Treffen

Nichts ist schöner, allerdings nur manchmal, denkt Herr Nipp, mit Freunden abends zusammen zu sitzen. Da kannst du dann mal richtig lästern oder einfach diskutieren über abseitige Themen. Wer weiß schon, was richtig oder wahr ist, ja gibt es überhaupt Wahrheit oder sind es eher Wahrheiten? Mitten auf dem Tisch ein riesiger Haufen Pommes “Räuberteller“ mit Majo. Jeder greift zu. Einige Flaschen mit verschiedenen Getränken und im Hintergrund läuft Musik. Plötzlich ist es Nacht, plötzlich Morgen. Die Runde geht auseinander und irgendwie hat man doch das Gefühl, nicht mit allen so richtig gesprochen zu haben, es war einfach nicht genug Zeit.

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Marian X

Jetzt mal ehrlich, die Welt ist geil. Das Leben sowieso. Und ich bin wahrscheinlich der glücklichste Mensch, der jemals auf dieser Erde gelebt hat.

Hier endet leider der Beginn des Romans, den Herr Nipp verfasst hat. Er ist nicht dazu gekommen, weiter zu schreiben. Irgendwas kommt solchen Großprojekten immer dazwischen.

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Marian IX

Oh, ja klar, natürlich macht es mir nichts aus, wenn die Sprechstundenhilfe erst mal alle anderen vorlässt, ich bin ja schließlich nur ein Kind und habe ja soviel Zeit. Na toll, warten und das Handy ist leer. Habe mich also mit diesen komischen Heften herumgeplagt, die in Wartezimmern immer ausliegen. Kann man auch gebrauchen wie einen Kropf. Drei Stunden da herumsitzen und dann andertzhalb Minuten untersucht werden und dann sagt der Arzt mir noch nicht einmal etwas, als würde es mich gar nichts angehen. „Na, mein Kleiner, da rufe ich dann gleich mal deine Mutter an.“ Ein echt geiles Gefühl, mit so einer Nachricht nach Hause geschickt zu werden. Ist doch echt zum Pickel ausquetschen. Hallo, ich bin weder doof noch Luft hätte ich am liebsten gesagt, aber wer hört mir schon zu. Und dann komme ich aus dem Behandlungsraum und bin so ziemlich genervt und wer sitzt draußen vor der Tür? SIE!!! Oh scheiße, das passte mir echt gar nicht. Da kommst du direkt aus der Hölle und plötzlich sitzt da die Erfüllung deiner Träume vor dir und was macht sie? Sie lächelt mich einfach an, sagt „Hi“ und geht, ohne aufgerufen worden zu sein, an mir vorbei in den Raum und begrüßt den Arzt mit: „Hey, Papa, wollte nur mal eben schauen, was du so machst, muss aber sofort weiter. Mein Freund wartet draußen.“ Gibt ihm einen Kuss ins Gesicht und ruft mir hinterher: „Warte!“

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Marian VIII

Was weiß die eigentlich schon? Und vor allem über mich! Alles nur Vermutungen. So ein Mist. Wenn die wüsste, dass alles wahr ist. Aber ich werde den Teufel tun und auch nur irgendwas davon zugeben. Da kam ich mir gestern echt vor wie ein Angeklagter, dabei hatte sie es sicher nicht böse gemeint. Ich hatte echt das Gefühl, sie würde mir den Verstand aus dem Hirn ziehen und dann reinscheißen. Oh man; WAS FÜR EIN TOLLE…. Klar, die kannst du dir echt abschminken, die ist zu hoch für mich. Und was die schon alles gelesen hat. Irre. Die nächste Woche werde ich mich auf meine Bude zurückziehen und einige von den Büchern lesen, die sie so verdammt beiläufig erwähnt hat. Wer kann denn schon ahnen, dass es so anstrengend sein könnte, jemanden kennen zu lernen, der einfach nur geil ist. Das glaubt mir sowieso niemand oder sagen wir mal so, das würde mir niemand glauben, wenn es irgendwelche Leute gäbe, mit denen ich mich ernsthaft unterhalten könnte, ohne dass sie weglaufen oder wahlweise mich auslachen. Aber die hat sich einfach in der Pause zu mir gesetzt und zugehört und dann hat sie angefangen zu erzählen und sie wusste so viel, hatte ich das Gefühl, über alle Menschen und vor allem über mich. Sie hat übrigens rote Haare und ist etwas größer als ich, das muss man sich mal vorstellen; rote Haare und größer und ich weiß nicht, ob sie wie ein Engel oder eine Hexe aussieht. Zumindest aber völlig faszinierend. Ich muss unbedingt versuchen, ihr auch zu imponieren, sonst spricht die bestimmt kein Wort mehr mit mir und denkt, boah, ist der Typ lahm. Also gibt es nur eine Möglichkeit: lesen lesen lesen.

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Marian VII

In einer Plattenhülle habe ich eine Notiz gefunden, die so gar nicht zu Papa passt, die aber in seiner Handschrift geschrieben ist. „Dein semiintellektuell anmutendes Schlausprech ist beseelt vom Wunsch nach irgendeiner Art von Relevanz und stellt sich letztlich immer wieder als hohles Geschwafel heraus, das von hübschen Worthülsen ach so poetisch dekoriert wird.“ steht da drauf. So ganz habe ich das noch verstanden, wenn es allerdings das meint, was ich denke, muss es dieser Satz echt in sich haben. Dann – dann wäre es harter Stoff, der Freundschaften zerbrechen lassen kann. TNT. Ich muss ihn unbedingt mal fragen, warum er das aufgeschrieben hat, aber wahrscheinlich wird er mir dann wieder irgendeine fadenscheinige und weichgespülte Geschichte erzählen – als wäre ich ein kleiner dummer Junge. Vielleicht frage ich besser die Mama, die mag ihn eh nicht mehr so gut leiden und vielleicht weiß sie ja etwas darüber. Ziemlich harte Stories habe ich da schon erfahren. Papa scheint gar nicht so nett und zurückhaltend gewesen zu sein, wie er immer tut. Und vorsichtig war er schon gar nicht. Ich verstehe nur nicht so ganz, warum er selbst nichts drüber erzählt. Da erfährst du lediglich, wie vorsichtig er sein Leben lebt. Die Musik finde ich jedenfalls ziemlich schrecklich, Tuxedomoon oder so ähnlich heißt das Werk, ziemlich schräge Töne, nicht meins. Wahrscheinlich erzählt er wieder, dass man solche Sachen nur oft genug hören muss, um einen Zugang zu kriegen. Das hat er vor einem Jahr schon bei Mozart und Bach gesagt und das ist echt der letzte Scheiß. Da gibt es noch nicht einmal Drums.

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