Kramen II

In dieser besagten Schublade hat er auch ein altes Messer gefunden. Eines dieser Taschenmesser, deren Griff aus zwei roten Platten bestehen und die weitere Funktionen als eine Schneide haben. Sie sind sozusagen die Vorläufer von Smartphones. Die Grundeigenschaft wird überfrachtet mit allen möglichen Werkzeugen, angefangen hatte es wahrscheinlich einmal mit einem Korkenzieher, dann kamen Nagelfeilen und Schraubendreher dazu, ein weiteres, kleines Messer auch. Man sagt, dass einige dieser Schweizer Messer bis zu dreißig oder sogar noch mehr Funktionen haben. Eben ähnlich den Smartphones. Die ersten Handys waren zum Telefonieren gedacht. Ein dicker Balken oder Backstein mit langer Antenne, mit dem man eines konnte, von überall anrufen, wenn es denn ein Netz gab. Dann kamen mehr und mehr Funktionen dazu, Schreiben, Apps für jeden Sch.., Taschenlampe, Kamera natürlich, nur bügeln können die Geräte noch nicht. Herr Nipp jedenfalls hat eines dieser Messer gefunden, die außer einer kleinen und großen Klinge nur einen Korkenzieher besitzen. Klein, praktisch und robust. Als er die große Klinge ausklappte, muss er feststellen, dass die Spitze fehlt und plötzlich überläuft es ihn heiß und kalt gleichzeitig. Als wäre er der kleine Junge von damals. Er hatte sich verbotenerweise dieses Klappmesser von seinem Onkel ausgeliehen, hatte glücklich damit geschnitzt. Ein kompletter Haselnussstab war damals verziert worden. Sah super aus. Und dann kam er auf die Idee, an verschiedenen Stellen kunstvolle Durchbrüche zu machen. Sein Onkel hatte noch am Tag vorher gesagt, dass man niemals mit einem Taschenmesser hebeln dürfte, weil die Gefahr besteht, dass die Klinge abbricht. Heute weiß Herr Nipp, dass er Recht hatte, damals glaubte er das einfach nicht. Es gab ein helles sirrendes Geräusch damals, die Spitze flog knapp an seinem rechten Auge vorbei. Da war das Messer kaputt. Leider. Und es war ein Gang nach Canossa gewesen, als er seinem Onkel die Tat beichten musste. Der war offen sichtbar sauer gewesen, sah dann das ehrliche Bedauern. Er hat ihm damals dann dieses Messer verschenkt und ein Bonbon obendrauf. Es ist gut, nicht alle kaputten Sachen wegzuwerfen, die Erinnerung an eigene Verfehlungen hilft doch sehr, ebenfalls nachsichtig zu handeln.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.