich denn überhaupt die ersten sechs? Vielleicht sollte er doch mal zum Akustiker gehen und sich ein Hörgerät anschaffen.

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Bienenstock

Oben in seinem Esszimmer sitzt er am Frühstückstisch und schaut ausnahmsweise mal nicht zum Aquarium mit seinem Gewimmel aus Guppys und Moderlieschen, sondern in den Garten. Irgendeine Bewegung hat ihn irritiert. Die Katze ist gesprungen, vielleicht hat sie versucht, ein Blatt oder ein späte Libelle zu erhaschen, vielleicht auch einen Vogel, was sehr ärgerlich wäre. Sein Blick fällt beiläufig auf den Bienenstock, wo heute wahrscheinlich gar nichts los ist, weil es regnet und kalt ist. Dann braucht er auch nicht zu schauen ob schon asiatische Wespen ihr Unwesen treiben. Nachmittags wird er heruntergehen zur Bienenbehausung und feststellen, dass dort mehrere Wespenleichen liegen. Die Katze hat offensichtlich ihr Werk getan.

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Ende im Gelände

“Wenn das so weiter geht, gehe ich nicht mehr weiter.“ Sie stapfen seit Stunden durch die Landschaft, auf der Suche nach Moosen, die es eigentlich gar nicht mehr hier gibt. Schon drei verschiedene haben sie gefunden, die ihnen verdächtig vorkommen. Es könnte sich vielleicht um Torfmoose handeln, die hier ausgestorben schienen. Zu Hause werden sie diese genauer bestimmen können, Der Leiter dieser Expedition hat zwar schon den Verdacht einer Wiederentdeckung geäußert, aber das muss unter dem Mikroskop verifiziert werden. Und dann sind sie endlich am Ziel angekommen. „Ende im Gelände.“ Jetzt gibt es eine warme Suppe. Der Tag wird am Ende ein Erfolg gewesen sein und die Schuhe werden die nächsten Tage mit Zeitung gepolstert trocknen.

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Ganz unten

Die Treppen ist er herabgestiegen. Ganz unten im Technikraum dieses Gebäudes muss er sich durch diverse Spinnwebenvorhänge arbeiten. Hände vor dem Gesicht auseinander ziehen, Gespinstgardinen teilen, damit er nicht nach wenigen Metern wie ein Zombie oder eine Hexe aussieht. Wer weiß, wie groß diese Biester hier unten sind? Als er gestern Abend eine schwarze Winkelspinne aus seinem Schlafzimmer entfernen wollte, musste er erkennen, dass die Spannweite der Beine um einiges über das Wasserglas hinausging. Nein, er hat keine Angst vor den flinken Krabblern, aber manchmal kann auch er sich erschrecken, etwa wenn ein solcher kleiner Gigant abends direkt vor ihm über den Teppich läuft. Natürlich bringt er die Tiere möglichst unversehrt nach draußen… möglichst weit weg, denn angeblich können sie bis zu mehreren hundert Metern zurück „nach Hause“ finden. Hier unten im Keller fühlt er sich ein Stück weit an einen Indiana Jones Film erinnert. Indiana Jones im Tempel des Todes. Dieser Gang mit den vielen Insekten, auf denen es sich läuft wie auf Popcorn. Egal. Er muss da durch, denn das Ventil muss zugedreht werden, sonst wird das Wasser oben ein verheerendes Werk anrichten. Es kommt, wie es sein muss. Natürlich liegt dieser Verschluss ganz hinten in der Ecke, die seit Jahren nicht mehr betreten wurde. Ganz klar, dass dort nicht nur Spinnen ihr Werk vollbracht, sondern offenbar eine gewisse Zeit auch Mäuse gelebt haben. Dann aber lächelt Herr Nipp. In der Ecke liegt auch eine Zeitung aus dem Jahr 1989, einige Tage vor dem Mauerfall, das ist doch mal eine Entdeckung und außerdem hat er sich vorausschauend schon Handschuhe in die Tasche gesteckt.

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Kauen

Einer seiner Bekannten kann eines überhaupt nicht gut haben. Wenn andere Menschen in seiner Gegenwart laut schmatzen. Schon die Geräusche normalen Kauens sind ihm zuwider. Glücklicherwiese kommt er meistens nach dem Essen, denkt Herr Nipp.

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