gegenüber

Auf der anderen Seite des Tisches sitzt eine Freundin, sieht ziemlich ausgehungert aus. Herr Nipp hat ihr Dürums und eine Schale voller gegarten Gemüses vor den großen Teller gestellt. Voller Lust und Hungerlaune bereitet sie sich ein Wrap und beißt herzhaft zu, einmal, noch einige Male und nach wenigen Minuten steht sie auf, füllt die Schale eigenständig nach, nimmt sich noch ein Fladenbrot und die Prozedur beginnt von Neuem. Irgendwann schaut sie ihn zufrieden bis glücklich an und meint aus tiefstem Herzen „Lecker.“

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So müde

Den ganzen Tag schon hat er geschaffen, hier und da und dort und immer war er auf den Beinen. Das kennt er so und findet es auch gut und normal. Dazwischen darf ihm allerdings nicht eine kurze Pause kommen. Auf dem Sofa ist er sofort eingeschlafen und beim Aufwachen ziemlich orientierungslos.

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Zeichnungen

Neben ihm auf dem Tisch liegt ein Stapel Zeichnungen, die er durchsehen will. Regelmäßig bekommt er solche visuellen Schätze herein und sieht sie durch. Manchmal gefällt ihm ein Bild so sehr, dass er es behält. Dann kauft er auch schon mal eins. Meistens aber kriegt er es für seine zeitaufreibende Tätigkeit geschenkt. Die Bewertung von Zeichnungen ist nicht so einfach, wie man sich das denken könnte. Vor allem für Auktionshäuser ist diese Tätigkeit sehr wichtig. Viele Aspekte müssen dabei bedacht werden. Herkunft, Erhaltungszustand, Anfertigung, Präzision und manchmal findet er auch heraus, um welchen Künstler es sich handeln könnte, dann folgen meist längere Recherchen. Glücklicherwerise kennt Herr Nipp einige Sammler, die von vielen Künstlern einige Zeichnungen in ihrem Portfolio haben. Manchmal allerdings findet er rein gar nicht. So wie dieses Mal. Aber er sieht die unglaubliche Qualität und er beabsichtigtvauf jeden Fall einige Blätter nehmen, zu erwerben, sie haben sich hinterrücks in sein Herz geschlichen, da ist es letztlich egal, wer sie angefertigt hat.

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Äpfel pflücken

Den Pflücker hat er schon voreiliger Zeit aus dem Schuppen geholt. Zu seiner Überraschung hatte dieses Mal auch keine Maus im Sack genistet oder diesen zerbissen. So konnte er ohne Reparatur schon frühzeitig die oberen Äpfel ernten. Inzwischen sind einige Eimer heruntergenommen worden. Einige davon wurden natürlich verschenkt, an Freunde, an Kollegen auch. Wer hat, kann auch geben, denkt sich Herr Nipp. Die letzten Früchte werden jetzt geerntet, sie haben diese gewisse Süße, die eben nur späte Ernten haben, welch ein Genuss, und allen Unkenrufen zum Trotz waren die Früchte am Ende doch wesentlich größer als in den letzten Jahren. Dank der Beschnittkünste eines Freundes ist der Baum viel vitaler geworden und schiebt den Zucker statt in Wassertriebe nun in die Frucht. Allerdings ist nun bis zum letzten Apfel bei diesem großen Baum die eine Gefahr geblieben, die sich seit dem Frühsommer zeigte. Es besteht immer die Möglichkeit vom Fallobst erschlagen zu werden.

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Fraglich

Mit einer seiner entfernten Bekannten, die er lange nicht mehr gesehen hatte, hat er darüber gesprochen, ob die Dinge denn nun wirklich sind, wie sie uns scheinen oder ob sie uns so scheinen, weil wir sie so sehen (möchten) oder weil wir so handeln, wie und weil wir es nicht anders können. „Ein anderer Mensch, der auf mich zukommt“, sagt Herr Nipp, „wird immer einen bestimmten und nicht vorhersagbaren Eindruck hinterlassen. Ob er wirklich so ist oder wie erwartet handelt, das weiß ich nicht, ich habe da nur so meine Befürchtungen.“ „Hm.“ „Ob der mich wirklich ernst nimmt oder als ebenbürtig sieht, ob er mir gegenüber vielleicht sogar aggressiv auftreten wird und vielleicht sogar die Hand gegen mich erhebt, auch das kann ich nur vermuten. Ich weiß aber genau in diesem Moment nicht mehr, was denn nun etwas oder einen Gedanken in mir ausgelöst hat. Vielleicht handelt er ja auch nur an mir so, weil ich so und so geschaut oder gehandelt habe. Der Aggressor ist schließlich auch immer ein bestimmtes Feindbild.“ „Hm.“ „Was, Hm?“ „Dein Denken und Handeln ist einfach geprägt von deiner toxischen Männlichkeit.“ Sie sagt es und geht.

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