Zuhören

Neben dem Sehen, dem Beobachten und Betrachten ist das intensive Zuhören ihm immer wieder ein Wichtiges, um zu verstehen. Wie ticken Menschen, was denken sie und vor allem welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus. Immer wieder ergeben sich Situationen, in welchen er zum unerwarteten Zuhörer wird. So die beiden Mitarbeiterinnen eines mittelständischen Unternehmens, welche sich völlig unbedarft über die Geschäftsleitung unterhielten, über das letzte Gespräch mit dem Chef allemal und vor allem darüber denken. Man könnte sagen, diametral anders, als sie sich gegenüber ihm verhalten als dieser plötzlich auftaucht, durchaus neckisch, etwas flirty, sehr verbindlich. Da geht es allerdings dann wohl um Karriere, da muss man sich nichts vormachen. Jeder spielt seine Rolle und bestimmte Blicke funktionieren doch immer.

Viel spannender wird es allerdings für ihn, wenn die unbedarften Menschen ganz ohne Absicht abgründe ihrer Seele und des täglichen Erlebens aufreißen. „Das mache ich nicht.“ „Alter, das ist doch völlig cool oder nicht, alter.“ „Schon, aber dann setzt es zu Hause wieder Dresche.“

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Strand

Muschelsucher waren an diesem Tag überall zu sehen, säumten scharenweise die Ufer der ablaufenden Prile. Mit Harken, Schüppchen und Eimerchen gerüstet, hochkonzentriert ihrer Arbeit nachgehend. Die Hälfte der Männer mit gestreiften Shirts oder Pullovern. Nicht so sehr wahrscheinlich aus Traditionsgründen. Einfach weil es in diesem modern ist wie lange nicht mehr. Auch kleine Kinder halfen mit. Freude in den Augen, jedesmal wenn sie eine geschlossene Muschel fanden. Gegen Mittag verschwinden die Suchenden plötzlich wieder. Wohl im Wissen des köstlichen bevorstehenden Mahls.

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Zentrale Fragestellung

Die zentrale Fragestellung, da sind sich die meisten Menschen völlig einig, ist jene nach dem Sinn. Also nach dem Sinn des Lebens und dem Sinn von allem an sich. Ein schwierige Fragestellung, an der der sich die Philosophen seit Jahrtausenden abmühen. Na gut, meist beschäftigen sie sich mit Beschreibung und Analyse, der Erfassung der Welt, denn instinktiv wissen auch sie, dass jeder Versuch der Sinnantwort zum Scheitern verurteilt ist. Da ein Sinn nämlich an sich ausgeschlossen werden kann, abzüglich der genetischen und kulturellen Reproduktion, damit der Fehler, damit der Entwicklung, verlegen wir uns doch lieber au die unsinnigsten Teilgebieten und schalten damit die Sinnsuche einfach aus. Wir sammeln was auch immer, Dinge, Urlaube, Erfolge oder Partner und tun so, als seien sie der Mittelpunkt der Welt. Du könntest jetzt sagen, das sei aber eine negative Sicht auf die Dinge. Tatsache aber ist, dass die Sinnsuche letztlich ein personale Frage ist, die niemals für alle zu beantworten ist. Also lassen wir dem und der Einzelnen seine Suche.

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Das Gute

Ja, tue Gutes und sprich darüber, peinlich ist es aber, nichts zu tun und darüber zu sprechen.

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Terrasse II

Sehr früh morgens hat er sich auf die Terrasse hinausbegeben, das Bett verlassen, das ihm zur Falle geworden war. Nur mit einer Unterhose bekleidet, die frische Morgenluft an den Körper zu lassen. Er betrachtet die umliegende Landschaft, die allgemein verständlich gesprichen aus ihrer gedachten Ruhe erwacht, was so natürlich in keiner Weise stimmt. Die Natur schläft nicht, nur die von uns gewohnten Teile zeihen sich in ihre Verstecke zurück, jenen Platz zu machen, welche in der Dunkelheit ihre ökologische Nische besetzen. Über den Bäumen und Felsen, die zwischen jenen herausragen, hat sich inzwischen ein orangefarbenes Licht gebildet, das den Sonnenaufgang ankündigt. Aus den umliegenden Häusern hört er erste Geräusche. Die Menschen ahnen, welche Temperaturen den kommenden Tag auf sie zukommen werden. Sie stehen früh zu erträglichen Konditionen auf und werden sich gegen Mittag für einige Stunden ins Bett oder auf die Couch zurückziehen, ein Schlümmerchen machen.  Dahindösend abwarten bis die Hitzegrade im erträglichen Bereich liegen. Er genießt diese Zeit der einfachen Betrachtung morgens. Nichts erwartet er, nichts wird von ihm erwartet. Sehend und wahrnehmend kann er den Gedanken jenen Freiraum geben, der nötig ist, wirkliche Freiheit zu fühlen, um diese in eine wie auch immer geartete innere Freiheit zu überführen. Langsam wird der Himmel blendend. Ein geradezu gleißendes Licht überfließt alles um ihn herum. Gleich wird die Sonne sich zum ersten Mal an diesem Tag zeigen. Die Tauben künden es mit ihrem Gegurre und zurückhaltenden Gerufe, die Hähne im Tal sowieso. Die haben sich allerdings schon mit dem ersten Aufhellen des Himmel gemeldet. Einige wenige andere Vögel sind zu hören. um diese Jahreszeit sind die Singvögel schon längst wieder leise. Die Jungen haben sie meistens schon durchgebracht, das Brutgeschäft ist beendet, niemand muss mehr sein Revier verteidigen, im Gegenteil, sie tun sich oft zu kleinen Schwärmen zusammen. Vielleicht wird noch eine Drossel ein zweites oder sogar drittes Gelege bebrüten, aber jetzt muss es nach dem Stress eigentlich wieder darum gehen, die Kräfte und Reserven für den kommenden Winter aufzubauen. Den Horizont kann er inzwischen nicht mehr betrachten, so intensiv leuchtet die korona der aufgehenden Sonne. Als die ersten Strahlen ihn treffen, muss er feststellen, dass die Temperaturen nicht wie erwartet sofort nach oben schnellen, aber die echten Schlagschatten sind da. Sie zeigen dem Licht, dass nichts folgenlos bleibt und werden von ihm selbst doch nie gesehen. Er legt sein Notizbuch zur Seite, geht in die winzige Urlaubswohnung und bereitet sich einen einfachen Kaffee zu. Zwei Löffel Pulver werden in der Tasse mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser aufgegossen und umgerührt. Ein herrlicher Duft breitet sich schnell aus. Was aber gibt es Besseres; Ruhe, Wärme und eine Tasse Kaffee.

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