Überschriften für mögliche Geschichten

  • Straßenrandbegrünung
  • Siepenteich
  • Baumleichenwald
  • Gehländer
  • der Gartentisch
  • Apfelweinbämbel
  • Wandleuchtendjungel
  • von Speierling und Elsbeere
  • die Flamme oder das Vergehen der Kerze
  • Buchsbusch und Buxbaum
  • Biersortenkunde

Weitere Vorschläge bitte beim nächsten Spaziergang oder abendlichen Feuer einzureichen. Vielleicht, wer weiß das schon, wird Herr Nipp sich dann damit auseinander setzen.

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an diesem Morgen

Nach den letzten Tagen der Kühle und des dringend benötigten Regens scheint heute morgen die Sonne in sein Zimmer, quatsch, das geht ja gar nicht, das dieses nach Süden ausgerichtet ist. Also gut, neuer Anfang. Als er aufwacht und aus dem Fenster schaut, ist ihm klar, dass dieser Tag ein wirklich schöner wird. Der Himmel ist blau, fast wolkenlos. Herr Nipp hadert kurz mit sich, wollte er doch eigentlich lange liegen bleiben, und steht dann auf. Er öffnet die Terrassentür, schaut in den Licht durchfluteten Garten, überall Blüten zwischen den dieses Jahr noch ungemähten Gräsern. Er hat sich vorgenommen, gegen Ende Mai den Mäher flott zu machen und dann einmal Grund reinzubringen, allerdings wird er dabei aufpassen müssen, dass die gerade Samen bildenden Frühblüher nicht wegkommen. Es ist hier müßig aufzuzählen, was alles dort im Garten wächst. So nach dem Motto mein Auto, mein Segelboot, mein Haus, meine Frau; das ist nicht seins. Aber vielleicht vermittelt es einen Eindruck, wenn der Leser (Vorsicht, generisches Maskulinum. Natürlich weiß der Autor, dass seine Texte hauptsächlich ein weibliches Publikum finden. Nicht weil sie besonders darauf zugeschnitten sind, sondern weil die meisten Männer einfach zu faul zum Lesen sind. Der Leser soll hier nicht wertend oder geschlechtsspezifisch gemeint sein. Aber es ist schon komisch, dass heute bei Verwendung des generisches Maskulinums sofort die Genderwarnlichter angehen.) weiß, dass die derzeitige Leitblüte die Akelei ist. Zwischen dem Weiß und Dunkelstviolett, alle Farben der Skala Rosa, Blau und Hellstbleu, dazwischen sicher jede Menge anderer Pflanzen, die ihre betörenden Farben und teilweise Dufte zeigen. Und natürlich die weißen Sterne des Bärlauchs, das sich seit einigen Jahren frei im Garten ausbreiten darf. Die Bischofsstäbe der Straußfarne am Üferchen zur Terrasse sind noch nicht ganz ausgerollt und zeigen das schönste vorstellbare Grün. Die Walnuss im Garten zeigt ihre ersten rot bespitzten Blätter. In der Wiese, die kein Rasen sein soll, sitzen diverse Vögel und natürlich auch das Taubenpaar, welches in der Zirbe lebt oder dort zumindest ein Nest unterhält. Das frühmorgendliche Gezwitscher hat schon nachgelassen und man kann beizeiten einen Spatzen frech kreischen hören. Die Spatzengang hat in den letzten zwei Jahren die gesamte Nachbarschaft für sich erobert. Der Himmel wird von Mauerseglern zerschnitten. Nachdem Herr Nipp die Bierflaschen des gestrigen Abends mit einigen der besten Freunden, die man sich denken kann, vom Gartentisch geräumt hat, setzt er sich dorthin, schließt die Augen, riecht die Luft, hört die wenigen Töne der Tiere, lauscht und spürt die leichten Lufthauche auf der Gänsehaut. An diesem Morgen weiß er, wo er hin gehört.

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Baum und Haus

Im Keller hatte er Fotos entdeckt, die eigentlich endlich entsorgt werden sollten und doch saß er nun seit drei Stunden dort und sah sie durch, eines nach dem anderen. Fotos von Bergen, Fotos von Blumen, Fotos vom Garten, Fotos von Menschen und viele viele Fotos von Architekturen. Im kleinen Diabetrachter wirken diese Bilder sehr niedlich, die ihn früher bei abendlichen Diaschauen vor der eigenen Leinwand so beeindruckt hatten. Es war immer ein großes Erlebnis, diese Rückblicke auf die Urlaube, die Jahresläufe, auf die eigene Vergangenheit zu betrachten, die Familie saß zusammen und man witzelte oder Anekdoten stellten sich ein. Eine Familiengeschichte in Bildern. An einem Dia bleibt er allerdings sehr lange hängen. Es ist eine Aufnahme des Gartens von vor zweiunfzwanzig Jahren. damals war der Walnussbaum ein dünnes Zweiglein, dass man mit viel gutem Willen finden konnte. Heute ist er größer als das Haus und hat das Wachstum mit Sicherheit noch nicht eingestellt.

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Schön

Eines ist ihm über die Jahre klar geworden. Moden gehen und verschwinden, das ist auch gut so, sonst würde es ja auch schrecklich langweilig und die entsprechende Industrie hätte nicht mehr so viel zu tun. Wer würde schon hochwertige Kleidung kaufen. Eine andere Sache ist ihm jedoch ebenso aufgefallen, die Mode ändert sich nicht nur in der jeweiligen Gegenwart, sondern auch den Blick auf die Vergangenheit. Wer sich Historienfilme der Fünfziger Jahre anschaut, wird dort verklausuliert auch die Mode der Fünfziger finden, noch extremer in den Siebziger Jahren. Serien und Filme über das neunzehnte Jahrhundert waren von ihrer Ausstattung und den Frisuren klar beeinflusst. Eines aber hat Herr Nipp für sich selber herausgefunden. Egal aus welcher Zeit ein Dokument stammt, es gibt eine Form der Schönheit, die bleibt, es sind die Blicke an sich, egal welche Maske um sie herum geschaffen wurde.

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Stimme

Er weiß wirklich nicht, ob das normal ist, aber seit er die Stelle angetreten ist und das ist schon eine ganze Weile her, lässt sich sozusagen in Jahrzehnten bemessen, bringt eines seinen Blutdruck in nicht dafür vorgesehene Höhen, egal ob er seine Medizin geschluckt hat oder nicht. Er muss die Stimme nur entfernt auf dem Flur hören, ja, nur einen Anflug davon und schon schrillen alle Alarmglocken. Vorsicht, geh weg, die Stimme kommt. Sie gehört einem Mann, der ihm nichts zu sagen hat, mit dem er sich auch schon oft unterhalten hat, den er sogar ganz nett findet. Aber diese Stimme ist aus einer gewissen Entfernung wirklich unerträglich. Und gerade kommt sie mit ihrem seltsamen Singsang näher und näher und irgendwann wird sich die Tür öffnen und sie wird „Hallo“ sagen, Mit einer unnachahmlich naiven Art, seine Haare, jedenfalls die, die er noch hat, stehen schon jetzt zu Berge. Da sieht er gerade noch die zweite Tür, steht auf, geht zügig dorthin, ohne jedoch zu rennen, denn das würden die anderen Anwesenden vielleicht missdeuten, drückt die Klinke und muss feststellen, dass sie verschlossen ist. Die andere Tür derweil öffnet sich: „Hallo!“

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