Dokumente

Wieder einmal sitzt Herr Nipp an seinem Schreibtisch, der ganz nebenbei bemerkt auch sein Frühstückstisch, sein Essenstisch und jener ist, an dem er sich mit den Freunden trifft, und füllt eines dieser leidigen Schriftstücke für Behörden aus. Die Felder sind wie immer zu klein, obwohl er schon eine recht minimierte Handschrift besitzt, die Angaben hält er selbst für zu persönlich, aber was soll man machen. So sind Behörden nun einmal. Wenn diese das Gefühl haben, ihre Bürger nicht genug im Griff zu haben, dann sind sie unglücklich. Und hinterher, denkt er, ist doch alles ganz genau erfasst, was ja auch mal Vorteile hat.

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Die schlauesten Schlaumeier von allen

Wenn er alle seine Probleme zusammenfassen würde, dann wären es sicherlich die schlausten Schlaumeier, die ihm die größten solchen verursacht haben. Es geht ja schließlich nicht darum, dass alles einfach ist. Es geht auch nicht darum, dass irgendetwas schwieriger ist als etwas anderes, sondern darum, dass die Extremerfahrungen meist die schlimmsten sind. Wer weiß, vielleicht sind es auch die besten. Natürlich geht es auch um Extrembegegnungen und ganz ehrlich, er gerät immer wieder an solche seltsamen Naturen, die von sich glauben, die wunderbarsten Wesen dieser Welt zu sein. Seien es nun Frauen, Kinder oder Männer, offenbar haben alle ihre sonderbaren Macken, ihre verrückteren Ecken und schärfsten Kanten. Herr Nipp dagegen ist ein völlig normaler Mensch, er hat nichts Verrücktes an sich. Aber jedes Mal, wenn er auf die anderen Menschen trifft, hat er das Gefühl, sich die schlimmsten Verwundungen zuzuziehen. Egoistische Männer, die nur ihren eigenen Vorteil suchen. Extravagante Frauen, die glauben, durch ihre Ausstattung besonders zu sein. Monsterhafte Kinder, die nur sich selbst sehen und kein kleinstes Gefühl für andere zeigen. Und dann sind da eben jene schlausten Schlaumeier, die in allen drei Gruppen zu finden sind. Und mal ganz ehrlich, wer mag schon Menschen , die klüger sind, als man selbst.

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Laune

Manchmal freut sich Herr Nipp so sehr über das Wetter, trotz aller Probleme dieser Welt, trotz der Baustelle direkt vor dem Haus und trotz seiner Entzündung von Haarwurzeln in der Nasenspitze (auch als Säufernase bekannt), dass er sich dick eingemummelt in den Garten setzt und Gedichte liest. Heute freute er sich über Leute, die Jahreszeitengedichte verfassen. Da las er etwa eines von einem gewissen Matthias, das er wirklich schön findet und in jedem Kinderbuch gern lesen würde.

Frühlingsdonner

durch das Fenster lacht die Sonne

süße, warme Strahlenflut

streichelt mich mit dufter Wonne

Frühlingshauch, was tust du gut

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Wie man dauerhaft Veranstaltungen plant

Nach einem oppulenten Mahl haben sich die drei Freunde zu Musik, die Herr Nipp als Höhepunkte der guten Laune bezeichnet um den Kaminofen versammelt und tanzen gemächlich. Gespielt werden wahre Partykracher wie Joy Division, The Jesus and Mary Chain und Johnny Cash, die Stimmung nimmt geradezu euphorische Ausmaße an. Niemand kann sich so richtig erklären, warum uns Musik immer in unserem Innersten trifft. Sie machen sich mal wieder Gedanken darüber, dass in ihrer Stadt auch so gar nichts mehr los ist. Seitdem die Lieblingskneipe verschwunden ist, muss man schon ins Umland fahren, um mal wieder ein Konzert zu hören und das dann zu wirklich saftigen Preisen. Selbst fast unbekannte Bands kosten dann ja einen Zehner auswärts. Das war in ihrer Lieblingskneipe natürlich ganz anders. Egal wer spielte, es kostete immer einen Fünfer.
„Ach ja, das ist ja so schlimm…“
„Ja, sehr schade.“
„Wirklich schade.

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Katzenjammer

Er kann sie wie jeden Tag schon von weitem kommen hören. Auf ihren Wegen wird sie regelmäßig von den Hasstönen der Elstern begleitet. War sie zu Anfang noch sehr davon eingeschüchtert, scheint sie das Meckerkonzert heute fast zu genießen. Manchmal schaut die Katze auf und fordert ihren Fanclub geradezu heraus. Erst wenn die Vögel darauf mit größter stimmlicher Anstrengung geagiert haben, geht sie weiter. Katzen sind seltsame Wesen. Das wusste Herr Nipp zwar schon immer, doch früher konnte er die Auswirkungen von Katzenverhalten vor allem bei anderen Menschen beobachten. Heute geschieht es ihm selbst, denn vor einem Jahr hat eines dieser fremdvertrauten Tiere aus der Nachbarschaft beschlossen, die Bewohner seines Hauses zu adoptieren. Jeder, der auch nur kurzzeitig hier wohnt, behört ihr. Inzwischen besitzt sie in jeder Wohnung ein bis zwei Schlafplätze, je nachdem, was gerade gewünscht ist. Mal liegt sie in der Ausbaureserve des Daches in einem gemütlichen Schuhkarton mit Decke. Mal auf einem Stuhl im ersten Obergeschoss, auf dem die Besitzerin eine Felldecke drappiert hat. Im Winter hat sie bei Herrn Nipp im Erdgeschoss direkt neben dem Kaminofen geschlafen. Und zuweilen hat sie auch ein altes Sesselchen im Keller unter Beschlag.
Da er sommers gerne draußen auf seiner Terrasse sitzt, um dort seine geliebte Wochenzeitung zu studieren, kommt die Katze dorthin, begrüßt ihn mit maunzen und setzt sich neben ihn. Meist streichelt er dann durch das wunderbar weiche Fell. Manchmal rollt sie sich auch auf seinem Schoß zusammen und lässt sich das Kinn mit Vorliebe kraulen. Natürlich reden sie immer miteinander. Zunächst kam er sich ziemlich blöd dabei vor, inzwischen sind alle kommunikativen Schranken gefallen. Jeder spricht in seiner Sprache und wahrscheinlich vertsehen sie sich auch so gar nicht, aber beiden scheint es zu gefallen. Katzenjammer gibt es eigentlich nur, wenn sie mal nicht morgens kommt, weil sie anderweitig verpflichtet ist.

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