Kramen III

Er hat auch Pflaster entdeckt, die nicht mehr ganz so vertrauenswürdig scheinen, sie werden entsorgt. Das Nähset allerdings wird er behalten, das hat ihm in Notfällen schon häufig geholfen, wenn ein Kopf absprang etwa.
Nicht etwa, weil die Fäden so fadenscheinig geworden waren, sondern weil er zugenommen hatte. Glücklicherweise ist da auch Sockengarn bei, das ist ein Muss. Vor allen für Herrn Nipp, denn irgendwie beherrscht er die Kunst des Lochs zur Perfektion. Vielleicht ist es auch einfach nicht ganz so gut, feine Söckchen in den groben Arbeitsschuhen zu tragen oder in Wanderschuhen bei den sonntäglichen dreistündigen Spaziergängen. Vor allem aber ist Garn ihm vor Jahren immer wichtig für das Nähen von Hosen gewesen, denn auch da beherrscht er die Kunst des Lochs. Eine neue Hose mit einem Akkuschrauber verderben? Kein Problem. In der Stadt an irgendeinem herausstehenden Häkchen hängen bleiben und sich eine Klinke reißen? Jede Wette, wenn es so ein Häkchen gibt, wird er es intuitiv finden. Er wird auch automatisch den Stuhl auswählen, der jede Hose vernichtet, weil die oberste Furnierschicht ein Stückchen weit abgelöst ist. „Aber machen wir uns nichts vor“, denkt er dann, „wahrscheinlich geht es vielen anderen Menschen genau so wie mir. Glücklicherweise habe ich ein Nähset.“

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