Plätschern

Es ist wohl klar, dass immer ein Wort der Auslöser für einen Text darstellt. Was ergibt sich daraus? Eine Frage, die sich erstmal im Kopf ein paar Runden drehen muss, bis sie in die richtige Lage kommt. Vor einigen Jahren war etwa Herrn Nipp bei einem dieser Seminare, die er regelmäßig über sich ergehen lassen muss, weil der Arbeitgeber es so wünscht und wahrscheinlich ist das auch vorgegeben, also obligatorisch, da sollte er zum Wort „Plätschern“ eine kurze Rede halten. Nicht dass die hier nun wiedergegeben werden soll, das wäre wirklich müßig, aber vielleicht wäre es interessant, jetzt nochmal Herrn Nipp zu bitten, damit umzugehen, einfach so, aus dem Lameng, wie so schön gesagt wird.

„Herr Nipp, sie sind ja bekannt dafür, dass sie recht schnell, ja geradezu spontan, zu fast allem etwas sagen“, könnte der Reporter nun anfangen. „Na ,eigentlich kann sich ja wohl jeder zu fast jeder Gelegenheit zu allem etwas äußern.“ „Ich meine aber nicht die spontane unstrukturierte Meinung, die Sie abgeben sollen, sondern ein qualifiziertes Statement. Bitte halten Sie doch eine kurze Rede zum Wort „Plätschern“.“ „Also mal ganz ehrlich, irgendwie habe ich das Gefühl, die möchten mich gehörig veräppeln.“ „Sie würden unseren Lesern also nichts darüber sagen?“ „Nein.“

Na, Pech gehabt, wir können aber immerhin daraus lernen, dass nicht über jedes Wort geschrieben werden kann.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Plätschern

Sonnenstrahl

Du bist so hart
und warm
und weich
Du lullst mich wieder ein
zeigst Grenzen auf
und trocknest Tränen
verbrennst die Felder
und die Haut
Sonnenstrahl
du reinste Energie

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Sonnenstrahl

Der Preis der Hiebe

Selten guckt Herr Nipp im Strömungsprogramm der öffentlichrechtlichen Sender Sport. Irgendwie aber fand er einen Boxkampf doch einmal spannend. Vielleicht, weil die festen Regeln, einem fast religiösen Ritus folgen. Hier aber sollen keine Seelen beglückt werden, sondern die Menschen setzen ihr Geld auf Gewinn oder Verlust des Favoriten. In der wievielten Runde, in der wievielten Minute dieser wird der Gegner zu Boden gehen. Die behäbigen Schwergewichtler muten etwas zu langsam, ja geradezu langweilig an. Er möchte sich überhaupt nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, von so einem Menschen einen Hieb abzubekommen. Schon gar nicht, wie es ist, verdroschen zu werden. Die Fliegengewichtler machen ihm mit ihrer Spritzigkeit mehr Freude. Sie sind flink und drahtig, kein Gramm Fett zu viel. Aber er weiß auch, dass die meisten von diesem hochmotivierten Kämpfern irgendwann an schweren Hirnverletzungen leiden werden. Das ist der Preis der Hiebe.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Der Preis der Hiebe

keinem andern zu

Draußen ist es endlich dunkel geworden. Immerhin werden jetzt schon die Tage wieder etwas kürzer. Herr Nipp steht in der Küche, hat eine kurze grüne Hose an. Vielleicht ist sie auch blau. Das ist aber auch egal, das steht hier nur, damit sich der Leser überhaupt etwas vorstellen kann. Auch die Tatsache, dass er den frischen Knoblauch, welchen er gleich zum Kochen verwenden wird, riecht, ist im Grunde irrelevant, denn darum geht es nun wirklich nicht. Draußen gehen laut redende Männer am Haus vorbei. Der wachsame Leser hat jetzt begriffen: Das ist völlig schnuppe. Eben aber noch war die kleine Katze da, die mit den Flecken, die aussieht, als sei sie aus einem Film entlaufen. Sie miaute laut „miau“, er hat geantwortet, um die Lächerlichkeit wissend, dass er sich dem Willen eines Tieres unterwirft. Aber irgendwie hat sie ihn sich in den letzten Monaten gefügig gemacht. Früher konnte nur darüber lachen, wenn Menschen einen Fetisch aus ihren Tieren machten. Seine Mutter hätte gesagt, so ein Bohei. Jetzt hat er sich selbst zum Opfer gemacht und ist glücklich damit.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für keinem andern zu

Papa und Mama oder M&P

Trotz aller Divergenzen, die er mit seinen Eltern hatte, Divergenzen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch der Pubertät und er Herkunft aus völlig verschiedenen Zeiten geschuldet waren, hat er sie geliebt. Seine Eltern, beide noch vor dem zweiten Weltkrieg geboren, hatten teilweise Einstellungen, die er, nach `68 in die Welt geschleudert, nicht teilen konnte. Sie waren in den fünfzigern erwachsen geworden und hatten mit Krieg und Hunger mit Sicherheit schlimme Zeiten erlebt, aber dass sie so sehr an ihren biederen moralischen Vorstellungen festgehalten hatten, war Herrn Nipp immer völlig unverständlich gewesen. Heute sieht er das alles mit Altersmilde und würde sich gerne manchmal mit ihnen unterhalten und mehr über die Zeit damals aus erster erster Hand erfahren. Aber er weiß natürlich auch, dass es auch Familiengeheimnisse gab, die niemals thematisiert werden durften. Dann fragt er sich zuweilen, wie das seinen Kindern geht, was die wohl über ihre M&P denken. Auch seine Nachkommen wurden in eine völlig andere Zeit geboren, als er selbst. Wer weiß, vielleicht haben auch sie Fragen, die ihnen erst einfallen, wenn er bereits auf dem Streufeld ausgestreut worden ist.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert für Papa und Mama oder M&P